Leserbilder in der Profi-Kritik:
Per Ausschnitt näher ran

Gut gesehen, aber suboptimal fotografiert: Das Bild ist insgesamt etwas überbelichtet, und der Ausschnitt könnte – notfalls nachträglich mit Cropping – besser gewählt werden.

Sebastian Klinner: Schlange im Naturhistorischen Museum Braunschweig

Sebastian Klinner: Schlange im Naturhistorischen Museum Braunschweig


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sebastian Klinner). – Olympus E-400 – 1/25s – f/5.6 – ISO 800 – 176mm

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild enstand bei einem Besuch des naturhistorischen Museums in Braunschweig. Es handelt sich um eine lebende Schlange, auch wenn der Name des Museum etwas anderes vermuten lässt. Als Anfänger würde mir eine professionelle Meinung zu dieser Aufnahme viel bedeuten.

Profi Robert B. Fishman meint zum Bild von Sebastian Klinner:

Schön entdeckt, die Schlange, die sich da zwischen den Blättern wohlgetarnt versteckt. Neun von zehn Museumsbesuchern hätten das Tier sicherlich übersehen. Interessant wird das Bild durch das Auge des Tiers.

Als Betrachter bringt mich dieses dazu, genauer hin zu sehen und wahrzunehmen, dass sich zwischen den Blättern etwas befindet.

Das Auge liegt, gestalterisch gut gelöst, fast im goldenen 1/3 – 2/3 Schnitt unten rechts im Bild. Wäre das Objektiv vor dem Druck auf den Auslöser etwas weiter nach rechts und nach unten gewandert, wäre das Schlangengesicht noch besser getroffen.

Insgesamt wirkt das Foto sehr, sehr blass, weil es deutlich überbelichtet ist (ich würde schätzen: um 2 Blenden). Gleichzeitig ist es etwas unscharf. 1/25 sek. ist eine wirklich lange Belichtungszeit, die selbst mit Bildstabilisator in Kamera und/oder Objektiv kaum noch verwacklungsfrei zu halten ist. Deshalb staune ich, dass das Bild nicht noch unschärfer ist (es sei denn, es wurde mit einem Stativ aufgenommen).

Kräftigere Farben und mehr Schärfe hätte man hier mit einer kürzeren Belichtungszeit (ca. 1/60) bei gleicher Blende erreicht. Gerade bei sich häufig bewegenden Motiven (wie Tieren) empfiehlt sich eine möglichst kurze Belichtungszeit, wenn man das Objekt scharf auf dem Bild haben möchte. Vor allem mit dem Teleobjektiv kann man das Objekt (hier: das Gesicht der Schlange) noch deutlicher aus seiner Umgebung «herausholen«, wenn man mit einer weiter geöffneten Blende (unter 4 wäre hier gut gewesen) fotografiert und vor dem Auslösen sehr genau auf das Gesicht der Schlange scharf stellt. Vor einem etwas unscharfen Hintergrund kommt das dann scharfe Tiergesicht wesentlich deutlicher (und schärfer) zur Geltung.

Sebastian Klinners Schlange, bearbeitet von Robert B. Fishman

Sebastian Klinners Schlange, bearbeitet von Robert B. Fishman

In meinem Beispiel habe ich das Foto mit Lightroom (unter «entwickeln« den Regler für «Schwarz« höher schieben, bis die Kurve darüber (= Histogramm) die Lücke links schließt). Über die Funktion Tonwertkorrektur (Tastenkombination strg-L) lässt sich das Gleiche auch mit Fotoshop bewerkstelligen.

Außerdem habe ich den Bildausschnitt geändert, so dass die Schlange das Bild mehr füllt.

So hat man den Eindruck, dass der Fotograf näher dran war.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Erst einmal danke für die Kritik.

    Das Photo wurde freihand und ohne Bildstabilisator geschossen. Ich war selber erfreut, dass es so doch so scharf wurde.

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