Antischeimpflug:
Effekte mit schräger Schärfe

Thomas Rathay, 1. August 2007 08:13 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Die Schärfe einer Fotografie liegt (üblicherweise) in einer Tiefenebene parallel zum Film/Sensor. Mit Fachkameras oder Spezialobjektiven lässt sie sich manipulieren und verläuft dann beispielsweise “schräg” durchs Bild.

Die Scheimpflugsche Regel besagt, dass sich die Bild-, Objektiv- und Schärfeebene in einer gemeinsamen Schnittgeraden schneiden müssen, damit alle Objekte der Schärfeebene (auch Projektions-, Objekt- oder Gegenstandsebene genannt) auf der Bildebene scharf abgebildet werden. Sie wurde 1907 von dem österreichischen Offizier und Kartographen Theodor Scheimpflug (1865–1911) entwickelt.

Grade in der Architekturfotografie spielt sie eine grosse Rolle: Um stürzende Linien, verzerrte Kanten und abfallende Schärfe an langgestreckten oder hochaufragenden Gebäuden zu vermeiden, braucht man eine Kamera, deren Bild- und Objektivebene nicht zwingend parallel zueinander stehen müssen. Spezialobjektive dafür gibts auch für die digitale Spiegelreflex (siehe unten).

Besonders viele Möglichkeiten haben Besitzer von Großformatkameras, auch Fachkameras genannt. Es gibt verschiedene Firmen, die solche Kameras herstellen. Ich arbeite immer noch mit meiner CAMBO, aber auch SINAR und LINHOF stellen Kameras mit Aufnahmeformaten ab 4×5 Inch her.

Bei diesen Kameras sind die Vorderseite mit dem Objektiv und die Rückseite mit der Mattscheibe und dem Film durch einen flexiblen Balg miteinander verbunden.

Während bei normalen Kameras das Gehäuse starr ist und nur die Fokussierbewegung des Objektives möglich ist, kann bei Fachkameras das Gehäuse in sich bewegt werden.

Eine Möglichkeit, die sich damit bietet, ist der sogenannte Antischeimpflug. Hierbei werden die Film- und die Objektivebene so verstellt, dass die Schärfe nur sehr selektiv durch eine festgelegte Ebene verläuft.

Ähnliche Resultate erzielt man auch mit Shift- und Tiltobjektiven an Kleinbild-Spiegelreflexkameras oder mit den “lensbabies”. Diese sind eine relativ preiswerte Variante und bereiten durch den Einsatz an Digitalen SLRs unbegrenztes Spielvergnügen.

Wie an meinen Beispielen zu sehen, kann man durch diese Verstellmöglichkeiten das Augenmerk des Betrachters gezielt auf einen Punkt lenken. Eine Besonderheit des Gebäudes oder ein Firmenlogo für Werbezwecke werden so prägnant wahrgenommen.

Darüber hinaus eröffnet der Effekt unzählige kreative Möglichkeiten, die heute zwar auch in der “digitalen Dunkelkammer” geschaffen werden können, den Direktaufnahmen aber niemals das Wasser zu reichen vermögen.

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3 Kommentare

  1. Nadine
    schrieb am 2. August 2007 um 09:31 Uhr (#)

    Ich bin ja sooooooooo neugierig, deshalb möchte ich gern dieses Stöckchen überreichen: http://megapixelig.de/502…ografiestackchen.php

    Grüße sendet Nadine

    PS: Weiter so :-) Das gefällt mir hier sehr gut!

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 2. August 2007 um 23:44 Uhr (#)

    Nadine – vielen Dank für die Blumen (fast hätte ich gesagt: Aus berufenem Munde. Aber das Bild schlägt dem Fass irgendwie die Krone ins Gesicht… ;-). Wegen des Stöckchens: Wir werden unsere Autoren und Experten demnächst alle etwas ausführlicher vorstellen – und dann erübrigen sich die Fragen hoffentlich.

  3. Nadine
    schrieb am 3. August 2007 um 11:35 Uhr (#)

    Wir werden unsere Autoren und Experten demnächst alle etwas ausführlicher vorstellen – und dann erübrigen sich die Fragen hoffentlich.

    Na dann warte ich mal ab :-)

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