Vermag das “Digitale Negativ” Datenverlust zu verhindern?

Wer digitale Bilder archivieren will, hat ein Problem: das Datenformat für die Speicherung. JPG eignet sich nicht für Originaldaten, die RAW-Formate der Kamerahersteller sind uneinheitlich und vielleicht bald schon nicht mehr lesbar. Adobe hat deshalb DNG kreiert – einen “Standard” für Digitale Negative.

Wir haben an dieser Stelle bereits die Vor- und Nachteile des Datenformats “RAW” für digitale Fotografien behandelt. Dabei steht der Aspekt im Vordergrund, dass diese rohen, nicht durch den Kameraprozessor bearbeiteten Daten ein Vielfaches jener Information enthalten können, welche etwa in den verbreiteten JPGs mit ihren 256 Graustufen je Farbe enthalten ist. Aus scheinbar unterbelichteten Fotos lässt sich so, wenn sie im RAW-Format gespeichert wurden, vielfach noch ein perfektes Bild herausholen.

Das Problem mit RAW besteht darin, dass es kein Format ist und jeder Kamerahersteller seine rohen Daten ab Bildsensor wieder völlig anders speichert. Damit besteht das Risiko, dass, wenn der Kamerahersteller bankrott geht, aufgekauft wird oder sonstwie von der Bildfläche verschwindet, auch sein RAW-Format in Vergessenheit gerät. Will heissen, es gibt möglicherweise schon in zwei Jahren keine einzige Software mehr, welche mit den 30’000 Digitalen Fotos mit irgendeiner exotischen Dateiendung etwas anfangen kann.

Adobe hat deshalb vor drei Jahren einen neuen “Standard” vorgestellt, der sich als Format für “digitale Negative” durchsetzen soll: DNG steht denn auch für “digital negative”.

Das Format basiert auf TIFF und ist ein RAW-Behälter, erlaubt aber eine verlustfreie Komprimierung mit rund 30 Prozent kleineren Dateien. Aus einem 10-Megapixel-Bild wird so eine rund 7.5 MB grosse DNG-Datei, die eine JPG-Vorschau enthält und in die Meta-Informationen über die Bearbeitung beispielsweise aus Photoshop oder Lightroom eingebettet werden können. Möglich sind die Integration von XMP oder EXIf-Informationen, aber auch des kompletten RAW-Bildes im Ursprungsformat des Kameraherstellers. Ausserdem wird ein JPG-Vorschaubild ins Paket eingebunden.

Inzwischen unterstützt eine ganze Reihe vor allem professioneller Kameras DNG, beispielsweise Hasselblad-Digitalrückteile oder Pentax’ K10D. Softwareseitig wird das Format natürlich von den massgebenden Adobe-Proghrammen wie Photoshop unterstützt. Es soll schliesslich zu einem nachhaltigen, einheitlichen RAW-Format über Herstellergrenzen hinweg werden.

DNG ist nicht Open Source, aber es darf kostenlos verwendet werden. Adobe stellt Endbenutzern ein Programm (Win und Mac) zur Verfügung, das aus (fast) allen andern Formaten DNG macht, die dann im Archiv abgelegt werden können.

Ich habe erst gerade angefangen, mich für dieses Format zu interessieren und noch kaum persönliche Erfahrungen gesammelt – das wäre aber hier mal interessant zu erfahren, was die Vor- und die Nachteile im Alltag sind.

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2 Kommentare

  1. Reto
    schrieb am 21. August 2007 um 00:33 Uhr (#)

    Die Idee hinter dng ist zwar gut, aber mir fehlt der Support von Riesen wie Canon oder Nikon. So unterstützt der Raw-Konverter von Nikon beispielsweise das dng-Format nicht – liefert aber für NEF-Bilder (Raw-Format von Nikon) halt doch die qualitativ beste Konvertierung. Werden Fotos nun im dng-Format archiviert, muss man auf diese Topqualität fortan (bzw für allfällige spätere Konvertierungen) zwangsläufig verzichten – zumindest solange bis Nikon auf den dng-Zug aufspringt.
    Reto

  2. Christian Beier
    schrieb am 21. August 2007 um 09:06 Uhr (#)

    Ich habe eine zeitlang auch meine NEFs in das DNG-Format konvertiert. Jetzt wo ich aber Aperture in meinem Workflow einsetze, arbeite ich wieder direkt mit den NEF-Dateien und hoffe, das Nikon nicht pleite geht :)

    Hoffentlich finden die großen der Branche endlich mal einen gemeinsamen Standard, denn es ist nicht nur unübersichtlich, sondern viele wissen schon gar nicht mehr, was sie nun einsetzen sollen um ihre Dateien auch in zehn Jahren noch öffnen zu können.

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