Leserbilder in der Profi-Kritik:
Stürzende Linien

Gebäude werden durch Weitwinkel-Objektive sehr rasch verzerrt. Ein höherer Standpunkt und ein Normalobjektiv – oder die Bearbeitung in der digitalen Dunkelkammer – schaffen Abhilfe.

Patrick Federi

Patrick Federi


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Patrick Federi). – NIKON D70s – 1/2000s – f/4 – ISO 200 – 18mm (27mm)

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Patrick Federi:

Wie ich so oft sage, ist es besser, man kommt dem Foto, das man haben will, schon bei der Aufnahme so nah wie möglich, als später alle Fehler in der Dunkelkammer ausbessern zu müssen.

Dies gilt sogar heutzutage, wo die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung nur noch durch unsere Vorstellungskraft begrenzt sind, und uns die meisten Nachbearbeitungs-Tricks viel, viel leichter machen.

Dieses Foto, das in Kanada aufgenommen wurde, hätte verbessert werden können, wenn der Fotograf entweder ein Tilt/Shift-Objektiv benutzt hätte, oder mithilfe einer Leiter, eines Autos, etc. ein paar Meter höher gestiegen wäre und dabei ein «Standardobjektiv« wie ein 50mm benutzt hätte.

Beide Varianten hätten die leichte Schieflage der Gebäude verringert.

Für mich wäre das Bild auch in interessanter, wäre die Beleuchtung etwas anders. Will man das perfekte natürliche Licht im Bild einfangen, muss man sich zunächst die Mühe machen, das Licht zu beobachten und herausfinden, wann es der Vorstellung am meisten entspricht.

Dann muss man die Zeit haben, zu warten, bis die Sonne und die Wolken mitspielen und einem die Beleuchtung darbieten, auf die man wartet. Willst oder kannst Du Dir nicht die Mühe machen oder die Zeit nehmen, gibt es immer noch die digitale Dunkelkammer.

Beispiel Bearbeitung Pascal Federi

Beispiel Bearbeitung Pascal Federi

Wie Du im Beispiel sehen kannst, habe ich Photoshop benutzt, um das Gebäude ein wenig aufzurichten. Das geht ganz einfach. Als erstes musst Du Deine «Ebene« kopieren. Am einfachsten geht das, wenn Du den «Apple/Ctrl» und das «J« zusammen drückst. Dann gehe zu «Bearbeiten«, Transformieren« und dann klicke auf «Neigen«. Ein Rahmen wird um Dein Bild herum erscheinen und Du kannst dann seine Ecken dorthin ziehen, wo Du sie haben möchtest. Dann klicke den «Haken« in der Toolbar oben im Bildschirm und schon hast Du ein neues Foto. Schön, nicht?

Ich habe auch die Farben verändert, nämlich den Kontrast ein wenig erhöht und habe die «Tiefen/Lichter«-Funktion benutzt, um die Schatten aufzuhellen.

Ich mag dieses Foto. Es ist eine ruhige Studie eines kleinen Ortes und erinnert irgendwie an die bahnbrechende amerikanische Fotografie der 60er und 70er Jahre.

Investiere das nächste mal noch ein wenig mehr Mühe entweder im Moment der Aufnahme, oder später in der Dunkelkammer, und Du kannst ein noch viel interessanteres Bild erreichen.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Kommentare

  1. oder mithilfe einer Leiter, eines Autos, etc.

    jetzt weiß ich endlich woher die Dellen meines Autodaches stammen – von Fotografen mit dem unpassenden Objektiv. :)

  2. @Gabriel: LOL. Hoffentlich steigt der Fotograf ab, bevor der Beitzer losfährt.

    Interessante Beurteilung. Stürzende Linien waren mir bei diesem Foto nicht unangenehm aufgefallen. Ich finde, “vorher” wirkt das Haus senkrecht, nur das Schild steht schief, aber das ist m.E. einfach schief und sollte gar nicht aufgerichtet werden. “Nachher” hat das Haus links stürzende Linien und dafür rechts nicht mehr.

