Candida Höfer / Simone Demandt Das Geheimnis der Schränke
Candida Höfer und Simone Demandt im Museum der Universität Tübingen: “auf/zu – Der Schrank in den Wissenschaften”.

Simone Demandt: Sammlung Zahnmedizin, Ausstellung auf/zu, Uni Tübingen
Die Becher-Schülerin Candida Höfer ist für ihre Serien mit Innenaufnahmen berühmt geworden. Sie fotografiert sie ganz im Sinne ihres Lehrers ohne jegliche Emotion, fast wissenschaftlich objektivierend. Eines ihrer jüngsten Projekte waren Bibliotheken – daraus ist ein Bildband entstanden.
Im Weimar zeigt Candida Höfer in einer weiteren Ausstellung derzeit ihre “Weimarer Räume”: Neues Museum Weimar, Am Weimarplatz, bis 17. Februar 2008 – Kunstsammlungen Weimar.
Gemeinsam mit Simone Demandt setzte Höfer die Schränke der Universität Tübingen in Szene: Schauvitrinen und Hängeregistraturen, Kühlschränke, Aktenablagen oder Kartenbehälter. Simone Demandt lebt in Baden-Baden und hat an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim einen Lehrauftrag für Fotografie.

Candida Höfer: Herzogin Anna Amalia-Bibliothek Weimar II, 2004
In Höfers Bildband findet sich auch die Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek, die sie noch vor dem verheerenden Brand fotografiert hat. Jetzt ist die “Anna Amalia”, wo Goethe Bibliothekar war, restauriert wiedereröffnet worden.
Zum Tübinger Projekt schreibt Simone Demandt:
Für das Ausstellungsprojekt der Universität Tübingen “auf/zu – Der Schrank in den Wissenschaften”, haben Candida Höfer und ich die unterschiedlichsten Schränke und Sammlungsvitrinen sowie Räume in der uns jeweils eigenen künstlerischen Sprache fotografiert.
Der Schrank in Universitätsinstituten ist manchmal ein besonderer Solitär im Raum, aber weitaus häufiger ein unscheinbares, unspektakuläres Ensemblemitglied. Als banales Gebrauchsmöbel ist er dennoch Teil einer Raumdramaturgie, welche er mehr oder weniger bestimmt.
Der Universitätsschrank als Wissensgehäuse birgt Sammlungen und Archive, Lehrmittel und Daten, deren wissenschaftliche Inhalte die Strukturierung seines Innenlebens vorgeben. Es gibt Schauvitrinen, Hängeregistraturen, Diaschränke, Kühlschränke, Compactusanlagen, Kartenbehälter, Karteischränke und Kabel- und Datenschränke.
So lag mein Interesse auf der Erkundung des Innenlebens der Schränke zum einen und ihrer dramaturgischen wie dienlichen Rollen zum anderen. Der Schrank zeigt sich hermetisch verschlossen und freigiebig offen, geheimnisvoll und kompliziert. Der banale Gegenstand Schrank ist ein Akteur im Raum wie im Bild.
auf/zu bis 15. Februar 2008
«Hausmeisterhaus«
Wilhelmstrasse 9, Tübingen
Öffnungszeiten: Di- So 16 bis 20 Uhr
Geschlossen: 24.-26.12.2007, 31.12.2007, 1.1.2008
Eintritt frei.
Zur Ausstellung erscheint ein gleichnamiger Begleitband mit zahlreichen farbigen und schwarz-weißen Abbildungen im Akademie Verlag Berlin, 29,90 Euro; mit Texten u.a. von Bruno Latour, Markus Krajewski und Matthias Winzen.
Museum der Universität Tübingen
Bilder von Candida Höfer
Simone Demandt
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(30. Januar 2008 15:57)
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