Ivonne Thein:
Zweiundreißig Kilo Schönheitsideal?
Von Uli Eberhardt am 21. März 2008 um 08:35 Uhr Kommentare (1)
Kategorien: Hingehen, Ästhetik
Als einen verstörende Balance-Akt zwischen Selbstverwirklichung und Selbstzerstörung – so zeigt Ivonne Thein das Thema Magersucht: Ihre Bildserie Zweiunddreißig Kilo ist im Berliner C/O zu sehen. Die Reihe Talents widmet sich der Nachwuchsförderung.

Ivonne Thein – aus: Zweiundreißig Kilo: Bildserie zu Magersucht und Fotografie
Für manche ist die Fastenzeit an Ostern nicht beendet. Die Kampagne des italienischen Fotografen Oliviero Toscani wandte sich klar gegen Magersucht und ihre lebensbedrohlichen Folgen – vor allem unter Fotomodels. Ivonne Thein dagegen beschäftigt sich sowohl mit den negativen Folgen extremer Schlankheit als auch mit dem Medium, das dieses als Schönheitsideal erst in Szene setzt:
Der Fotografie. Toscanis Forderung: “No anoressia! – Gegen die Magersucht!” trifft auf “Pro Ana” – die Bewegung, die das Schlankheitsstreben als positives Lebensbild und Ideal vor allem für junge Frauen vertritt. Pro-Anexorie ist in erster Linie eine Internet-Bewegung – Wikipedia informiert darüber.
In Bildsprache und Komposition arbeitet Ivonne Thein mit Mitteln, die die Inszenierung und Oberflächlichkeit der Modewelt aufgreifen. Außerdem hat sie ihre schon schlanken Modelle am Computer zu “extrem schlank” nachbearbeitet. So schlank, wie sie aussehen, sind sie in Wirklichkeit also nicht. Die weibliche Figur auf ihren Bildern ist also genau so künstlich erschaffen wie das Bild einer idealen Körperlichkeit, die für die meisten Essgestörten zum Verhängnis wird. Diese Zuspitzung ermöglicht die Auseinandersetzung damit: Ist es Ideal oder Krankheit? Und Ivonne Thein stellt die Frage nach Status und Rolle der Fotografie im digitalen Zeitalter.

Ivonne Thein – aus: Zweiundreißig Kilo
Ivonne Thein, geboren 1979, wurde 1996 bis 1999 zur Fotografin ausgebildet. Seit 2003 studiert sie an der Fachhochschule Dortmund, Fachrichtung Fotodesign. Ivonne Thein lebt und arbeitet in Dortmund. Mehr von ihren Bildern gibt’s auf ihrer Webseite (Flash, etwas Geduld vonnöten).
Seit 2006 präsentiert der C/O’s e.V. angehende Fotografen und Kunstkritiker, die sich an der Schwelle zwischen Ausbildung und Beruf befinden. Die Ausstellungsreihe Talents führt die Nachwuchsförderung von Bild und Text in einem Programm zusammen. So kommt auch der Katalog zu dieser Ausstellung von einer Nachwuchskraft: Heide Häusler, die an der Ruhr-Universität Bochum Kunstgeschichte, Philosophie und Film- und Fernsehwissenschaft studiert hat, mit den Fotografien von Ivonne Thein kritisch auseinander. Der Katalog erscheint im Deutschen Kunstverlag. Damit ist Talents in Europa einzigartig und konkurrenzlos, so das C/O. 2008 steht die Talents-Ausstellungsreihe unter dem Motto „Porträt. Der fotografierte Mensch”.
Im C/O gibt es derzeit auch die Ausstellung von Bettina Rheims “Can you find Happiness” – auf die wir vor kurzem ebenfalls hingewiesen haben. Auch hier geht es um Frauenbilder – um Hochglanz, Glamour und Klischee.
Ivonne Theins: Talents 10 – Zweiundreißig Kilo
C/O Berlin im ehemaligen Postfuhramt, bis 11. Mai
Oranienburger Straße / Tucholskystraße, 10117 Berlin
Geöffnet täglich 11 bis 20 Uhr
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..and now for something completely different 39 : Regioblog
schrieb am 11. April 2008, 15:42 Uhr (Permalink zum Kommentar)