Leserbilder in der Profi-Kritik:
Romantik mit Schwarzem Loch

Douglas Abuelo, 2. April 2008 09:37 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Selbst das romantischste Sonnenuntergangsbild kann unter einem Schwarzen Loch in der Komposition leiden. Was zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht weggelassen werden kann, sollte man später nicht im Schwarz zu ersäufen versuchen.

Michael Brünisholz
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Brünisholz). – Nikon D50 – 1/125s – f/11 – ISO200 – 10mm

Kommentar des Fotografen:

Sonnenuntergang im Neuenburgersee. Eingefangen in der, leicht zugefrorenen, Gampelenbucht.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Michael Brünisholz:

Ein Sonnenuntergang am Strand – eines der am häufigsten fotografierten Szenen seit Erfindung der Fotografie. Dieses Foto ist zum Teil ein Beispiel für ein typisches Sonnenuntergangsbild. Einige Aspekte sind sehr gelungen:

Die Sonne und der Horizont, der die Regeln des Goldenen Schnitts befolgt; die Sonne wurde genau vor dem Verschwinden hinter dem Horizont eingefangen und der Winkel wurde so gewählt, dass die Wolken unseren Blick vom Vordergrund zum Hintergrund und der Sonne leiten. Nicht schlecht.

Aber zumindest auf meinem Monitor gibt es eine riesige schwarze Fläche, eine Kluft auf der rechten Seite des Fotos, die das Foto total aus dem Gleichgewicht geraten lässt. Warum ist da dieses schwarze Loch? War das eine künstlerische Absicht? Das würde ich etwas überraschend finden.

Was können wir hier tun? Am besten, man vermeidet eine solch störende schwarze Fläche von Anfang an. Entweder das, oder man bessert sie in der Nachbearbeitung aus.

Man könnte beispielsweise eine etwas längere Belichtungszeit wählen. Nur ein wenig mehr Licht, und ein paar Details mehr im Dunkeln hätte dem Foto sehr viel mehr Ausgewogenheit geben können. Eine weitere Möglichkeit wäre, das schwarze Loch aus dem Bild wegzulassen, indem man entweder mit heranzoomt, oder man den Standort näher am Wasser wählt.

Eine dritte Möglichkeit, die besonders effektiv ist, wenn das Foto in RAW aufgenommen wurde, ist, die Tiefen im digitalen Fotolabor aufzuhellen. In Photoshop, aber auch in lightroom oder Aperture gibt es ein verschiedene Optionen: Tonwertkorrektur, Gradationskurven, oder die Tiefen/Lichter-Funktion. Mit Tiefen/Lichter können viele Fotos gerettet werden, die ansonsten zu hell oder zu dunkel gewesen wären.

Aber obwohl dies ein fantastische Funktion ist, kann sie keine Bilder retten, die sehr stark unter- oder überbelichtet sind. Letzteres ist auch bei RAW-Aufnahmen fatal. Im Fall von JPG-Dateien ist häufig kaum mehr etwas zu machen.

Auch wenn digitale Fotografie normalerweise in Situationen mit wenig Licht besser als Film funktioniert, ist und war es immer das Beste, die Belichtung, und in diesem Fall auch den Ausschnitt, im Moment der Aufnahme richtig zu wählen.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Kommentar

  1. Michael Brünisholz
    schrieb am 2. April 2008 um 10:33 Uhr (#)

    Ich danke für die Kritik. Mit dem schwarzen Loch gebe ich ihnen recht. Als ich das Bild einsendete habe ich dies gar nicht recht realisiert, doch nun wo sie’s sagen sehe ich ein dass hier zu viel schwarz ist. Ich wollte damit nichtmal unbedingt etwas verstecken, das Problem war eher, dass das Schilf einfach zu sehr im Schatten lag. Hätte ich die Belichtungszeit erhöht, damit dieser Bereich hell genug ist hätte es wohl die Stimmung im Rest des Bildes zerstört. Aber mit RAW hätte man bestimmt mehr rauhohlen können, ich sollte mich wohl wirklich langsam an dieses Thema herantrauen ;-).

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