Kamera-Regenschutz:
Kata und OP/Tech im Test

Zwei Schlechtwetter-Hüllen für Spiegelreflexkameras: Dem Regen haben sowohl das Nylon-Edelstück von Kata als auch die ultrabillige Notfallhülle von OP/Tech etwas entgegenzusetzen. Nur setzen sie auch dem (Zoom-) Fotografen ein bisschen was entgegen.

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Kata Element Cover E-702/690 und OP/Tech Rainsleeves: Schön müssen sie nicht sein. (Alle Bilder PS/fokussiert.com)

Schlechtes Wetter heisst nicht immer schlechte Fotos – im Gegenteil: Regenwetter hat seine Qualitäten. Allerdings nicht für die Kamera. Die mag in der Regel kein Wasser, und die elektronischen Rechenzentren, die wir heute mit uns rumschleppen, schon gar nicht. Wir haben zwei Regenschütze für SLR-Kameras ausprobiert, und gewannen einige erkenntnisse, auch wenn der Hauptdarsteller im Test fehlte:

Regen gibt’s in San Francisco zwar genug, aber leider nur zwischen November und März.

Ich hatte die Cover schon lang im Auge und wollte mich mal ein bisschen mit Regenfotografie auseinandersetzen – aber wie’s halt so ist, geschah das alles erst, als schon die Trockenzeit eingesetzt hatte. Und bis November (oder den nächsten Besuch in Europa) mag ich nicht warten.

Bei der Wahl der beiden sehr verschiedenen Modell standen zwei Dinge im Vordergrund: Es sollte sich um eine leichte, kostengünstige Hülle gegen den Regen handeln. Gegen die Art von Schauern, die einen fast überall auf der Welt (bisweilen auch sommers in San Francisco, was aufgeregte Wetter-Moderatoren auf den Lokalsendern zu Folge hat) jederzeit überraschen können, eine Wanderung oder ein Shooting aber nicht beenden müssten – bisweilen wird das Motiv mit ein paar glitzernden Tropfen ja nur noch spannender.

Dem gegenüber stehen die diversen hermetisch abgedichteten, wenn auch nicht grade tauchfähigen Schlechtwetter- und Sand-Hüllen, wie sie für Abenteuerfotografie, am Strand und in der Wüste ratsam sind. Darauf kommen wir hoffentlich ein ander Mal zurück.

Die beiden ausgewählten Hüllen hingegen sollen rasch „angezogen“, leicht transportierbar und wenig hindernd sein. Darauf haben wir sie geprüft.

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Kata E-702 Element Cover: (Affiliate-Link) Robust und von guter Qualität, aber etwas steif und nicht ganz einfach „anzuziehen“. Der Klarsicht-Rücken gefällt. (Fotos PS/fokussiert.com)
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Das Kata Element Cover 702 des israelischen Hightech-Herstellers Kata gehört in die Kategorie der robusten Hüllen, die für einen häufigen und harten Einsatz entwickelt wurden. Trotzdem ist die 702 verhältnismässig preisgünstig. Ausserdem handelt es sich um ein Basismodell, das mit längeren „Armen“ für grosse Objektive erweitert werden kann.

Das Element Cover 702 sieht aus wie eine falsch geschneiderte Hose mit durchsichtigem Hosenboden. Er besteht aus zähem und trotzdem flexiblen PVC, der Rest der Hülle besteht aus genähtem Kunststoffgewebe. Die im Gebrauch unten liegende Längsnaht verfügt über einen Reissverschluss, durch den man die Kamera einschieben kann; alle drei Öffnungen – für je eine Hand und das Objektiv – weisen einen Schnursaum auf, der mit einer Klemmkordel dicht um Handgelenke oder Sonneblende des Objektivs zugezogen werden kann. Das Kata Element-Cover 702 hat ausserdem einen zweiten, recht steifen Kunststoff-Ring um die Objektivöffnung, der mit einem Klettverschluss enger oder weiter eingestellt werden kann. Er dient vor allem als Adapter beim Anschluss der Objektivverlängerung (die wir nicht getestet haben).

