Leserbilder in der Profi-Kritik:Aktfotografie:
Vertrauen ist alles

Jan Zappner, 22. Februar 2008 10:05 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Aktfotografie verlangt mehr als gute Technik – sie setzt eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Fotograf und Modell voraus. Zumall dann, wenn Nacktheit ein Nebenaspekt ist.

Boris Baldinger: honest
Leserfoto: Aus der Serie “honest”. Klick für Vollansicht (© Boris Baldinger). – Leider keine Exif-Daten vorhanden

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild ist Teil meiner analogen Serie “honest”. Darin geht es darum, den Charakter und die Schönheit jeder einzelnen Frau festzuhalten. Jedes Bild wird mit einer Canon EOS 3 auf einem Kodak Tri-X aufgenommen und dann vom Negativ digitalisiert. Pose, Gesichtsausdruck, Filmmaterial, Kamera und Blende sind bei jedem Bild identisch. Wichtig für mich ist, dass die portraitierten Damen immer einen sehr entspannten Gesichtsausdruck haben. Ebenfalls werden die Bilder immer mit Tageslicht aufgenommen.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Boris Baldinger:

Aktporträts sind eine große Herausforderung für einen Fotografen. Zunächst sollte das Konzept sowohl technisch als auch inhaltlich überzeugen. Vor allem aber muss eine besonders vertrauensvolle Beziehung zu den Personen, die abgelichtet werden sollen, aufgebaut werden.

Im besten Fall zeigen Aktporträts wesentlich mehr als nur ein wenig mehr Haut, nämlich einen eingefrorenen Moment intimer Vertrautheit.

Dies ist hier sehr gut gelungen! Technisch setzt der Fotograf allein “availiable light” ein, also das vorhandene Licht. Das sorgt auf der einen Seite für eine natürliche Lichtstimmung und ermöglicht auf der anderen Seite auch ein wesentlich einfacheres Arbeiten vor Ort. Außerdem ist eine relativ große Blende gewählt, so dass nur das Gesicht scharf gestellt ist und der Oberkörper in leichter Unschärfe verschwimmt.

Das ist ein interessanter Ansatz, der die Nackheit trotz der Offensichtlichkeit schnell wieder in den Hintergrund treten läßt. Konzeptionell ist das Bild ein Beispiel aus einer Serie “honest”, es wurden und werden wohl noch viele Frauen unter den gleichen Gesichtspunkten fotografiert.

Das stelle ich mir vor allem in einer Ausstellung nebeneinander spannend vor, wobei mich dann interessieren würde, inwieweit wirklich der Gesichtsausdruck “identisch” sein kann, wie vom Fotografen angedacht.

Als einziges kleines Manko empfinde ich die ausgefransten Stellen auf der Stirn. Das ist eine Fahrlässigkeit, die leicht hätte vermieden werden können.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Boris
    schrieb am 22. Februar 2008 um 12:09 Uhr (#)

    Hallo Jan,
    ich danke dir ganz herzlich, dass du dir die Zeit genommen hast mein Bild deiner Kritik zu unterziehen. Ich gebe dir absolut recht, was die ausgefranste resp. überbelichtete Stelle an der Stirn anbelangt. Dies war eines der allerersten Bilder der Serie honest. Auch eines meiner aller ersten die ich analog aufgenommen habe. Nichts desto trotz ist es mit einer meiner liebsten Bilder und darum habe ich es auch zur Kritik eingereicht.

    Wen es interessiert, der kann sich die ganze Serie unter honest.ch anschauen.

    Nochmals ganz herzlichen Dank und ein schönes Wochenende.

    Liebe Grüsse
    Boris

  2. Aktfotografie von Jörg Zimmermann
    schrieb am 16. April 2008 um 11:25 Uhr (#)

    also das finde ich, der sich durchaus auch gerne um die aktfotografie bemüht, doch mal klasse, dass es hier sowas gibt. den einleitenden worten kann ich mich allerdings auch nur anschließen. es gibt viele schwarze schafe, die es seriösen aktfotografen sehr sehr schwer machen, modelle zu finden.

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