Bilder für Millionen – oder:
Die “Struffskys”

Uli Eberhardt, 8. August 2007 16:57 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Die Wochenzeitung Die Zeit beschäftigte sich in ihrem Dossier mit der zeitgenössischen Fotografie in Deutschland. Das Dossier ist jetzt online.

Zum einen geht es um den Hype, den es vor allem außerhalb Deutschlands um die deutsche Fotografie gibt. Es geht um die Preise, die ein Gursky auf Auktionen inzwischen erzielen kann und andererseits um Galerien wie Lumas, die fotografische Bilder zu erschwinglichen Preisen anbieten und sehr viel Erfolg damit haben. Die Fotokunst als Anlageobjekt. Der Kunstmarkt bekommt die Fotografie in den Griff, so wie er Malerei oder die Objektkunst längst kommerzialisiert hat.

Quasi nebenbei erklärt Die Zeit einen Diskurs, der die Fotografen weltanschaulich ziemlich entzweit: nämlich den Konflikt zwischen Bildersuchern und Bildermachern.

Bildersucher – das sind die Klassiker wie Cartier-Bresson oder Robert Frank, die ihre Bilder auf der Straße fanden. “Vielleicht ist der Fotonomade mit seiner Leica am Hals eine anachronistische Figur” – geworden, schreibt Autor Wolfgang Büscher.

Und weiter: “Vielleicht haben die Neuen recht, die Stars einer neuen Fotografie made in Germany mit ihren bunten Riesenformaten und real existierenden Kunstwelten: Candida Höfer. Thomas Struth. Thomas Ruff. Andreas Gursky” – die Bildermacher.

Der Konflikt ist freilich nicht neu. Alfred Stieglitz, der Wegbereiter der modernen Fotografie in Amerika, setzte sich Anfang des 20. Jahrhunderts explizit gegen die Kunstfotografen und ihre weichgezeichneten Idealisierungen ab, wie Ansel Adams übrigens auch. Unter anderem deshalb musste bei ihm alles möglichst Blende 64 sein – superscharfe Wirklichkeit. Den Konflikt zwischen der Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihrer Inszenierung gab es also immer wieder.

Das Neue sind die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung, die ohne Zweifel den “Struffskys” (so werden sie ironisch bezeichnet) den Weg ebnet. Und noch etwas ist neu: Sie sehen sich als Künstler. Der Konflikt zwischen dem Dokumentarischen und dem Gestalteten treibt sie nicht mehr um. Sie haben kein schlechtes Gewissen mehr – sie gestalten das, was sie denken, fühlen oder für wichtig halten. Wie ein Maler. Wer käme auf die Idee, einem Maler vorzuhalten, sein Bild zeige aber nicht die Wirklichkeit? Ein Fotokünstler sieht sich ständig in dieser Situation und sind dem Verdacht der Manipulation ausgeliefert. Hier gilt immer noch: Pferde sind nicht blau. Aber Pferde sind doch blau, wenn der Künstler sie so sieht und zeigen will.

Wer die Printausgabe verpasst hat, kann das Dossier jetzt online nachlesen. Und sich gleich eine Bildergalerie von Andreas Gursky anschauen.

Dossier Bilder für Millionen, Die Zeit Nr. 32 vom 2. August 2007

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4 Kommentare

  1. Ausgefallene Geschenke
    schrieb am 11. August 2007 um 04:49 Uhr (#)

    Wirklich ein sehr guter Artikel. Er zeigt deutlich, wie sehr en vogue Fotografie ist.

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