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Toscanis Kampagne
gegen die Magersucht “verboten”

Von Uli Eberhardt am 20. Oktober 2007 um 07:36 Uhr Kommentare (0)
Kategorien: Nachrichten, Ästhetik

Die italienische Selbstkontrolle der Werbung hat die Werbekampagne von Oliviero Toscani gegen die Magersucht jetzt verboten.


(Noch?) nicht verboten: Oliviero Toscani für Benetton

Wir haben hier darüber berichtet, wie der italienische Fotograf die Öffentlichkeit mit zweifellos schockierenden Bildern zum Thema Magersucht aufrütteln wollte. Die Kampagne mit großen Plakaten in vielen Städten lief mit großem Aufsehendrei Wochen lang. Vor einer Woche wurde sie regulär beendet. “Il Giurí” – so nennt sich das Gremium (wörtlich: die Jury) – entschied sich erst jetzt.

Am 19. Oktober wurde es amtlich: Die Plakate wurden verboten, weil das abgebildete magersüchtige Modell “eine negative Botschaft” darstelle. Toscani reagierte heftig: “Schluss mit der Mafia der Werbewirtschaft. Meiner Ansicht nach muss die Selbstkontrolle abgeschafft werden.” Sein ganzes Werk, so schäumte er, richte sich gegen dieses Zensurorgan.

Die Plakate Toscanis in gemeinsamer Arbeit mit der Modemarke Nolita würden gegen Paragrafen der Selbstkontrolle verstoßen, urteilte “die Jury”. Die besagen, dass Werbung in Italien frei von ideologischen Auseinandersetzungen, Provokation oder Instrumentalisierung sein müsse. “Die kommerzielle Instrumentalisierung der Krankheit ist offensichtlich”, sagte Giorgio Floridia, der Präsident der Selbstkontrolle. Die Kampagne helfe beim Thema Magersucht nicht.

Toscani entgegnete: “In der Giurí sind Moralisten, die das Werk eines Künstlers zensieren, das die Unterstützung des Gesundheitsministeriums hat und die Zustimmung von 74 Prozent der Italiener.”

“Die Jury” hatte auch in der Vergangenheit schon Plakate Toscanis verboten – zum Beispiel aus der berühmten Benetton-Kampagne in den neunziger Jahren.

Unterdrücken kann “die Jury” mit ihrem Verbot nichts mehr. Es gibt damit nur noch mehr Aufmerksamkeit für das eigentliche Problem. Die Kampagne ist sowieso beendet worden und hat in Italien den gewünschten Effekt erreicht, wie die Umfragen zeigen.

Und Toscanis Bilder von Isabelle Caro sind bei Nolita weiterhin öffentlich zu sehen – wenigstens bis jetzt…


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