Leserbilder in der Profi-Kritik:
Perspektive macht noch kein Bild

Ein ungewöhnlicher Blickwinkel ist ein gutes Stilmittel für eine Bildkomposition, die Aufmerksamkeit erweckt. Darüber hinaus sollte das Foto aber halten, was es verspricht, und auch inhaltlich etwas Aussergewöhnliches bieten.

Florian Ullbrich

Florian Ullbrich


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Ullbrich). – NIKON D70 – 1/20s – f/4 – 18mm (36mm)

Kommentar des Fotografen:

Nach einem harten Ausbildungstag zurück in der Unterkunft auf dem Truppenübungsplatz.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Florian Ullbrich:

Dies ist ein Foto, das sofort Interesse weckt und den Blick haften lässt, da ein ungewöhnlicher Blickwinkel genutzt wird. Aufgrund der besonderen Perspektive, die es einnimmt, erinnert es etwas an den legendären Magnum-Fotografen Elliott Erwitt.

Erwitt ist einer der erfolgreichsten Fotografen des letzten Jahrhunderts. Er machte viele bemerkenswerte Bilder in verschiedensten Situationen, ist aber wahrscheinlich am berühmtesten für seine Fähigkeit, raffinierte und humorvolle Begebenheiten auszumachen und festzuhalten, die die meisten Leute nie bemerkt hätten. Dieses Foto erinnert mich an Erwitts bekannte Bilder von kleinen Hunden und den Beinen ihrer Besitzer.

Aber obwohl der Blickwinkel in diesem Bild die Aufmerksamkeit auf sich zieht und Erwitts Fotos ähnelt, hört hier der Vergleich leider auf. Was Erwitts Bilder so besonders macht, ist nicht bloß die Komposition. Seine Bilder haben normalerweise einen Moment eingefangen, der uns innehalten, nachdenken oder lachen lässt, oder aber ein Maß an Spannung oder Überraschung vermittelt.

Während der Fotograf dieses Beispiels einen interessanten Blickwinkel zu nutzen weiß, das Foto ausgewogen ist und den Blick vom Vordergrund zum Soldaten im Hintergrund zieht, ist der Inhalt nicht so inspirierend oder denkanstoßend.

Aber wir sollten dies als ein gutes Beispiel nutzen, wie wir unsere Bilder viel interessanter machen können, indem wir einfach nach neuen oder ungewöhnlichen Blickwinkeln suchen.

Versuch es mal wie in diesem Beispiel aus der Froschperspektive, oder steig auf einen Stuhl, eine Leiter oder ein Dach und fotografiere von oben. Versuch einmal durch Dinge wie einen Zaun, ein halb geöffnetes Fenster, oder was Dir einfällt hindurch zu fotografieren.

Aber vergiss nicht den Humor, die Spannung, Überraschung oder Dramatik während Du Dich auf die Komposition konzentrierst.

Inspiration gibts auf Elliot Erwins Website.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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