Joakim Eskildsen:
Aus dem Leben der Roma

“Die Romareisen”: Der dänische Fotograf Joakim Eskildsen reiste sechs Jahre lang durch Europa, um das Leben der Sinti und Roma zu fotografieren. Zusammen mit der Autorin Cia Rinne veröffentlichte er das Buch darüber.

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Joakim Eskildsen: Winter V, Hevesaranyos (Ungarn)

Eskildsen und Rinne reisten in sieben verschiedene Länder: Ungarn, Indien, Griechenland, Rumänien, Frankreich, Russland und Finnland. In den Jahren zwischen 2000 und 2006 blieben sie manchmal für längere Zeit in den Familien und erhielten tiefe Einblicke in deren Leben. Die Fotos zeigt uns Joakim Eskildsen auch auf seiner Webseite: Es sind stille, sehr intensive und einnehmende Bilder – die Porträts wie die Landschaften.

Der Däne Eskildsen, Jahrgang 1971, lebt seit 1994 im finnischen Helsinki, wo er auch sein Fotostudium absolvierte. Eine gewisse finnische Melancholie – wie wir sie aus den Kaurismäki-Filmen kennen – spüren wir in den Fotografien der “Romareisen”.

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Joakim Eskildsen: Caroro und seine Familie, Stefanesti, Rumänien

Die Romareisen, so schreibt Eskildsen, waren nicht vorher geplant. Eins ergab das andere – manchmal über persönliche Kontakte, andere über Menschenrechtsorganisationen. In der Gemeinde Hevesaranyos im Nordosten Ungarns verbrachten die beiden zum Beispiel vier Monate über den Winter bei einer älteren Roma namens Magda. Immer versuchten sie, direkt mit den Roma und Sinti zu kommunizieren, was in den meisten Ländern auch funktioniert habe.

Einen bestimmten Grund für ihr großes Interesse an den Roma können Eskildsen und Cia Rinne nicht nennen. Als es aber einmal losgegangen war, wären sie einfach nicht fähig gewesen aufzuhören. Je mehr sie aus dieser Welt kennenlernten, desto mehr wuchs ihr Interesse und ihre Symphathie für dieses diskriminierte und zerstreute Volk.

Wenn Ihr auf Eskildsens Seiten die Roma-Bilder anschaut, dann beachtet auch “iChickenMoon”. Für dieses Projekt sind die beiden 1999 nach Südafrika gereist und lebten einige Monate in einem Township mit einer afrikanischen Familie. Auch daraus entstand ein Buch, das es allerdings nur in englischer Sprache gibt. Die Bilder sind von einer ähnlichen melancholischen Intensität wie die Roma-Bilder – und sie haben etwas sehr Berührendes. Genauso wie der poetische Text von Cia Rinne.

Das Vorwort zu den “Romareisen” schrieb übrigens kein geringerer als Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass.

Joakim Eskildsen/Cia Rinne: Die Romareisen. Steidl-Verlag, Göttingen. 396 Seiten, CD mit Sprach- und Musikaufnahmen. 60 Euro.

Joakim Eskildsen

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