Leserbilder in der Profi-Kritik:
Blitzen auf den 2.Verschluss

Jan Zappner, 1. April 2008 12:05 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Bei einer Langzeitbelichtung in einer dunklen Umgebung – oder wenn eine gewisse Dynamik im Bild gewünscht ist – hält ein Blitz einen Moment besonders scharf und deutlich fest, während der Rest des Fotos durch Bewegungsunschärfe verwischt. Dabei kann der Fotograf entweder auf den 1. oder den 2. Verschluss blitzen.

Christoph Wolter
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christoph Wolter). – Canon EOS 30D – 1/15s – f/2.8 – ISO100 – 53mm (78mm)

Kommentar des Fotografen:

Entstanden beim Versuch, Emotionen zu fotografieren.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Christoph Wolter:

Nun, der Versuch ist sehr gut gelungen. Das Gesicht und die Mimik der jungen Frau lassen keinen Zweifel an der Emotionalität der Situation. Auch die geöffneten Hände der zweiten Frau unterstützen die Dramatik nicht unerheblich. Vor allem aber die technische Herangehensweise überzeugt:

Der Christoph hat sich erstens für eine Langzeitbelichtung entschieden, um den Emotionen eine zeitliche Dimension im Bild zu verleihen, und zweitens ein Blitzlicht eingesetzt, um einen Moment einzufrieren und damit dem Betrachter eine deutliche Aussage zu präsentieren.

Bei Blitzlicht kann sich der Fotograf regelmäßig entscheiden, ob er auf den 1. oder den 2. Verschluss blitzen möchte. Der Unterschied besteht darin, dass entweder zu Beginn oder am Ende des Verschlusszyklusses geblitzt wird.

Einfacher gesagt: Entweder zu Beginn oder am Ende der Bewegung im Bild. Wie viel Bewegung damit gemeint ist, entscheidet sich immer durch die Belichtungszeit. Im Bild wird das durch die Bewegungsstreifen deutlich, die entweder vor- oder hinter dem bewegten Objekt entstehen.

Beim Blitzen auf den 2. Verschluss entstehen die Bewegungsstreifen hinter dem Objekt, da der Blitz erst am Ende der Verschlusszeit gezündet wird, die Zeit der Bewegung also hinter ihm (zeitlich gesehen vorher) abgebildet ist.

Vielleicht hätte man den Blitz hier im Bild ein wenig stärker machen können, da die Personen relativ dunkle Bekleidung tragen. Da der Hintergund auch dunkel ist, hätte der stärkere Kontrast gut getan. Die Stärke des Blitzes (auch des eingebauten) kann man in der Blitzlichtkorrektur anpassen.

Um die Emotionalität noch besser zu zeigen, wäre es auch wichtig gewesen, das Gesicht der zweiten Person zu sehen, sozusagen ihre Reaktion auf das Schreien.

Insgesamt aber überzeugend gelöst.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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