Portrait Professional Max 6.0 Entgleiste Gesichtszüge einfangen

Wirklich schöne Portraits sind eine Wissenschaft für sich – Models schminken sich aufwendig vor den Aufnahmen. Wer Normalbürger aufnimmt, schminkt teils mit Photoshop nach. „Portrait Professional“ versucht, es dem Portrait-Fotografen einfacher zu machen.

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Original und Fälschung Verbesserung mit den Default-Einstellungen von Portrait Professional Max (Bild: W.D.Roth)

„Deine Kamera ist viel zu scharf“, das bekommt so mancher Digitalfotograf an den Kopf geworfen, wenn er in der schummrigen Kneipe nachts um 2 zur Kamera gegriffen hat und diese im Gegensatz zu ihm sich das Objekt der fotografischen Begierde nicht zuvor schöngetrunken hat.

In diesem Fall wäre es besser gewesen, nicht zu fotografieren, sondern sich lieber eine schöne Erinnerung im Gedächtnis zu behalten. Doch was, wenn man den Auftrag hat, ein Portrait aufzunehmen?

Mit Dokumentation hat dies nur manchmal zu tun – wer zum Fotografen geht, um Paß- oder Bewerbungsfotos machen zu lassen, will schöne Bilder und nicht dokumentarische. Auch wenn dies die Behörde im Falle des Paßfotos anders sehen wird.

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Startmenü von Portrait Professional mit fünf mitgelieferten „Übungsfotos“. Ist so auch in der Testversion verfügbar.

Damit ist auch klar: Bei Presse- oder Paßfotos hat eine derartige Software nichts verloren – diese sollen dokumentieren. Eventuelle Falten stören auf dem kleinen Bild normalerweise nicht. Seit es den neuen „E-Pass“ gibt, werden allerdings Gesichter, die nicht der Norm entsprechen, auf dem Einwohnermeldeamt vom Paßcomputer abgelehnt. Und es gibt Fotografen, die nach dem Motto „Was nicht paßt, wird passend gemacht“ dann das „Charaktergesicht“ mit Photoshop der biometrischen Norm anpassen.

So erreicht das neue System natürlich genau das Gegenteil dessen, was beabsichtigt ist und der so „zurechtgebogene“ könnte am Flughafen ernsthafte Probleme bekommen, wenn der dortige Computer darauf erkennt, daß die Person auf dem Paßfoto niemals der sein kann, der gerade leibhaftig vor den Beamten steht. Die Rache für solche Tricksereien kommt also nach.

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Start der Bildretusche mit Portrait Professional: Gesichtskonturen festlegen

Doch bei Portraits für die eigene Verwendung des Portraitierten steht es natürlich frei, dessen Konterfei nachzubearbeiten. Niemand will den just zwei Tage vor dem Fototermin ausgebrochenen Eiterpickel im Bild sehen – und die krumme Nase hätte man gerne weniger krumm.

Einfach das ganze Bild mit einem elektronischen Weichzeichner zu bearbeiten, führt nur zu einem nun unscharfen Portrait. Der Photoshop-Retusche-Könner weiß, wo er das Bild unscharf werden läßt und wo nicht. Portrait Professional will dies dem Gelegenheits-Portraitfotografen etwas näher bringen. Es hat eine Datenbank gespeichert mit gängigen „Schönheitsidealen“ und versucht, ihm vorgelegte Bilder diesen nahezubringen.

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„Klick mir in die Augen, Kleiner…“

Dazu analysiert es das Bild – es ist nur anzugeben, ob man Männlein oder Weiblein vor sich hat und einige Konturen – Lippen, Augenbrauen, Augen und Gesicht – sind festzulegen. Danach entpickelt die Software, macht Lippen voller und röter, Augen leuchtender, Nasen länger…man kann so auch sehr schnell „Frankensteins“ erzeugen. Selbst bei den Beispielbildern des Herstellers gefällt manchmal das Original besser.

Es gibt eine kostenlose Testversion, deren Ergebnisse man nicht abspeichern kann, eine normale Vollversion, die JPG- und TIFF-Dateien verarbeitet und die „Max“-Vollversion, die auch RAW-Dateien verarbeiten kann. Angesichts der teils erheblichen Aufhellungen eine sinnvolle Angelegenheit.

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Nase original…

Im Praxistest setzten wir Portrait Professional die Musterdatei von Corel Draw vor, die normalerweise die Möglichkeiten dieses Bildbearbeitunsgprogramms demonstrieren soll: ein verpickelter junger Mann, mit blitzgeröteten Augen und verkantet gescannt.

Gegen die Verkantung kann Portrait Professional natürlich nichts unternehmen – es ist ja keine Bildbearbeitung. Es hat aber auch keine Probleme mit der Schieflage des jungen Mannes. Das Bild müßte halt noch in einer normalen Bildbearbeitung geradegerückt oder beschntten werden.

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Lange Nase machen…

Die Pickel werden automatisch beseitigt – nun ist der junge Mann bereits als Teenie-Traum auf Bravo-Postern geeignet. Doch diese glutroten Augen…!

Beim Rote-Augen-Bearbeiten ist Portrait Professional nur bedingt erfolgreich: es kann sie zwar reduzieren, doch nicht ganz zum Verschwinden bringen. Sie auf lila oder grün umzujustieren, hilft hier auch nicht wirklich weiter.

