Helen Levitt in Hannover:
Die große alte Dame der Straßenfotografie

Uli Eberhardt, 20. Februar 2008 07:45 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Noch eine Fotografenlegende, der wir zur Zeit in Deutschland begegnen können: Das Sprengel-Museum Hannover zeigt Helen Levitts Lebenswerk.

Helen Levitt: Strassenszene in New York, ca 1970
Helen Levitt: Straßenszene New York, siebziger Jahre

Helen Levitt, heute 94 Jahre alt, wurde durch die persönliche Begegnung mit Henri Cartier-Bresson zur Straßenfotografie angeregt. Über viele Jahrzehnte hielt sie Szenen ihrer vertrauten Straßenzüge in New York fest. Was sie interessiert, ist das alltägliche Schauspiel des menschlichen Miteinanders in den Straßen.


In der Geschichte der Straßenfotografie kommt ihr eine besondere Rolle zu. Dafür wurde sie nun mit dem »Spectrum«-Preis für Fotografie geehrt, der alle zwei Jahre von der Stiftung Niedersachsen verliehen wird.

Helen Levitt fotografierte – ausgenommen jene Arbeiten, die 1941 auf einer Reise nach Mexiko entstanden – nahezu ausschließlich in der Lower East Side und der Bronx, in Harlem und Brooklyn. Sie ging stets direkt und ohne Umstände auf die Menschen zu. »Die Ästhetik«, sagt sie, »ist bereits in der Wirklichkeit vorhanden.«

Helen Levitt, Strassenfotografin
Helen Levitt um 1960

Zur Lebensgeschichte von Helen Levitt: Sie wuchs in Brooklyn auf. In Manhattan traf sie Mitte der 1930er Jahre den Fotografen Walker Evans. Wenig später lernte sie Henri Cartier-Bresson kennen, den sie auf seinen fotografischen Streifzügen durch die Stadt begleitete. Ausgerüstet mit einer Leica begann Levitt 1936 ernsthaft zu fotografieren. Evans, mit dem sie die Dunkelkammer teilte und gemeinsam fotografierte, und der Dichter James Agee standen ihr in diesen Anfängen als Freunde zur Seite. Dank des Interesses Luis Buñuels fand sie Beschäftigung beim Film. Gemeinsam mit Agee und Janice Loeb begann sie 1944 mit der Arbeit an dem Film »In The Street«, der 1952 fertig gestellt wurde. Er gilt als eine der wesentlichen Werke des frühen experimentellen Kinos und hat auch Charlie Chaplin inspiriert. Ende der 1950er Jahre nahm Helen Levitt ihre fotografische Arbeit, nun in Farbe wieder auf. 1980 wandte sie sich noch einmal für einige Jahre der Schwarz-Weiß-Fotografie zu.

Die Ausstellung in Hannover aus Anlass der Auszeichnung mit dem »Spectrum«-Preis gibt mit rund 300 Werken den bisher breitesten Überblick über ihr Schaffen: Sowohl ihre frühen wie späteren New Yorker Bilder werden umfangreich gezeigt, ebenso die 1941 in Mexiko entstandenen Fotografien.

Helen Levitt

Sprengel-Museum Hannover, bis 25. Mai.
Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover
Telefon: (0511) 168 – 4 38 75, E-Mail Sprengel-Museum@Hannover-Stadt.de
Geöffnet Dienstag 10 – 20 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10 – 18 Uhr, montags geschlossen
Helen Levitt bei Wiki
Walker Evans bei Wiki

Sprengel-Museum Hannover

Besuch bei Helen Levitt in New York und Fotogalerie bei Spiegel Online Kultur

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