Bielefelder Studenten:
“Romantische” Fotografie

Uli Eberhardt, 14. März 2008 17:31 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

 

Fotografie-Studenten der FH Bielefeld beschäftigten sich zwei Semester lang mit der Romantik. Das Kölner Forum für Fotografie zeigt eine Auswahl der Arbeiten unter dem Ausstellungstitel “fragment.romantik”.

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Milena Carstens, Ohne Titel, 2007

Vor rund 200 Jahren forderte der Dichter Novalis: «Die Welt muß romantisiert werden.« Er meinte damit ein «Hinaufstimmen« kraft der eigenen Phantasie, um die Zumutungen seiner Gegenwart aushalten zu können, teilt das Forum für Fotografie mit. Seither habe «das Romantische« meist in schlechten oder unsicheren Zeiten Konjunktur – und zwar bis heute, was zum Beispiel Rüdiger Safranski mit seiner Studie zur Romantik als einer «deutschen Affäre« zeigte.

Theoretische Positionen der historischen Romantik und die Aktualität des Romantischen – das waren die Aspekte, unter denen sich die Studenten mit dem Thema beschäftigten.

In der Ausstellung sind sehr unterschiedliche Herangehensweisen zu sehen. Sie kreisen um Themen wie Naturerfahrung oder seelische Befindlichkeit – und auch die unheimlichen Aspekte der Schauerromantik kommen nicht zu kurz.

Dass die deutsche Romantik zuerst eine literarische Bewegung war, wird zum Beispiel in Bildern von Milena Carstens deutlich: Sie visualisierte das Genre des Kunstmärchens auf den Spuren romantischer Dichter, die das Wunderbare und das Fantastische in die Wirklichkeit des Alltags zu integrieren versuchten.

Sabrina Dirkwinkel setzte Motive von Eichendorffs Mondgedichten ins Lichtbild. Stephan Sasek schoss seine Serie «Dioramen« in den Schaukästen deutscher Naturkundemuseen, wo Fuchs und Hase sich in pittoresker Kunstnatur gute Nacht sagen.

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Dominic Dupont, Sturmholz, 2007

Dominik Dupont vergrößerte Fotos von Waldschäden, die nach den Stürmen des letzten Winters entstanden waren, zu beinahe erhabener Wirkung.

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Verena Brüning, Psyché, 2007

Besondere Aufmerksamkeit fand die «Romantik« als innere, als geistige und spirituelle Haltung, die durchaus auch von Irrationalität sein kann. Beispielsweise folgte Verena Brüning heutigen Stadtbewohnern an deren persönliche Rückzugsorte in der scheinbar «freien« Natur.

Agotha Vincze verarbeitete historische Familienporträts zu einer empfindsamen Studie über romantische Bindungen. Alexander Gehring untersuchte in surrealistischen Porträts den Zustand völliger Entwirklichung während des Schlafs als einer Phase, in der alle Gesetze rationalen Denkens außer Kraft gesetzt sind – «Hypnos« erscheint als überirdische Daseinsform zwischen Unterbewusstsein und Erinnerung im Sinne einer romantischen Weltauffassung.

Sarah Berger schuf Seelenlandschaften eigener innerer Zustände, die sie durch fünf verschiedene Frauen verkörpern ließ. Dabei bezog sie sich auf ein Zitat des Dichters E.T.A. Hoffmann: «Die optische Wahrnehmung ist vom Seelenzustand abhängig.” Andreas Neumann widmete sich in seiner Porträtserie der romantischen Auffassung von Freundschaft als Seelen- und Wahlverwandtschaft.

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Tina Völzer, Heim, 2007

Tina Völzer gab Häusern ein Gesicht. Sie fotografierte sie bei Nacht: Die leuchtenden Fenster lassen selbst die Architekturen in einsamen Gegenden auf wunderliche Weise beseelt erscheinen. Gesche Jäger spürte an den ostwestfälischen Externsteinen spirituelle Treffen verschiedenster Gruppen zwischen Esoterik und Nationalismus auf, die dort die mystische Nacht der Wintersonnenwende feiern.

Die erhabene Naturkulisse erfüllt klassische Erwartungen des Wildromantischen. Sonmi-Kyung schließlich realisierte den geheimnisvoll-melancholischen Bann der sogenannten «schwarzen Romantik« in nächtlichen Aufnahmen malerischer Baumkronen.

Beim Forum für Fotografie sind noch einige weitere Bildbeispiele zu finden.

fragment.romantik
Forum für Fotografie Köln, bis 11. April
Schönhauser Strape 8, 50968 Köln
Telefon 0221 – 340 18 30, mail@forum-fotografie.info
Öffnungszeiten Mi – Fr 14 – 18 Uhr, Sa 12 – 18 Uhr, So 12 – 16 Uhr

Forum für Fotografie Köln

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  1. Frederik Kasparov
    schrieb am 13. Juni 2009 um 13:34 Uhr (#)

    Studenten-Kitsch.

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