Digitale Infrarot-Fotografie Das Unsichtbare zeigen

Wolf-Dieter Roth, 16. November 2007 10:36 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Infrarot hat interessante fotografische Aspekte. Mit Digitalkameras ist es einfacher geworden, sich mal auf diesem Gebiet zu versuchen.

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Infrarot-Falschfarbenfoto eines Parks mit Springbrunnen mit Olympus C-5060WZ (Bild: J. Andrzej Wrotniak)

Infrarotfotografie war früher eine diffizile Angelegenheit: Der Film mußte gekühlt werden, er durfte nur in totaler Dunkelheit eingelegt werden, die Ergebnisse waren oft nicht voraussehbar.

Die teuersten Fotos mit besonders kurzer Belichtungszeit, nämlich die aus den mobilen Fotostudios der netten Herren mit den grünen Mützen, haben einst zur Entwicklung eines speziellen “Radarfallenfilms” mit erhöhter Infrarotempfindlichkeut geführt, dem Ilford SFX 200, der nun wieder erhältlich ist.

Der SFX 200 muß nicht so speziell behandelt werden wie die echten Infrarotfilme, der fotografische Effekt fällt natürlich entsprechend schwächer aus, auch wenn die Bäume noch hell und der Himmel dunkel werden. Passende Infrarotfilter werden in einem Dreierset gleich mitgeliefert.

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Wie ein Mittsommernachtstraum (Bild: J. Andrzej Wrotniak)

Interessanter ist es jedoch, digital infrarot zu fotografieren, obwohl dies gar nicht so einfach ist: Infrarot-Sperrfilter sitzen üblicherweise vor dem Sensor der Digitalkamera. Mit Infrarotfilter vor der Linse sind daher zwischen 6 und 12 Lichtstufen zuzugeben, was selbst bei Sonne die Verwendung eines Stativs bedeutet. Mit Live-View-Kameras sind trotzdem schnelle Erfolge möglich.

Noch besser eignen sich einige Olympus-Digitalkameras aus der Anfangszeit der Digitalfotografie, deren Infrarot-Filter noch nicht so gut waren wie die der heutigen Modelle oder umgebaute Kameras, deren Infrarot-Sperrfilter entfernt wurde. Dies wird unter anderem für die Astronomiefotografie angeboten, nur wenige Kameras wie die Fuji IS-1 sind explizit für Infrarotfotografie konstruiert. So mancher mutige Amateur hat aber auch seine Kamera zerlegt, und es gibt sogar welche, die sie wieder zusammenbekommen haben, auch wenn die Bilder dann nicht mehr immer scharf waren. Die Umbauten ersparen dann das Stativ.

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Ansich sind Infrarot-Fotos stets farblos. Geringe Einfärbungen beruhen auf Kameraeigenheiten, solch massive wie hier werden teils mit Photoshop und zusätzlichen Normalaufnahmen erzielt, hier war es zusätzlich Ultraviolett! (Bild: Bjørn Rørslett)

Es gibt auch einige Sony-Kameras mit Infrarot-Nightshot-Modus, die dazu den Infrarot-Sperrfilter wegklappen, aber leider nicht tagsüber, weil man damit wohl unter einige synthetische Textilien sehen konnte. Übrigens ist auch schwarzes Plastik oft für Infrarot durchsichtig – eine Videoüberwachungskamera braucht also keine sichtbare Linse oder auch ein noch so kleines Loch, um zu funktionieren.

Faszinierend sind die zahlreichen Bilder und Erläuterungen von J. Andrzej Wrotniak ebenso wie von Don Ellis, Bjørn Rørslett, Jens Rösner oder Jeremy McCreary.

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Die eisblaue Färbung der Bäume ist eine Eigenheit dieses Kamerasensors(Bild: Don Ellis)

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2 Kommentare

  1. Fotograf aus Kassel
    schrieb am 11. Februar 2008 um 12:22 Uhr (#)

    Das ist eine Art der Fotografie, wo ich mich noch überhaupt nicht eingearbeitet habe. Doch wenn ich das hier sehe, so weckt es durchaus mein Interesse. Die Landschaften sehen wirklich Surreal aus und ich bin mal gespannt, wie es wirken würde, wenn ich das mit Menschenfotografie verbinde.

  2. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 18. Mai 2008 um 22:19 Uhr (#)

    Mit Menschenfotografie gibt es zwei Probleme:

    a) lange Belichtungszeit
    b) “Röntgenblick”

    a) macht es Dir unmöglich, sich normal bewegende Menschen aufzunehmen

    Und die Kameras, die eigentlich IR “ungebremst” aufnehmen können – z.B. die Sony “Nightshot”-Kameras – werden elektronisch blockiert. Warum? Weil manche Kunststofftextilien in IR durchsichtig sind (bei 850 nm auf jeden Fall). Und Du dann Deine vor Dir stehende Nachbarin nackt knipsen könntest – oder zumindest in Unterwäsche.

    D.h. Du müßtest die Kamera erstmal “hacken” – und hättest dann garantiert Ärger, wenn Dein Nachbar das spitz kriegt ;-)

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