Leserbilder in der Profi-Kritik Schleierhafte Story

Bilder sollen Geschichten erzählen. Dazu müssen sie neben einem klaren Fokus aber auch den Kontext liefern.

Christian Lehmann Elefanten in Thailand Buddhismus
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christian Lehmann). – NIKON D80
- 1/100s – f/5 – ISO 320 – 52mm (76mm)

Kommentar des Fotografen:

Ist am Promteph-Cape in Phuket, Thailand entstanden. Der Elefant ist bei den Buddhisten ein heiliges Tier.

Profi Robert Fishman meint zum Bild von Christian Lehmann:

Mir fehlt an diesem technisch kaum zu bemängelnden Bild die Aussage. Die Elefanten stehen etwas beziehungslos auf der Mauer herum. Was möchte das Bild aussagen? Und wo ist es entstanden? – Die religiöse Bedeutung der Holzelefanten wird allein durch das Bild nicht deutlich. Es ist kein Mensch zu sehen, kein Tempel und kein anderer Bezugspunkt, der das Bild einordnen würde.

Ist es in Europa fotografiert, in einem buddhistischen Land, in Amerika oder sonst irgendwo auf der Welt? Machen Kinder hier einen Straßen-Flohmarktstand oder versucht jemand, die Figuren an Touristen/Passanten zu verkaufen? Hat sie jemand nur so da hingestellt und ist weggegangen?

Ich erfahre es beim Anschauen Betrachter nicht. Da wäre es schöner gewesen, wenn die Elefanten einen Bezugspunkt hätten: Menschen zum Beispiel, die mit oder vor den Elefanten etwas machen oder eine Umgebung, in der ich das Motiv einordnen kann und mir vorstellen kann, warum die Elefanten dort stehen (der im Hintergrund erahnbar auf einem Podest stehende Elefant etwa).

Durch die geringe Tiefenschärfe (bedingt durch eine sehr großen Blendenöffnung) ist fast nur der graue, große Elefant scharf. Gibt es einen Grund, warum nur er scharf ist oder hätte es genauso gut ein anderer sein können? Hat er gegenüber den anderen eine besondere, größere Bedeutung, wie es diese Scharfstellung vermuten lässt? Und gibt es einen Grund, warum die Elefanten auf dem Betonsims stehen? Ist es eine Kunst-Installation oder irgend eine Art von religiöser Veranstaltung? Viele Fragen, die mich beim Betrachten der Aufnahme irritieren.

Christian Lehmann Elefanten ThailandInteressanter wäre das Bild meiner Meinung nach durch die Wahl eines anderen Ausschnitts geworden: Alles wegschneiden, bis nur noch die Elefanten das Bild füllen. Dann würde mich das Bild neugierig machen. Es wäre spannender, lebendiger. Die Idee hinter meinem Vorschlag: Alles, was nicht zur Bildaussage beiträgt, sollte weggeschnitten werden, damit das Bild auf seine Kernaussage reduziert wird. Weniger ist mehr. Der Betonsims und die verschwommene Park?-Landschaft im Hintergrund sagen mir als Betrachter ja nichts.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Christian Lehmann
    schrieb am 30. Januar 2008 um 13:07 Uhr (#)

    Zuerst einmal vielen Dank für die Kritik!
    Das Bild ist wie gesagt in Thailand entstanden. Es ist ein “Gebetskreis”; In der Mitte ist eine Budah-Statue und rund um diese sind viele kleine (und grössere) Elefanten aus vielen verschiedenen Materialien aufgestellt. Die Schärfe auf den Elefanten ist willkürlich. Mir hat das Bild mit wenig Tiefenschärfe besser gefallen, als die andere Version.

    Wie gesagt, vielen Dank, ich hab auf alle Fälle was gelernt!

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