Der Monitor als halber Sucher
Von Wolf-Dieter Roth am 11. August 2007 um 16:45 Uhr Kommentare (10)
Kategorien: Spiegelreflex, Test
Die äusserst kompakten Spiegelreflex-Modelle Olympus E-410 und E-510 lassen die Nutzung des Monitors auf der Gehäuserückseite als Sucher zu. Leider kommt dabei eine simplere Technik zum Zug als bei andern “LiveView”-Modellen.

Ein Live-Monitorbild bieten nun auch die E-410 und E-510 (Bild) von Olympus (Bild: Olympus)
Als frischgebackener Besitzer einer Olympus E-330 - der ersten digitalen Spiegelreflexkamera, die mir das als Brillenträger und Weitwinkelfan von einfacheren Digitalkameras liebgewonnene Monitorbild auch bei der Aufnahme bieten konnte und nicht erst danach - war ich erstmal frustiert: Was? Gerade ein paar Monate später soll es kleinere und bessere Kameras von Olympus mit Live-Mode geben? Ist ja schon fast so schlimm wie bei Computern - kaum erschienen, schon veraltet! Doch zum Frust besteht aus folgenden Gründen wenig Grund:

Olympus E-410 mit Kit-Objektiv ZUIKO DIGITAL ED 14-42 mm (entsprechend 28-84 mm Kleinbild) 1:3,5 - 5,6 (Bild: Olympus)
Beide “Neuen” haben zwar einen höher auflösenden Sensor als die E-330 - aus 7,5 Megapixeln wurden 10,0 Megapixel, und dies dank besseren Chipdesigns ohne Reduzierung der Chipfläche pro Pixel und somit ohne mehr Rauschen. Natürlich können auch alle Four-Thirds-Objektive montiert werden, vom ZUIKO DIGITAL ED 8 mm (entsprechend 16 mm Kleinbild) 1:3,5 Fisheye bis zum ZUIKO DIGITAL ED 300 mm (entsprechend 600 mm Kleinbild) 1:2,8.
Die E-410 ist dabei die Nachfolgerin der immer noch käuflichen E-400 und mit 375 Gramm für eine ausgewachsene Spiegelreflexkamera ungewöhnlich leicht. Hinzu kommen allerdings noch mindestens 268 Gramm (mit Sonnenblende) für das einfache Kit-Objektiv ZUIKO DIGITAL ED 14-42 mm (entsprechend 28-84 mm Kleinbild) 1:3,5-5,6 oder gar 466 Gramm (ebenfalls mit Sonnenblende) für die lichtstärkere Profi-Linse ZUIKO DIGITAL 14-54 mm (entsprechend 28-108 mm Kleinbild) 1:2,8-3,5, bevor man fotografieren kann.

Die Kameras Olympus E-410 (rechtsmitte unten) und E-510 (links) im Kreise ihrer Liebsten der E-System-Objektive und -Blitzgeräte (Bild: Olympus)
Die E-510 hat zusätzlich als erste Olympus-DSLR überhaupt einen echten mechanischen Bildstabilisator - bei der E-330 wurde mit der Menüfunktion “Bildstabilisator” noch frech einfach die Empfindlichkeit bis zum Anschlag auf ISO 3200 aufgedreht und die Bildauflösung reduziert. Der Vorteil des mechanischen im Gegensatz zum optischen Bildstabilisators: Er sitzt in der Kamera, bewegt den Sensorchip, nicht Linsen im Objektiv, und ist damit bei allen Objektiven wirksam.
Doch etwas Entscheidendes fehlt E-410 und E-510, das die erste Live-View-Kamera E-330 hat: Der zweite Live-Bild-Sensor im Porro-Suchersystem! Nur dieser ermöglicht ein Vorschaubild ohne Funktionseinschränkungen, bei dem auch im Live-View-Betrieb der Autofokus uneingeschränkt funktioniert. Doch beim Verkaufsgespräch fiel die E-330 in Europa oft durch: Der typische “Spiegelreflex-Buckel” fehlte, der vom normalen SLR-Prismensucher kommt. “Das ist doch gar keine echte Spiegelreflex-Kamera”, so die potentiellen Käufer.

Olympus E-510 mit Kit-Objektiv ZUIKO DIGITAL ED 14-42 mm (entsprechend 28-84 mm Kleinbild) 1:3,5 - 5,6 (Bild: Olympus)
Der Kunde hat nun einal immer recht: Die E-410 haben nun wieder den verkaufsfördernden klassischen Spiegelreflex-Buckel des Prismen-Suchers, mit dem platzsparenden Porro-Sucher ist es vorbei. Und damit leider auch mit dem Live-View-Modus-A der E-330: Jetzt kann nur noch der Kamerachip selbst zur Live-View benutzt werden, so wie beim Live-View-Modus-B der E-330 oder der Live-View der Panasonic-Variante Lumix L1.
Dies bedeutet: Entweder (Spiegel weggeklappt) hat man ein Live-Monitorbild oder aber (Spiegel im Strahlengang) eine Autofokus-Funktion. Beides gleichzeitig ist nicht mehr drin. Und damit erzeugen Aufnahmen mit zuvor aktivierter Live-View eine deutliche Auslöseverzögerung und ziemliches Spiegelgeklapper. Das ist zwar immer noch nützlich, beispielsweise für Landschafts- und Makro-Aufnahmen, aber wirklich schön ist es nicht.

Nur bei abgeschalteter Live-View (rechts) kann der Strahl bei E-410 und E-510 Prismensucher und Autofokus erreichen (Bild: Olympus)
Wer ohnehin lieber durch den Sucher sieht als auf den Monitor, sollte zur E-510 greifen: Mit mechanischem Bildstabilisator, Four-Thirds-Optiken und vielen anderen Rafinessen erhält er hier zu einem attraktiven Preis eine DSLR, die dem Stand der Technik absolut entspricht.
Die E-410 lohnt sich weniger: Man spart 115 Gramm und etwa 100 Euro, muss dafür aber bei schwachem Licht auf die entscheidenden zwei Stufen Belichtungsspielraum verzichten.

Das Doppel-Zoom-Kit der E-410 und E-510 enthält zusätzlich zum ZUIKO DIGITAL ED 14-42 mm (entsprechend 28-84 mm Kleinbild) 1:3,5 - 5,6 auch noch das ZUIKO DIGITAL 40-150 mm (entsprechend 80-300 mm) 1:3,5-4,5 (Bild: Olympus)
Wer allerdings viel Wert auf eine vollwertige Live-View-Funktion legt, sollte zur E-330 greifen - oder auf zukünftige Kameramodelle von Olympus warten. Begraben hat das Unternehmen den Porro-Sucher und den Live-Modus A nämlich noch nicht - vielleicht kommt er ja mit der im Herbst erscheinenden Nachfolgerin des Profi-Modells E-1 wieder zurück?
Wir werden hier in Kürze einen Praxis-Testbericht zu den beiden Neuen publizieren.
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10 Kommentare
Freue mich auf die Live-View funktion. Danke für den interessanten Bericht.
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Digitalkamera
schrieb am 15. August 2007, 15:51 Uhr (Permalink zum Kommentar)