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..oder doch lieber eine angeblich „schönere“ Habicht-Nase?

Die anderen Regler sollte man auch nur sehr sanft benutzen. Die Nase muß nicht aus Holz sein, um zu wachsen, und das „Verbessern der Gesichtsform“ führt zu einem Habichtgesicht. Und mit Fotografie hat all das natürlich wenig zu tun. Auch sind bestimmte Fehler zu vermeiden.

Doch die Versprechungen hält die Software, die unter Windows 2000, Windows XP oder Windows Vista läuft: Pickel & Co. werden automatisch und zuverlässig entfernt. In Deutschland wird Anthropics Technology Portrait Professional über Globell angeboten, die normale Vollversion kostet im Download 44,95 Euro inklusive Mehrwertsteuer, Portrait Professional Max mit der Unterstützung für RAW-Dateien und 16 Bit je Farbkanal kostet 89,95 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Die Testversion ist kostenlos downloadbar, wobei es auch ohne E-Mail-Eingabe geht.

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Endzustand der Gesichtsverbesserung. Traue nie einem Foto, das Du im Chat erhalten hast…!

Portrait Professional nimmt im Einzelnen folgende Verbesserungen vor:

  • Schönheitsfehler wie Pickel und Rötungen korrigieren: Portrait Professional entdeckt und reduziert Pickel und Flecken automatisch. Die Software findet selbst Sommersprossen und kann diese abschwächen oder ganz entfernen.
  • Falten entfernen oder verringern: Mit Portrait Professional können gezielt Falten, Rötungen und andere Schönheitsfehler entfernt oder abgeschwächt werden. Die ursprüngliche Hautbeschaffenheit bleibt erhalten.
  • Rote Augen entfernen: Um rote Augen zu entfernen, müssen (und können) keinerlei Einstellungen vorgenommen werden. Diese Funktion ist nur anzukreuzen.
  • Glanz-, Schweiß- oder andere Spitzlichter auf der Haut entfernen: Störende Spitzlichter auf der Haut vermindert Portrait Professional automatisch.
  • Belichtung im Gesicht verändern: Um Gesichter attraktiver zu machen wird die Belichtung des Gesichts über einfache Steuerelemente angepasst und Schattenbereiche können aufgehellt werden.
  • Zähne und Augen aufhellen: Zähne und Augen werden automatisch aufgehellt. Das Maß der Aufhellung und die Ausdehnung des aufzuhellenden Bereichs kann eingestellt werden.
  • Gesichtsform ändern: Portrait Professional ist die einzige Fotobearbeitungssoftware, mit der Gesichtszüge durch Schieberegler verändert und verschönert werden können.
  • Weitere Verbesserungen: Z.B. dem Modell ein gebräuntes Aussehen verleihen, Lippen stärker sättigen, Augenfarbe intensivieren u.v.m.

Fotografen betrachten das Ändern der Gesichtsform sicher oft als einen zu weit gehenden Eingriff beim Verbessern eines Bildes. Die Entscheidung über eine Anpassung der Gesichtsform bleibt jedoch dem Anwender überlassen: Der entsprechende Formregler kann auf den Wert 0 gestellt werden, sodass Portrait Professional die Gesichtsform unberührt lässt und damit auch biometrische Daten für Paßfotos nicht verändert werden. Ob Paßfotos mit weißeren Zähnen oder braunerer Haut aber wirklich sinnvoll sind, ist dennoch fraglich.

8 Antworten
  1. Peter Sennhauser says:

    DD9KWA: Das ist ganz klar missbräuchlich. Ich würde den Hersteller mit eingeschriebenem Brief mahnen und danach bei der Verkaufsstelle einen Refund wegen Nichterfüllung des Vertrags verlangen.

    Ergänzung: Auf der Supportseite ist just dieses Problem des Lizenzcodes nach Rechnerumbauten behandelt. Da steht aber auch, dass eine Supportanfrage auf Englisch erfolgen muss – was ich für eine Zumutung halte.

    Falls jemand die gleiche Erfahrung gemacht hat, bitte eine E-Mail an uns schicken, wir würden der Sache nachgehen, wenn es sich nicht um einen Einzelfall handelt.

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  2. DD9KWA says:

    Habe mir das normale Programm und die Max-Variante gekauft. Nachdem ich mir einen neuen Computer kaufte, war eine erneute Freischaltung nicht mehr Möglich (weil diese von mir noch Besezt ist) Mehrere Bitten um Hilfe an die Verkäufer mich wieder freizugeben blieben ergebnislos. Habe dort noch sämtliche Kaufbelege usw.hingesendet. Jedoch …ärgerlich für mich … doch hauptsache http://www.portraitprofessional.com/de/ können damit gut Leben :(

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  3. Tom says:

    Ich habe mir das Programm vor längerem erworben und bin wirklich sehr zufrieden damit…

    Es lassen sich sehr einfach subtile Änderungen vornehmen ein Bild massiv aufwerten können.

    Man sollte einfach nicht alle Regler bis an den Anschlag verwenden, da sonst nichts mehr von der porträtierten Person zu erkennen ist ;-)

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  4. lasse says:

    Ich habe mir die Software vor ein paar Wochen gekauft und muss sagen, dass ich positiv überrascht bin. Besonders im Bereich Gesicht und Zähne kann man da viel mehr machen als mit Photoshop.

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