Foodfotografie:
Fehlende Würze

Spontane Küchenfotografie resultiert meist mehr in Stillleben denn in „Foodfotografie“. Dabei sollte der erste Impuls – „wow, diese Farben“ – kompromisslos umgesetzt werden. Alles andere verlangt mehr Planung – und Zeit.

Manuel Reinhard
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Manuel Reinhard). – Canon PowerShot G7 – 1/50s – f/2.8 – 7.4mm (35mm)

Kommentar des Fotografen:

Spontan sind mir beim Kochen in der schlecht beleuchteten Küche die interessanten Farbkombinationen aufgefallen, die da so rumstanden. Also hab ich meine Kamera gezückt und ein paar Mal abgedrückt. Im Nachhinein würde ich das störende Rezept natürlich entfernen… hingegen ist es auch ein bisschen Ausdruck von «Work in Progress», oder?

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Manuel Reinhard:

… diese Aussage bekommt bei dem Foto noch mal eine ganz andere Bedeutung. Es sind die Zutaten, die eine Komposition beeinflussen – und einem auch den Appetit verderben können.

Es ist auf jeden Fall löblich, selbst und gesund zu kochen. Noch besser ist es, wenn der Versuch gestartet wird, dieses Kocherlebnis in Bildern festzuhalten.

Bei diesem Stillleben aus Fleisch und Gemüse, als „Foodfotografie“ möchte ich es mit Absicht nicht bezeichnen, wurde wirklich gut erkannt, dass das Zusammenspiel der Farben einen gewissen Reiz hat. Die Formen allerdings würde ich hierbei völlig außer Acht lassen.

Das rohe Fleisch wirkt einfach nur unappetitlich und die Gemüsesorten sind zwar schon gut sortiert, aber um bildwirksam zu sein, noch viel zu wenig gestylt und angerichtet.

Dass das darunterliegende Rezept nur Unruhe ins Bild bringt, wurde ja schon gut erkannt… also raus damit und lieber einen ruhigen, stimmigen Untergrund gesucht oder alles so gestaltet, dass es zum Thema passt.

Soll nun unbedingt das unfertige Gericht dargestellt werden und das Ganze einen etwas dynamischen Charakter haben, würde ich empfehlen, doch auch Bewegung in das Bild zu bringen: Alle Zutaten wurden geschnitten, es fehlt aber das Messer im Bild… Dieses könnte sich in Bewegung befinden und gerade etwas zerteilen.

Reinhard beispielbild von Thomas Rathay

Wenn es mehr auf die Gestaltung durch Farben ankommt, dürfen auch nicht so viele ablenkende Einzelheiten mit im Bild sein. Durch selektive Schärfe kann ich mich auf das Wesentliche festlegen und die Farben als Farbflächen wirken lassen. Weniger ist manchmal mehr, und man darf nie vergessen, dass ich als Bildbetrachter nicht bei der Kochaktion dabei war, sondern mir nur durch das Foto einen Eindruck vom Geschehen oder vom Geschmack machen kann.

Trotzdem muss auch die Phantasie des Rezipienten angeregt werden. Er muss das Bild erkunden wollen. Meine Anregung zeigt in groben Zügen, wie ich an das Motiv heran gehen würde.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

5 Antworten
  1. Manuel says:

    Hallo und danke für die Kritik. Vor allem den Punkt «man darf nie vergessen, dass ich als Bildbetrachter nicht bei der Kochaktion dabei war, sondern mir nur durch das Foto einen Eindruck vom Geschehen oder vom Geschmack machen kann» finde ich interessant und nehme ich gerne an. Daher kommt wohl auch, dass du das Fleisch unappetitlich findest, ich hingegen mich bei diesem Bild gerne ans gut gelungene Nachtessen erinnere.

    Was das fehlende Styling angeht ist es aber so, dass ich nicht viel von gestellten Fotos aus dem Alltag halte. Die Standorte der Schüsseln und der Inhalt dieser Schüsseln hatte sich zufällig so ergeben und wurde für das Foto nicht verändert. Das würde ich auch nicht tun, da ich nicht den Anspruch hatte, ein Foto fürs Werbeplakat zu machen.

    Mit der Unschärfe würde ich gerne spielen, krieg ich mit meiner Hobbykamera aber nicht hin ;-)

    Antworten
  2. Gabriel says:

    Selektive Schärfe trifft die Umsetzung schon ganz gut, aber totale Unschärfe würde sie besser beschreiben. Unschärfe ist ja schön und gut, allerdings ist der Schärfeübergang viel zu hart und fokussiert. Eine leichte Unschärfe, die zum Mittelpunkt des Bildes langsam abnimmt, hätte eine viel schönere Wirkung.

    just my 2 cents :)

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *