Leserbilder in der Profi-Kritik Kräftig, aber zu zentriert

Sie stört eben doch, die mittenzentrierte Komposition. Nicht sehr, aber der Goldene Schnitt hätte sicher noch mehr gebracht.

Ocean Road Victoria Australien Markus Maurer

Ocean Road Victoria Australien Markus Maurer


Leserfoto – Klick für Vollansicht (© Markus Maurer). – Nikon F90x

Kommentar des Fotografen:

Great Ocean Road in Victoria, Australien. Dieses Bild habe ich 2002 mit einer Nikon F90x gemacht. Habe jedoch noch eine CD mitentwickeln lassen und bin daher auch im Besitz eines digitalen Abzuges. Das einzige, was ich noch weiss ist, dass ich einen Pol-Filter benutzt habe.

Es heisst immer, der Horizont sollte nicht genau in der Mitte sein, bei diesem Bild finde ich jedoch, dass es für mein Auge stimmt.

Profi Robert Fishman meint zum Bild von Markus Maurer:

Das Licht, die kräftigen Farben, die Weite, eine Augenweide. Auch die Rundung der Bucht füllt die Proportionen des Bildes nahezu perfekt aus. Schön, dass man ganz im Vordergrund von der Landschaft am Klippenrand noch etwas sieht – für meinen Geschmack nicht zu viel und nicht zu wenig. Die Abstufungen der Blau-Türkistöne des Meeres kommen ebenso klar und kräftig zur Geltung wie die Abbruchkante der Klippen und die beiden Felsen in der Brandung.

Die aufeinander zulaufenden Hauptlinien (Klippenkante und Brandung) ziehen mich direkt in das Bild hinein und werden von den beiden Felsbrocken im Wasser schön aufgebrochen.

Doch als Foto-Kritiker muss ich natürlich auch etwas Wasser in den fast perfekten Wein träufeln (sonst würde ich mich noch überflüssig machen ;-)): Es ist eben doch schade, dass die wunderbar weiße Wolke am kräftig-blauen Himmel oben abgeschnitten ist und dass das schön herausgearbeitete Zentrum der Aufnahme (die Felsbrocken und das Zusammentreffen von Brandung und Küste am Horizont) genau in der Bildmitte liegen. Ein bisschen weiter links oder rechts würden sie das Bild ein wenig dynamischer, vielleicht sogar dramatischer wirken lassen.

Erst beim dritten Hinsehen irritiert mich die relativ starke Körnung / das Bildrauschen vor allem im Himmel. Auch die sehr harten Kontraste wirken auf mich bei längerem Hinsehen unnatürlich – vor allem an der hinteren Klippenkante. Das Weiß der Brandung überstrahlt im Hintergrund leider die Strukturen. Es ist zu kontraststark und zu hell.

Wurde das Bild am Rechner nachbearbeitet? Ich vermute, dass da der Kontrast zu sehr erhöht und/oder das Bild nachgeschärft wurde. Weniger wäre da sicherlich mehr gewesen.

Und als Sahnehäubchen für die Komposition hätte ich am Strand eine Figur oder etwas anderes schön gefunden, das die Größenverhältnisse nachvollziehbar macht. Dann hätte man auch erahnen können, wie hoch die Klippen sind.

Genug gemeckert. Ein wunderbares Bild, das Lust auf mehr macht. Wäre das Foto mir gelungen, hätte ich es unter meine Top 10 eingereiht.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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6 Kommentare

  1. vielen dank! bei mir ist das bild in den top 3! das war noch in jener zeit als das resultat nach der filmentwicklung zu tage kam! vielen dank auch für die kritik!

    die körnung ist mir auch aufgefallen, kann sie jedoch nicht erklären! ich habe zur filmentwicklung immer gleich noc eine cd bestellt. ev. steht dies im zusammenhang mit der körnung.
    nachbearbeitet habe ich nichts! ich habe bei diesem bild immer gedacht, dass es viel zu kitschig ist! es sieht aus wie es bearbeitet wurde…

  2. Das mit der Körnung könnte gut an der Digitalisierung liegen. Je nach Labor sind die Scans nicht besonders hochwertig, vor allem wenn man “nur” eine Foto-CD bestellt. Für die Präsentation im Internet reicht es aber allemal. Diese CDs sind ja auch nur für einen groben Überblick gedacht und dienen nicht zu Archivierungszwecken.
    Ein neuer “richtiger” Scan würde die Körnung sicher beseitigen.