    Das Bild hat sehr schöne Farben, wenn man es in Camera Raw (Photoshop ist mir immer zu fett) kurz bearbeitet, Schatten aufhellen, Kontrast allerdings bei mir sogar noch runter, dafür etwas Dynamik.

    Von der Komposition her finde ich, ein Schritt weiter wäre besser gewesen, damit das Schild nicht so “im Bild” steht, sondern eher am Rand und noch etwas näher, wenn man es drin haben möchte. Und links der Parkplatz sollte entweder mehr zu sehen sein oder ganz weg. So wird das Bild an dem Ende unruhig.

    Aber das ist Geschmackssache.

  3. Danke für die Kritik.

    Ich bin was die Beleuchtung angeht absolut der gleichen Meinung. Das Licht wäre am späteren Abend bestimmt noch besser geworden. Auch das sich Zeit nehmen für ein Foto muss ich mir noch angewöhnen. Auf Reisen ist es immer ein Spagat zwischen dem warten auf besseres Licht oder dem weiterreisen und noch weitere schöne Aufnahmen zu machen.

    Über die stürzenden Linien könnte man sich wahrscheinlich stundenlang unterhalten. Auf meinem Bild ist leider die rechte Kante des Gebäudes ein bisschen schief. Doch Deine Korrektur ist ein bisschen zu stark geraten. Das Gebäude scheint nun stark nach hinten zu kippen. Und was Du nicht wissen konntest: Die Tafel der Tankstelle stand tatsächlich schief.

    Ich war davon ausgegangen dass an den eingesandten Bildern nichts verändert werden darf. Sprich auch keine Bearbeitung im Photoshop. Egal.

    Ich kann mit der Kritik etwas anfangen und werde gerne wieder ein Bild hochladen.

  4. Hallo Patrick

    Ja, die stürzenden Linien gäben Anlass zur Diskussion – und die wollen wir hier ja haben.

    Was die Veränderung des Bilds angeht, halten wir es ähnlich wie Adobe, aber ein bisschen offener und jedenfalls transparent:

    Ich bin Inhaber des Urheberrechts an diesem Bild und gewähre Blogwerk AG das Recht, das Werk im Rahmen der Bildkritik zu verändern sowie es auf den Blogwerk-Domains zu veröffentlichen.

    Das hast Du beim Hochladen angekreuzt. EDIT: ;-) (das klingt hier sonst wieder so bierernst…)

  5. Hallo Peter

    Dass ihr das Bild verändert habt stört mich überhaupt nicht. Das war ja auch der Deal. Es geht mir vielmehr darum dass ich es nicht verändert hatte. Sondern einfach das Original hochgeladen habe.

    Schliesslich wäre da noch einiges zu machen gewesen :-)

  6. Ach soooo… guter Punkt. Ich werde das in der Upload-Seite vermerken. Natürlich “darf” jeder sein Bild bearbeiten, auch wenn “Rohmaterial” die Arbeit der Kritiker natürlich vereinfacht. Wir wären indes dankbar um Transparenz (im Bemerkungsfeld auch hinweisen, was ungefähr am Bild nachbearbeitet wurde) und immer die Exif-Daten im Bild.

  7. Über stürzende Linien kann man echt stundenlang “diskutieren”.

    Einer will alles exakt gerade, der andere nicht ganz korrigiert oder gar natürlich schief belassen.

    Wichtig scheint aber: Wenn schon korrigiert sollte das Bild danach wirklich gerader als vorher sein.

    Die vorgestellte Verbesserung wollte mit Adobe doch nicht so recht gelingen wollen.

    - das Photo hat relativ starke Verzeichnung
    - die Bearbeitung ist irgendwie unsymmetrisch geraden.
    (Das Schild muss schief bleiben – Der Hausvorbau im Hintergrund sollte aber schon gerade stehen.

    Mit PhotoShifter geht sowas deutlich bequemer/ genauer.

    Falls es erlaubt ist, könnte ich ja mal eine so korrigierte Version verlinken.

    Gruss
    Frank

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