Kata e-702 Element Cover
OP/tech Rainsleeve: (Affiliate-Link) Billige Regensocke. Wird mit dem Sucher-Augenteil eingeklemmt und vorne am Objektiv zugeschnürt. (Bilder PS/fokussiert.com)

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Das Op/Tech Rainsleeve gehört in die gleiche Anwendungskategorie – leichter Regen -, aber in eine andere Produktklasse: Es sind Wegwerfhüllen für den einmaligen Gebrauch, zwei pro Packung, zu einem Wegwerf-Preis. Die einigermassen robust geschweissten, aber recht dünnen Plastikhüllen sehen aus wie eine Socke mit abgeschnittenem Zehenteil und einem Loch in der Ferse. Die Plastikhülle wird denn auch wie eine Socke über die Kamera gestreift. das Fersenloch dient dazu, den Sucher frei zu halten: Es wird über den Sucherrahmen gespannt und mit dem Augenschutz festgeklemmt. Am Objektiv-Ende weist auch die dünne Plastikhaut eine Zuschnür-Kordel zum Festmachen der Hülle an der Objektiv-Sonnenblende auf.

Damit wäre eins schon mal klar: Beide Hüllen brauchen für einen sinnvollen Einsatz unbedingt die Sonnenblende am Objektiv. Anders können sie kaum so festgemacht werden, dass kein Regenwasser dem Objektiv entlang zum Kamerbody läuft.

Das „Anziehen“ vom Kata E-702 gestaltet sich für eine Person doch recht schwierig: Reissverschluss auf und Kamera rein geht ja noch, aber wie dann die Kamera festhalten, um die Hülle am Objektiv festzuzurren – und wie vor allem die beiden Handöffnungen zuziehen? Wir haben es mehrfach und mit Hilfe der Zähne versucht, nur um festzustellen, dass ein Assistent wohl für Kata-Käufer eine Selbstverständlichkeit ist. Andrerseits kann man die Stummel-Ärmel wohl auch locker baumeln lassen.

Die dünne Plastik-Socke von Op/Tech ist zwar einfacher in der Handhabe – eben wie ein Kondom über die Kamera ziehen – aber sie erwies sich, grade für die Nikon D300 mit montiertem Batteriegriff, fast etwas zu eng.

Beide Hüllen vermochten beim Zuschnüren der Kamera-Öffnung auf der Sonnenblende nicht zu befriedigen. Diese Blenden sind meist konisch; eine runde Schnur in der Hülle rutscht da, grade wenn sie satt angezogen wird, unweigerlich gegen die Kamera hin ab. Zumindest beim teureren Kata-Modell könnte man eine gummierte Innenkante der Objektivöffnung erwarten, um dem entgegen zu wirken – oder einen flachen Riemen statt einer runden Nylon-Schnur.

Die Kata e-702-Hülle erlaubt dafür grossen Komfort in der Kamerabedienung. Das Sichtfenster lässt den gesamten Kamerarücken frei, was grade für die zunehmende Nutzung von LiveView, den Kontrollblick auf den Monitor und das Auffinden der Bedienelemente ohne „Durchtasten“ sehr angenehm ist. Allerdings haben wir beim Bespritzen der Hülle mit kaltem Wasser festgestellt, dass der Sichtrücken schnell beschlägt: Grade wenn die Hülle gut verschlossen von den beiden innen operierenden Händen aufgewärmt wird.

Die Plastiksocke von OP/tech hingegen lässt nur Platz für eine Hand – die andere bleibt draussen und bedient das Objektiv durch den Plastik hindurch. Klingt problemlos, ist es aber nicht unbedingt: Der billige Sandwichtüten-Plastik ist glitschig und wird es im Regen noch mehr; die zu grosse Länge des „Objektivschlauchs“ lässt sie dort in einer hässlichen Handorgel ausserdem nicht grade eng am Objektiv anliegen.

Natürlich sind diese Hüllen nicht eigentlich für Zoom-Objektive gemacht, aber grade das Notfall-Rainsleeve von OP/Tech dürfte von Amateuren mit, beispielsweise, dem von uns benutzten Nikkor 18-200 eingesetzt werden. Dies ist ein verhältnismässig kurzes, dünnes Objektiv, und das kommt der Nutzung der Hüllen nicht entgegen. Zumal es bei der längsten Brennweite auch fast doppelt so lang ist wie bei der kürzesten.

