Leserbilder in der Profi-Kritik:
Per Ausschnitt näher ran

Robert B. Fishman, 10. April 2008 10:02 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Gut gesehen, aber suboptimal fotografiert: Das Bild ist insgesamt etwas überbelichtet, und der Ausschnitt könnte – notfalls nachträglich mit Cropping – besser gewählt werden.

Sebastian Klinner: Schlange im Naturhistorischen Museum Braunschweig
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sebastian Klinner). – Olympus E-400 – 1/25s – f/5.6 – ISO 800 – 176mm

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild enstand bei einem Besuch des naturhistorischen Museums in Braunschweig. Es handelt sich um eine lebende Schlange, auch wenn der Name des Museum etwas anderes vermuten lässt. Als Anfänger würde mir eine professionelle Meinung zu dieser Aufnahme viel bedeuten.

Profi Robert B. Fishman meint zum Bild von Sebastian Klinner:

Schön entdeckt, die Schlange, die sich da zwischen den Blättern wohlgetarnt versteckt. Neun von zehn Museumsbesuchern hätten das Tier sicherlich übersehen. Interessant wird das Bild durch das Auge des Tiers.

Als Betrachter bringt mich dieses dazu, genauer hin zu sehen und wahrzunehmen, dass sich zwischen den Blättern etwas befindet.

Das Auge liegt, gestalterisch gut gelöst, fast im goldenen 1/3 – 2/3 Schnitt unten rechts im Bild. Wäre das Objektiv vor dem Druck auf den Auslöser etwas weiter nach rechts und nach unten gewandert, wäre das Schlangengesicht noch besser getroffen.

Insgesamt wirkt das Foto sehr, sehr blass, weil es deutlich überbelichtet ist (ich würde schätzen: um 2 Blenden). Gleichzeitig ist es etwas unscharf. 1/25 sek. ist eine wirklich lange Belichtungszeit, die selbst mit Bildstabilisator in Kamera und/oder Objektiv kaum noch verwacklungsfrei zu halten ist. Deshalb staune ich, dass das Bild nicht noch unschärfer ist (es sei denn, es wurde mit einem Stativ aufgenommen).

Kräftigere Farben und mehr Schärfe hätte man hier mit einer kürzeren Belichtungszeit (ca. 1/60) bei gleicher Blende erreicht. Gerade bei sich häufig bewegenden Motiven (wie Tieren) empfiehlt sich eine möglichst kurze Belichtungszeit, wenn man das Objekt scharf auf dem Bild haben möchte. Vor allem mit dem Teleobjektiv kann man das Objekt (hier: das Gesicht der Schlange) noch deutlicher aus seiner Umgebung «herausholen«, wenn man mit einer weiter geöffneten Blende (unter 4 wäre hier gut gewesen) fotografiert und vor dem Auslösen sehr genau auf das Gesicht der Schlange scharf stellt. Vor einem etwas unscharfen Hintergrund kommt das dann scharfe Tiergesicht wesentlich deutlicher (und schärfer) zur Geltung.

Sebastian Klinners Schlange, bearbeitet von Robert B. Fishman

In meinem Beispiel habe ich das Foto mit Lightroom (unter «entwickeln« den Regler für «Schwarz« höher schieben, bis die Kurve darüber (= Histogramm) die Lücke links schließt). Über die Funktion Tonwertkorrektur (Tastenkombination strg-L) lässt sich das Gleiche auch mit Fotoshop bewerkstelligen.

Außerdem habe ich den Bildausschnitt geändert, so dass die Schlange das Bild mehr füllt.

So hat man den Eindruck, dass der Fotograf näher dran war.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Swiss Press Photo 2009: Ist das die neue Bildsprache  im Zeitalter des Bürgerjournalismus?

26.11.2009, 2 KommentareSwiss Press Photo 2009:
Ist das die neue Bildsprache im Zeitalter des Bürgerjournalismus?

Der Schweizer Pressefoto-Preis soll zeigen, dass sich die Bildsprache im Internet-Zeitalter weiter entwickelt. Das gelingt 2009 nur teilweise.

Fotografisches Können (2/2): Wie gut ist mein ästhetischer Blick?

31.7.2009, 5 KommentareFotografisches Können (2/2):
Wie gut ist mein ästhetischer Blick?

Fotografie braucht neben Kamera-Beherrschung auch ein fotografisches Auge. George Barrs Level-System erlaubt eine künstlerische Selbsteinschätzung.

