Wendy Ewald:
Fotografie für Kinder

Wendy Ewald bringt auf der ganzen Welt Kindern die Fotografie nahe. Eine Austellung mit diesen Bildern ist zur Zeit in Stuttgart zu sehen – bei Parrotta Contemporary Art.

Wendy Ewald: Das Phantom, fotografiert von Teresa López, Mexiko 1991
Wendy Ewald: Das Phantom, fotografiert von Teresa López, Mexiko 1991

“Traut euren eigenen Vorstellungen” – so ermutigt die Amerikanerin Wendy Ewald seit über 30 Jahren ihre Schülerinnen und Schüler. Sie arbeitet gemeinsam mit ihnen daran, ihre Träume, Ängste und realen Erfahrungen in Bildern und Worten aufzuzeichnen und greifbar zu machen. Dieses Lebensprojekt führte Wendy Ewald rund um die Welt, denn sie fotografierte mit Kindern unterschiedlicher kultureller und familiärer Hintergründe.

Die Idee für dieses Projekt kam Wendy Ewald eines Morgens, als sie aus dem Fenster ihrer Schule die spielenden Nachbarskinder beobachtete. Das war der Beginn der langen Reise, die sie unter anderem nach Kolumbien, nach Südafrika, in die Niederlande oder nach Mexiko führte. “Kinder sind überall gleich. Kinder sind überall anders”, sagt Wendy Ewald. Wer seine Phantasien und Träume zur Sprache bringt und daraus Bilder macht, stelle sich immer die Frage: Wer bin ich?

Daraus entstanden schonungslose und intensive Fotografien der Kinder über ihre Umwelt. Stereotype Vorstellungen von Kindheit und unschuldigen Blicken werden von den Bildern mit einem Klick widerlegt. So ergeben sich kaleidoskophafte Portraits von Kindheit, zusammengesetzt aus aufgewühlten, träumerischen, grüblerischen und melancholischen Momentaufnahmen zwischen Realität und Fiktion, die zuweilen außerordentlich nahe gehen und sich doch als gänzlich unzugänglich erweisen

so die Galerie Parrotta.

Wendy Ewald, Jahrgang 1951, stammt aus der Autostadt Detroit. Sie studierte bei Minor White Fotografie und begann dann, Kinder in Fotografie zu unterrichten, anfangs in einem kanadischen Indianerreservat.

Aber ist sie nun Lehrerin oder Fotografin oder beides? “Pädagogik habe ich nie studiert. So könnte man sagen, dass ich von meiner Ausbildung Künstlerin oder Fotografin bin. Was ist tat und tue ist, dass ich meine Erfahrung als Künstlerin und Fotografin für die Erziehung verwende.”

Bei Parrotta Contemporary Art sind gleichzeitig noch zwei andere Fotografen zu sehen (jeweils bis 10. Mai): der Japaner Toshiya Momose mit “Stills” und Marc Räder mit “Scanscape”.

Toshiya Momose: Grand Central Terminal, New York 1993
Toshiya Momose: Grand Central Terminal, New York 1993

Momose, Jahrgang 1968, fotografiert stets aus der Perspektive des fremden Besuchers, des Reisenden und stillen Beobachters in Metropolen wie Havanna, Istanbul, Buenos Aires, Tokio, Shanghai, New York und – in neuesten Arbeiten – auch kultivierte Landschaften Deutschlands. Immer sind die Motive menschenleere Szenerien, die den Eindruck von Verlassenheit erzeugen. Momose ist seit 1999 Professor für Fotografie an der Kyushu Sangyo Universität in Fukuoka/Japan und war 2006 bis 2007 Gastprofessor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.

Marc Räder: Straßenkreuzung in Irving, Kaliforniern, 1996
Marc Räder: Straßenkreuzung in Irving, Kaliforniern, 1996

Marc Räder, Jahrgang 1966, über seine Bilder:

“Scanscape ist Eutopia, ein Nicht-Ort, der jeglicher Kultur und Geschichte entbehrt ist und dessen Charakter am besten mit dem Begriff des Simulakrum beschrieben werden kann: die Gestalt einer Zwiebel, die – nachdem man sie auseinander genommen hat – offenbart, dass es keinen Kern gibt, sondern dass sie lediglich eine Ansammlung von Hüllen ist.”