    Ansonsten schließe ich mich an: Starkes Foto, hätte ich auch gerne gemacht.

  3. So, 2. Versuch – habe eben blöderweise im Posten nochmal das Bild groß geklickt – nicht nachmachen!!!

    Für die Körnung kann es zwei Gründe geben. Billigscan ist es m.E. nicht, die sind ja unscharf und damit kornlos ;-/.

    a) Der Scanner benutzt eine Automatik, die das Bild von den Werten 0 bis 255 (also tiefschwarz bis blendend weiß) hochzieht. Die typische “Histogramm-Korrektur”. Wenn es aber eigentlich nur hellgrau auf dunkelgrau war, dann… – optisch erscheint es fast so

    b) Es war ein lineares Polfilter. Da geht bei praktisch allen modernen Kameras die Belichtung daneben (massiv unterbelichtet). Merkt man bei einem Scan nicht, aber es rauscht dann halt deulich stärker. Siehe auch http://fokussiert.com/200…er-digitalfotografie

    Zum Horizont: Es ist wohl ein sehr starkes Weitwinkel, da kann es ulkig aussehen, wenn man die Kamera nach oben oder unten neigt. Obwohl man bei Landschaften ev. sogar mit einem Fish-Eye durchkommt (das ist dann aber wirklich gerade zu halten, sonst kommt sowas http://fokussiert.com/200…amera-gehabt-haette/ bei raus ;-). Etwas nach rechts wäre aber ev. ganz gut gewesen. Und eine zweite Aufnahme mit den Felsen näher rangezoomt, auch wenn das dann nicht diese Wirkung gehabt hätte.

  4. Sieht das “Korn” nicht sogar ein bisschen wie Kompressionsartefakte aus? Ich glaube nicht dass es aus zu kleiner Auflösung resultiert, aber ich denke schon dass das digitalen Ursprungs ist.

    Ich kenne solche Strukturen von eigenen Scans, zumindest wenn ich einfach “mal schnell” ein paar Negative durch den Scanner ziehe, ohne die Belichtung und Korrektur für jedes einzelne Bild per Hand einzustellen. Da sowas im Großlabor wahrscheinlich nicht per Hand gemacht wird, könnte das Rauschen schon daher kommen… irgendwas ist da zu sehr “optimiert” worden.

    Aber eigentlich ist es ja unsinnig bei einem so schönen Bild über ein bisschen Rauschen zu diskutieren. Ich könnte mir sowieso vorstellen dass sowas als echter analoger Abzug am besten zur Wirkung kommt.

  5. also, ich habe die original abzug cd des entwickelten filmes heute morgen aus meinem archiv geklaubt! das bild ist genau so auf dieser cd. ein scan beim entwickeln des filmes. die körnung ist genau so und die farben sind genau so stark auf der originalen cd! ich habe nie was an kontrast oder and den farben geschraubt! also muss es am scan liegen…

    das einzige hilfsmittel war der pol filter auf der analogen nikon F90x.

  6. Ich fänd ja interessanter, ob der CD-Scan dem Original auf Film von Kontrast und Körnung her entspricht.

    Daß Du nix nachbearbeitet hast, glauben wir schon – es wäre ja auch nicht verboten, das zu tun, wenn es so wäre. Nur bei Pressebildern irgendwelche Fotomontagen zu machen ist (ohne Kennzeichnung) verboten.

    Mit einem guten Scanner sieht man im Übrigen teils sogar mehr, als zuvor auf Film zu sehen war.

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