Der rote Punkt: Film-Standbild

7.5.2009, 0 KommentareDer rote Punkt:
Film-Standbild

Ein schönes Beispiel für ein fast-Filmstandbild: Menschen in einer spannenden Kulisse, zwischen denen sich etwas abzuspielen scheint. Technisch interessant, fehlt es ein wenig an Modell-Einsatz.

Brautfoto: Formatwechsel angezeigt

17.2.2010, 2 KommentareBrautfoto:
Formatwechsel angezeigt

Wenn störende Elemente im Vordergrund nicht vermieden oder wegretouchiert, aber durch einen kreativen Ausschnitt entfernt werden können, ist dies oft die beste Lösung.

Sitzporträt: Reduktion in der Komposition

18.1.2010, 1 KommentareSitzporträt:
Reduktion in der Komposition

Manchmal ist weniger mehr: Auch wenn der Beschnitt von Porträts viel Fingerspitzengefühl verlangt.

Urbane Archäologie: Die Qual der Wahl des Ausschnitts

6.1.2010, 3 KommentareUrbane Archäologie:
Die Qual der Wahl des Ausschnitts

Bei der Wahl des Ausschnitts ist es wichtig, sich über den Verlauf der Linien ein Bild zu verschaffen.

Fischmarkt-Foto: Schärfentiefe und Belichtung

27.11.2009, 0 KommentareFischmarkt-Foto:
Schärfentiefe und Belichtung

Auch in hektischer Umgebung darf eine Belichtung nur zu künstlerischen Zwecken ausgebrannte Stellen enthalten.

Landschaftsfoto mit Ast: Darf man eingreifen?

26.10.2009, 1 KommentareLandschaftsfoto mit Ast:
Darf man eingreifen?

Landschaftsfotografen sind der Natur und dem natürlichen Licht fast vollständig ausgeliefert. Aber eben nur fast.

Autofokus: Das Defokus-Problem

2.6.2009, 14 KommentareAutofokus:
Das Defokus-Problem

Serienfeuer und Autofokus: Probleme sind programmiert. Händische Einstellungen sind von Vorteil.

Landschaftsfotografie: Sehen statt denken

27.2.2010, 0 KommentareLandschaftsfotografie:
Sehen statt denken

In der Landschaftsfotografie zählt allein das Sehen. Wer zuviel nachdenkt, läuft Gefahr, in die Dokumentarfotografie zu verfallen.

Sumpffotografie: Schattenriss mit Tiefe

9.2.2010, 2 KommentareSumpffotografie:
Schattenriss mit Tiefe

Landschaftsfotografie braucht nicht unbedingt einen Vordergrund, aber unbedingt Tiefe.

Einsame Parkbänke: Stimmung macht eine Landschaft

22.1.2010, 2 KommentareEinsame Parkbänke:
Stimmung macht eine Landschaft

Meistens lohnt es sich zu warten, und sich noch einmal umzudrehen, noch ein letztes Foto zu schießen.

Spiegelkabinett: Museumsfotografie, anders

5.2.2010, 1 KommentareSpiegelkabinett:
Museumsfotografie, anders

Die Ausstellungsobjekte sind keineswegs das einzige oder das beste Motiv in Museen.

Eva Bertram: Meine Tochter Herveva

24.11.2009, 0 KommentareEva Bertram:
Meine Tochter Herveva

Kindheit als sichtbarer Prozess: Die Berliner Fotografin Eva Betram hat von der Geburt an über elf Jahre das Aufwachsen ihrer Tochter Herveva festgehalten.

3. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg: Gibt es noch neue Bilder?

3.9.2009, 1 Kommentare3. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg:
Gibt es noch neue Bilder?

Das 3. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg stellt sich der Bilderflut und fragt: Gibt es noch neue Bilder?

Hundeblick: Zu viel Halbes

16.12.2009, 1 KommentareHundeblick:
Zu viel Halbes

Für Menschen, Tiere und andere Motive gilt: Bitte durch die Komposition nichts abschneiden. Oder aber fast alles.

17.9.2008, 0 KommentareKatzenbild:
Mehr Persönlichkeit

18.7.2008, 1 KommentareBienenperspektive:
Frischer Blickwinkel

1 Kommentar

  1. Sebastian Klinner
    schrieb am 10. April 2008 um 10:43 Uhr (#)

    Erst einmal danke für die Kritik.

    Das Photo wurde freihand und ohne Bildstabilisator geschossen. Ich war selber erfreut, dass es so doch so scharf wurde.

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.