Leserbilder in der Profi-Kritik:
Wie die Ente im Wasser

Peter Sennhauser, 11. April 2008 09:26 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Bildkomposition, aber auch die Wahl der Belichtung und Blende sind Dinge, die ein Fotograf erlernen kann. Mit der Übung kommt die Selbstverständlichkeit, die für künstlerische Arbeit vorausgesetzt werden muss.

Jürgen Toth
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jürgen Toth). – Kodak CX7530 – 1/125s – f/4.6 – 16.8mm (102mm Kleinbild)

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Jürgen Toth:

Im Englischen gibt es ein Sprichwort: «He took to it like a duck to water.« (ungefähr: “In seinem Element sein”). Dies bedeutet, dass jemandem alles zufällt, was er tut.

Wie überall gibt es auch in der Fotografie Menschen, die eine Kamera zur Hand nehmen, sofort Fotos mit interessanten Kompositionen und Themen machen und sogar die Belichtung entsprechend ihrer Vorstellung korrekt wählen. Das bedeutet nicht, dass solche Naturtalente keine Übung brauchen oder die technischen Aspekte der Fotografie nicht erlernen müssten. Aber je mehr Erfahrung man hat, desto weniger muss man sich beim Fotografieren den Kopf zerbrechen, was geht und was nicht. Im Moment, als ich diess Foto sah, wusste ich, dass nur ein paar wenige Schritte dieses Bild viel interessanter gemacht hätten:

Die ISO war nicht in den Daten zum Bild enthalten, also kann ich sie nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen. Aber weil es keinen Rausch gibt, denke ich, sie war ziemlich gering, vielleicht 100 oder 200.

Die Verschlusszeit wurde auf 125 eingestellt, was unter normalen Tageslichtbedingungen ausreicht, um scharfe Schnappschüsse mit einer Sucherkamera, wie sie hier benutzt wurde, zu machen. Doch dieses Foto ist nicht wirklich scharf. Um das zu korrigieren, könntest Du die ISO-Zahl erhöhen und die Belichtungszeit verringern.

Irgendwie ist das Bild auch etwas überbelichtet, vielleicht, weil der Belichtungsmesser sich auf die dunklen Entenfedern eingestellt hat. Man erhält eine bessere und akkuratere Belichtung, indem die Belichtungszeit reduziert oder die Blendenöffnung verkleinert wird. Dies hätte, ähnlich wie in Beispiel 1, das in der digitalen Dunkelkammer bearbeitet wurde, die Farben und Töne gestärkt.

Jürgen Toth, Bearbeitung Beispiel 1Jürgen Toth, Ente bearbeitet, Beispiel 2Jürgen Toth, Ente bearbeitet, Beispiel 3

Wenn die Ente sich nicht bewegt hätte, hättest Du auch ein Stativ benutzen können, um länger zu belichten, nur ein paar Sekunden. Dann wäre wegen der Bewegung des Wassers etwas ähnliches wie in Beispiel 2 entstanden.

Ich denke auch, dass das Foto eine stärkere Aussage hätte, würde es dem Goldenen Schnitt entsprechend aufgeteilt, wie in Beispiel 3 gezeigt.

Mit der heutigen Technik der digitalen Fotografie ist nichts leichter, als Dich im Fotografieren zu üben: mach ein Bild, sieh es Dir an und ist es nicht so, wie Du möchtest, verändere die Einstellungen, bis es ist, wie Du es Dir vorstellst.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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