Marc Räder lebt in Berlin und studierte Fotografie an der Essener Folkwangschule und am California College of Arts in San Fransisco.
Parrotta hat auch einen Ausstellungsraum in Berlin: Project Space, Brunnenstraße 178-179, 10119 Berlin. Dort ist Momose von 4. April bis 10. Mai ebenfalls zu sehen. Räder ab 17. Mai bis 27. Juni.

Wendy Ewald: Secret Games – Gemeinschaftsprojekte mit KIndern, bis 4. Juli
Toshiya Momose: Stills, bis 10. Mai
Marc Räder: Scanscape, bis 10. Mai
Parrotta Contemporary Art, bis 4. Juli
Augustenstraße 87 – 98, 70197 Stuttgart
mail@parrotta.de, Telefon 0711/69 94 79 10
Geöffnet Dienstag bis Samstag 14 bis 19 Uhr

Galerie Parrotta
Mehr
über Wendy Ewald

Mehr lesen

Autostilleben: Angedeutete Formen

12.1.2012, 3 KommentareAutostilleben:
Angedeutete Formen

Schwarz-Weiss-Fotografie wirkt besonders durch Linien, Licht und Formen. Das geht gut zusammen mit Autos und anderen Designobjekten.

Donovan Wylie: Ruhige, poetische Bilder vom Krieg

19.10.2011, 5 KommentareDonovan Wylie:
Ruhige, poetische Bilder vom Krieg

Tagtäglich flimmern aus dem fernen Afghanistan Bilder über die Fernsehschirme. Donovan Wylie zeigt in seinem Bildband «Outposts» Bilder ohne Blut und Gemetzel, Bilder fast ohne Menschen, aber dennoch anrührende, berührende und nachdenklich stimmende Bilder.

Trend-Ikone: David der jüngere

4.3.2011, 1 KommentareTrend-Ikone:
David der jüngere

Das Studioporträt eines Jünglings mahnt nicht nur durch den entblössten Oberkörper an die Renaissance - es ist mehr eine Zeit- und Trendikone als ein individuelles Porträt.

23.5.2012, 0 KommentareJunge Fotografie:
Europäische Identitäten

Zwölf junge Fotografen haben sich in Essays mit dem Thema europäische Identität befasst. Das Ergebnis sehen wir aktuell in Hamburg.

14.5.2012, 0 KommentareDas Foto des Jahres 2011 in Zürich

Anfang Februar wurde in Amsterdam das World Press Photo des Jahres 2011 erkoren.

KEYSTONE präsentiert World Press Photo 12: fokussiert.com verlost Eintritte

19.4.2012, 7 KommentareKEYSTONE präsentiert World Press Photo 12:
fokussiert.com verlost Eintritte

Samuel Aranda hat das beste Pressefoto des Jahres 2011 geschossen. Der World Press Photo Contest ist der renommierteste Pressefoto-Wettbewerb der Welt.

Gegenlichtporträt: Lola mit den Luftballons

17.11.2011, 10 KommentareGegenlichtporträt:
Lola mit den Luftballons

Kinder mit bunten Luftballons sind meist wegen der vielen knalligen Farben ein sehenswertes Fotomotiv. Aber auch in Schwarz-Weiß kann man der Szene etwas abgewinnen, indem zum Beispiel der Größenkontrast genutzt wird.

Kinderporträt in Schwarzweiß: Den besonderen Augenblick abwarten

23.9.2011, 3 KommentareKinderporträt in Schwarzweiß:
Den besonderen Augenblick abwarten

Warten lohnt sich, insbesondere bei vielfotografierten Motiven. Dann bekommt man oft ein Motiv geboten, das sich von Gewöhnlichen, das man schon hundertmal so gesehen hat, abhebt.

Kinderporträt: Das grosse Staunen

9.9.2011, 3 KommentareKinderporträt:
Das grosse Staunen

An Menschen faszinieren uns die Augen - und wenn sie glänzen und leuchten, ist ein gutes Bild schon fast passiert.

Marc Räder: Spielzeuginsel Mallorca

28.12.2009, 3 KommentareMarc Räder:
Spielzeuginsel Mallorca

Mallorca gilt als 17. deutsches Bundesland, die Urlaubsinsel schlechthin. Marc Räder hat sich dort umgesehen.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.