Hans und Grete gingen in den Untergrund

Der Deutsche Herbst vor 30 Jahren – Schrecken und Trauma bis heute. Von Astrid Proll, Aktivistin der ersten Generation der Roten Armee Fraktion, gibt es einen Bildband: Hans und Grete, Bilder der RAF 1967 – 1977.

Proll Buch

Proll Buch

Als Hans und Grete, Tarnnamen von Andreas Baader und Ulrike Meinhof, in diesen Tagen vor 30 Jahren Selbstmord begingen, existierten von den RAF-Terroristen lediglich unscharfe, grobe, verzerrte Fahndungsbilder.

Sie prägen bis heute das öffentliche Bild.

Astrid Proll zeigt persönliche Ansichten – die Menschen hinter den Fahndungsplakaten.

Spiegel Online schrieb anlässlich der Vorstellung der zweiten Auflage des Bandes im Jahr 2005:

“Gegen dieses naturgemäß einseitige Bild (der Fahndungsfotos, d.Red.) versucht Astrid Proll bei der Auswahl und Montage der Fotos in dem Buch anzugehen… Es beginnt deshalb unter dem Rubrum “Menschen” mit Fotos, die Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe im Gefängnis Stuttgart-Stammheim mit einer eingeschmuggelten Minox von sich selbst machten; Bilder, für die sie ihr antrainiertes Schutzvisier für einen Moment fallen ließen, auf denen zum Beispiel Gudrun Ensslin entspannt und einnehmend in die Kamera lächelt.”

In einem vorangestellten Essay schildert Astrid Proll autobiografisch ihren eigenen Weg und den der anderen bis zum Ende 1977. Ihr Buch und ihre Haltung werden kontrovers diskutiert – das Tabu-Thema harrt weiter einer nüchternen historischen Aufarbeitung.

Astrid Proll studierte nach der Schule beim Lette-Verein in Berlin Fotografie. Ende der 60er Jahre schloss sie sich Baader, Ensslin und ihrem Bruder Thorwald Proll an. In den 70er Jahren wurde sie festgenommen und wegen Banküberfalls und Urkundenfälschung zu einer Haftstrafe verurteilt.

Nach Verbüßung der Strafe arbeitete sie als Bildredakteurin unter anderem bei Tempo, als Fotografin und Autorin. In diesem Jahr ist sie 60 geworden.

Astrid Proll: “Hans und Grete. Bilder der RAF 1967 – 1977″; Aufbau-Verlag, Berlin 2004; 160 Seiten; 19,90 Euro.

via Spiegel Online
Unscharfe Bilder – Ein Interview der Wochenzeitung Die Zeit mit Astrid Proll über Mode und RAF (2003)
Der Deutsche Herbst im Blätterwald – medienlese.com zum Thema RAF

 

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