Jim Rakete:
Die schöne Schlichtheit

Juri Gottschall, 9. Januar 2008 14:44 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Jim Rakete fotografiert seit Jahrzehnten die Größen der deutschen Szene: Der Bildband “1/8sec” zeigt neue Fotografien.

Jim Rakete

Es gibt wohl kaum ein bekanntes deutsches Gesicht, das er noch nicht vor seiner Kamera hatte. Seit Jahren portraitiert Jim Rakete die großen und kleinen Berühmtheiten auf seine ganz individuelle Weise.

Stets in schwarz-weiß, stets ungeschminkt und auf das Wesentliche reduziert, sind uns viele seiner Bilder bewusst oder unbewusst begegnet. Für dieses Buch mussten die Modelle stillstehen: Eine Achtelsekunde pro Aufnahme.

Durch seine ganz eigene Arbeitsweise, die Menschen so zu portraitieren wie sie wirklich sind, wirken seine Bilder immer wieder aufs neue eindringlich und intensiv.

Der 1951 geborene Berliner begann schon früh sich für die Fotografie zu begeistern. Bereits als 16-Jähriger verkaufte er die Fotos, die er bei seinen Streifzügen durch die Stadt machte, an Agenturen und Zeitungen. Mit 17 verließ er die Schule, um sich fortan nur noch dem Fotografieren zu widmen. So gründete er 1977 in Berlin die heute legendäre Agentur “Fabrik”. In den folgenden Jahren spezialisierte er sich mehr und mehr auf die Musikfotografie und zeichnete sich nicht nur für die Plattencover unzähliger deutscher Stars verantwortlich, sondern übernahm auch gleich noch deren Management.

Nach seinem erfolgreichen Ausflug ins Musikgeschäft kehrte Rakete (der – nebenbei erwähnt – wirklich so heißt) zur Fotografie zurück und wurde zu einem der begehrtesten Portraitfotografen des Landes. So entwickelte er auch seinen ganz eigenen Stil, der seinen Arbeiten den großen Wiedererkennungswert gibt: Fast immer schwarz-weiß, mit offener Blende und sehr direkt portraitiert er die großen Gesichter aus Kunst, Musik, Film und Politik.

Während sich andere Fotografen in den letzten Jahren immer mehr zur Digitaltechnik bekannten, ist der Purist Rakete heute noch ein strikter Verfechter des analogen Films. Neben dem Verzicht auf jede Form der Nachbearbeitung und Manipulation kommen seine Bilder auch ohne große Inszenierung, Styling und Licht aus. So intensiviert der Künstler die Beziehung zwischen Modell und Fotograf auf ein Maximum.

In diesen Tagen erscheint nun ein Bildband mit neuen Bildern von Jim Rakete, in dem er dieses Konzept noch weitergeführt hat. Alle Fotos sind mit einer alten Plattenkamera aufgenommen, die schon aufgrund ihrer Konstruktion sehr viel Purismus und Geduld verlangt. So muss das Modell besonders stillhalten, der Moment des Entstehens des eigentlichen Bildes verlängert sich: auf eine Achtelsekunde.

Die meisten der erstmalig veröffentlichten neuen Bilder entstanden 2007 im Rahmen der Vorbereitung für eine Ausstellung, die im Frühjahr diesen Jahres in Berlin stattfinden wird.

Jim Rakete – 1/8sec.
Schirmer/Mosel
272 Seiten, 68 Euro

Zu beziehen am dem 10. Januar im Buchhandel.

Webseite: Schirmer/Mosel
Webseite: Jim Rakete (leider grade nicht online)

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