Leserbilder in der Profi-Kritik Die Silhouette macht’s

Douglas Abuelo, 14. Februar 2008 11:36 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Tauben sitzen zu weit weg auf dem Dach für ein gutes Bild. Da ist ein Silhouettenfoto der Spatz in der Hand. Ein einfacher, wirksamer Effekt, der leicht anzuwenden ist.

Vanessa Kreitlow
Leserfoto (Klick für Vollansicht) (© Vanessa Kreitlow). – Fuji Finepix F11 – 1/1024s – f/8.0 – ISO 100 – 24mm (108mm)

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Vanessa Kreitlow:

Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein einfaches technisches Mittel ein interessantes Foto erzeugen kann. In diesem Fall ist diese Technik die Silhouette.

Eine Silhouette kann einem ansonsten normalen oder langweiligen Bild viel Dramatik, Stimmung oder etwas Geheimnisvolles verleihen.

Es ist relativ einfach, Silhouettenfotos zu machen. Das erste, was man benötigt, ist ein von hinten beleuchtetes Objekt. Dann stellt man den Blitz ab und die Kamera auf manuell. Die Belichtung wird am Hintergrund bemessen, das Objekt unterbelichtet, und zwar normalerweise um etwa zwei Blendeneinstellungen, abhängig von der Intensität des Hintergrundlichts.

Dieses Foto hat ein großes Potential und ist wegen der Silhouette interessant. Jedoch hätte es an Stärke gewonnen, wenn die Fotografin näher an die Tauben herangezoomt hätte (was angesichts der maximalen Brennweite dieser Kamera nicht möglich war) und vom Haus weniger zu sehen wäre, wie ich es im Beispiel dargestellt habe:

Vanessa Kreitlow: Bild gecroppt, Tönung/Kontrast/Clarity verstärkt

Außerdem könnte die Farbe des Himmels intensiver und die Tönung etwas stärker sein, was beides der Aussage des Bildes zuträglich wäre.

Abgesehen von der Silhouette wird das Bild dadurch interessant, dass alle Tauben in einer Gruppe links zusammensitzen und zu einer einzelnen Taube auf der rechten Seite sehen. Die Fotografin war zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort, um diesen schönen Augenblick einzufangen, der unsere Phantasie anregt. Wir fragen uns, was passiert? Ist der Einzelne ein unerwünschter Außenseiter, der im nächsten Moment wegfliegen wird, oder ist er der Anführer und die anderen warten auf sein Kommando? Oder was meint Ihr?

Diese Art von Mehrdeutigkeit oder Ungewissheit ist ein wichtiges Mittel in der Fotografie. Es erlaubt dem Betrachter, darüber nachzudenken, was passiert und sich seine Meinung darüber zu bilden. Zu oft überlassen Fotografen nichts dem Vorstellungsvermögen des Betrachters. Eine kleine Warnung: obwohl die Silhouette eine berherrschenswerte Technik ist, ist sie am Ende nicht mehr als ein Kniff, den jeder herauskriegen kann. Wir sollten aufpassen, dass wir uns mit unseren Fotos nicht zu sehr von solchen Tricks anhängig machen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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