Lynn Blodgett:
Der Manager und die Obdachlosen

Uli Eberhardt, 5. Dezember 2007 12:30 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Lynn Blodgett leitet eigentlich eine große Firma. Nebenher fotografiert er und produziert Fotobücher. Zum Beispiel Finding Grace – Portraits amerikanischer Obdachloser.


Lynn Blodgett: Finding Grace – The Face of America’s Homeless – das Titelbild mit Barbara, fotografiert in Santa Monica, Kalifornien

Der heilige Martin teilte seinen Mantel mit dem nackten und frierenden Bettler und gab ihm so ein Stück Würde zurück. Der Manager Lynn Blodgett versucht das mit der Kamera – nichts anderes bedeutet der Buchtitel Finding Grace in der Übersetzung.

In seinem Hauptberuf ist Lynn Blodgett Präsident von Affiliated Computer Systems mit Hauptsitz in Dallas und fast 60.000 Beschäftigten weltweit. Mit Fotografie beschäftigt er sich schon viele Jahre. Sein jüngstes Projekt, eben die Portraits von Obdachlosen, hat aber so gar nichts mit seiner Business-Welt zu tun. Aber Blodgett sagt: “Das sind Menschen, von denen wir lernen können.” In vielen amerikanischen Städten suchte er nach ihnen, oft im Anschluss an Sitzungen und Meetings im Auftrag der Firma. Es entstanden durchweg beeindruckende Bilder – alle schwarz-weiss und ohne Schnörkel fotografiert.

Auf Popphoto.com ist eine Galerie dieser Fotos zu finden, dazu die Anmerkungen Blodgetts. So schreibt er zum Beispiel über das Porträt von Jamie, ebenfalls in Santa Monica aufgenommen:

Jamie, Santa Monica, CA.

“Jamie schaut auf diesem Bild aus wie ein normaler Teenager. Aber mit 14 war sie schon drei Jahre ohne Zuhause. Obwohl sie in dieser ganzen Zeit nie ihre Mutter gesehen hat, wartet sie noch heute auf sie. Dass sie vorbeikommt und sie miteinander essen würden.”

Im Interview zur Online-Galerie erzählt Lynn Blodgett von seinen menschlichen und fotografischen Erfahrungen, seiner Arbeitsweise und auch davon, dass er den Porträtierten ein paar Dollars für die Aufnahme gegeben hat. Aber das sei nicht deren einzige Motivation gewesen, sich fotografieren zu lassen. Sie hätten das als Chance gesehen, wahr- und ernstgenommen zu werden.

Galerie, Interview und Buchtipp bei Popphoto.com

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