Die Kata-Hülle ist dafür ganz eindeutig nicht eingerichtet. Schon geringes Zoomen liess die Hülle sofort von der Objektivblende abrutschen; zu weit vorn konnte sie daran nicht festgezurrt werden, weil sie sonst bei den Weitwinkelaufnahmen sichtbar wurde.

Fast das gleiche gilt für die Notfallhülle von OP/Tech, allerdings hatte ich hier das Gefühl, dass ein mässiger Zoom-Einsatz eher gedulded würde – allerdings auch mit rutschendem Kordel-Ring auf der Objektivblende. Jedenfalls verweigert sich der in einem (hässlichen) Balg rund um das Objektiv liegende Plastikarm der Drehbewegung und dem ausfahrenden Objektiv deutlich weniger.

Der Durchsichtige Plastik der OP/Tech machte die Kamerabedienung bei trockenem Wetter problemlos; ob das so bleibt, wenn es wie aus Kübeln giesst und all die Falten und Bälge des Plastiksacks voller Wasser laufen, wage ich zu bezweifeln. Da wird die Solide Kata E-702 sicher sehr viel angenehmer zu nutzen sein – sie macht ja schon bei trockenem wetter eine deutlich bessere Figur.

In ihrem Fall aber stört der Klettbewehrte, steife Adapterring massiv. Er rutschte mal übers Objektiv hinaus, mal dahinter zurück, und er machte das nachträgliche justieren des darunterliegenden Nylonschlauchs fürs Objektiv mit der Spannkordel nicht einfacher.

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Optech-Kamera-Regenschutz

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Kata-Kamera-Regenschutz

Fazit: Obwohl die Kata E-702 einiges auszuhalten verspricht und auch die dünne Einmal-Hülle von OP/Tech kaum einen Wassereinbruch befürchten lässt: Für stürmisches Hurrikan-Wetter sind sie beide nicht optimal.

In einem Sommerregen würde ich ihnen meine Kamera jederzeit anvertrauen. Aber wenns waagerecht giesst, kann ich micht mit einem rutschenden Wetterschutz auf der Objektivblende herumschlagen.

Angesichts des in beiden Fällen nur für einen Sommerregen tauglichen Konzepts mit vertikalem Wasserstrom würde ich mich für die spottbilligen Notfall-Plastiksäcke von OP/Tech entscheiden. Gefaltet tragen diese Hüllen kaum auf und passen in jedes Seitenfach des Rocksacks oder der Fototasche, während die E-702 von Kata doch mehr Volumen einnimt und zum Schutz des Sichtfensters nicht zu eng gerollt oder gefaltet werden sollte.

Für salz- und spritzwasserintensive Exkursionen scheinen mir beide nicht geeignet: Sie schützen das Objektiv nicht gegen Frontalwasser. Für den geplanten Kajaktrip in der Tomales-Bucht werde ich mir deswegen wohl eher eine der Gehäuseartigen Kompletthüllen mit Objektivbalg und „Panzerglas“ zulegen, das man beliebig oft trockenreiben kann. Für diese Hüllen wird dann allerdings das Fünffache des Preises für Katas E-720 fällig – von den OP/Tech-Säcken ganz zu schweigen.

Kata Element-Cover E-702 (Affiliate-Link), Strassenpreis 35$/35 Euro

Rainsleeve (Affiliate-Link), Strassenpreis ca 10 Euro für zwei oder drei Stück.

2 Antworten
  1. Markus says:

    Bis jetzt verwende ich Gefrierbeutel – allerdings sind die schon arg flatterig im Wind. Aber mit diesen kommerziellen Lösungen kann ich mich auch nicht ganz anfreuden :-/

    Eventuell muß dann der versiffte Duschvorhang für Experimente dienen :-)

    Antworten

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  1. […] mehr Kopfdreh-Freiheit.Die Wegwerf-Regenhülle von OP Tech für die Kamera, die ich bisher erst theoretisch getestet habe, versieht ihren Dienst mit Bravur und erweist sich, weil durchsichtig, als höchst praktisch: […]

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