Leserbilder in der Profi-Kritik Die winzigen Details

Ein spannendes und in seinen eigenartigen Farben stimmiges Porträt. Das Objekt ist allerdings etwas zu genau im Bildzentrum.

Daniel K. Gebhart Lara Porträt
Leserfoto (Klick für Vollansicht) (© Daniel K. Gebhart). – Keine Exif-Daten

Kommentar des Fotografen:

Lara beobachtet neugierig, was die Bauarbeiter draussen so treiben.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Daniel K. Gebhart:

Insgesamt eine gelungene Komposition: Auf der linken Seite des Bildes die Person, die das Auge des Betrachters einlädt, mit dem Blick entlang der Jalousie durch das Bild zu schweifen. Den Mittelpunkt des Fotos bildet die Hand, die die starre Linienführung der Jalousie unterbricht, indem sie einen Spalt freimacht, durch den die Person blickt.

Diese drei Elemente, Hand – Auge – Spalt, bilden das inhaltliche Zentrum des Fotos und machen es für den Betrachter interessant.

Es gibt einiges innerhalb aber auch außerhalb des Bildes zu entdecken, denn der Betrachter möchte an dem Voyeurismus des Modells teilhaben und fragt sich, was es hinter der Jalousie zu entdecken gibt.

Diese Thematik wird von der Farbgebung, den Kontrasten und der Tatsache, dass einzig das Gesicht in Schärfe abgebildet ist, unterstützt. Obwohl die linke Bildhälfte im Dunkeln liegt und ausschließlich vom Licht erhellt wird, das von rechts eindringt, ist das Foto von den Kontrasten her insgesamt ausgewogen. Das weiche Licht lässt die Konturen des Gesichtes und der Hand in einem warmen Ton erscheinen, der im Kontrast zu den mehrheitlich kühlen Farben des restlichen Fotos steht. Die Farbtöne der Haare wiederholen sich in denen der Jalousie und ergeben so einen gelungenen Farbkomplex.

Daniel K. Gebhart Lara Porträt Bildschnitt

Augenmerk sollte immer auch auf kleine Details gelegt werden: hier der Lichtstreifen unter der Nase, sowie auf der Schulter, die beide einen zu harten Hell-Dunkel-Kontrast zur Umgebung bilden.

Schneidet man den linken Bildrand ab, so erhält man ein optimiertes Porträt: die linke Partie, die keine Informationen liefert, ist somit nicht mehr im Bild, und das Zentrum verschiebt sich leicht, sodass die Hand nicht mehr exakt in der Mitte liegt. So erhält man ein Bild, das eindeutig an Stärke gewinnt.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Antworten
  1. claudia says:

    Das Objekt ist etwas zu genau im Bildzentrum

    Hm, da liegt bei mir die Hand und die hat ja im Foto nicht die Vorherrschaft. Nö, aus meiner Sicht gibt es diesbezüglich nichts zu bemängeln, da scheint mir das Foto sehr gut gelungen. Vor allem die Farbgebung. Allenfalls könnte man über den schwarzen Streifen (Wandvorsprung?) rechts diskutieren und etwas von seiner Dominanz «schneiden».

    Ich liebe diese Kritikreihe ja sehr hier. Alleine weil sie so schön die unterschiedlichen Betrachtungsweisen widerspiegeln.

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  2. Peter Sennhauser says:

    Alexander

    Der Korrektheit halber muss ich dazu anmerken, dass der Schnitt nicht vom Kritiker Douglas Abuelo stammt, sondern dass ich als Redaktor versucht habe, seine schriftliche Anregung umzusetzen.

    was Deine Aussage zum Bildschnitt angeht, würde ich Dir persönlich Recht geben – aber unsere Kritiker erheben ja auch keinesfalls den Anspruch, die alleinige und objektive Wahrheit gepachtet zu haben.

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  3. Alexander Greiner says:

    Der Schnitt ist ein sehr persönliches Thema, da er die Bildaussage betrifft und das was ein Fotograf damit bezwecken möchte.

    Ob beim Originalbild der Schnitt enger gefasst werden könnte, darüber lässt sich streiten.

    Die Fokussiert-Version allerdings als „optimiert“ anzusehen, so weit würde ich aber nicht gehen! Ich finde, da ist ein wenig zu viel beschnitten worden.

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