Zu viel Vordergrund:
Rahmen mit Mass einsetzen

Das Spiel mit einem unscharfen Vordergrund vor einem weiten Hintergrund ist beliebt, um einem Bild Tiefe zu verleihen. Aber das sollte mit Mass geschehen – und beide Ebenen müssen etwas Interessantes zu bieten haben.

Cyril Schlauri
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Cyrill Schlauri). – Nikon D70s – 1/400s – f/5.6 – 20mm (30mm), ISO 200

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand auf Tierra del Fuego (Argentinien) im Dezember 2006. Es zeigt für mich eindrücklich die Weite und Kargheit, aber auch die faszinierende Schönheit dieser einmaligen Landschaft. Durch den Vorder- und Hintergrund und den Einsatz der Tiefenschärfe (ist aber zuwenig… nicht so tolles Objektiv) wollte ich Tiefe und Dimension ins Bild bringen.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Cyrill Schlauri:

Es gibt viele Dinge, die dieses Bild zu einem besonderen Blickfänger machen. Die Wolken, die in die Ferne ziehen, verleihen dem Foto ein Gefühl von Tiefe und Dimension, die parallelen Linien des Zaunes und der Horizont teilen es in verschiedene Teile und führen unseren Blick durch das ganze Bild, während der Metallschuppen einen Referenzpunkt für unsere Augen darstellt, nachdem wir unseren Blick durch das Bild haben schweifen lassen.

Die auffälligsten von all diesen Dingen sind der Zaunpfahl und die Latten, die den Vordergrund einrahmen. Diese Technik, ein Objekt im unmittelbaren Vordergrund des Bildes zu haben, vermittelt gewisse Tiefe, die in der richtigen Situation aus einem ansonsten langweiligen Bild etwas besonderes machen kann. In diesem Fall allerdings wird die Gesamtbalance eher gestört, indem zu viel des Zaunes Teil des Bildes ist. Es kommt eher wie eine Übertreibung oben genannter Technik herüber, als wie eine tiefempfundene oder bewusste Entscheidung, ein Element einzuschließen, das zur Gesamtkomposition beiträgt und sie verbessert.

Ich glaube, es hätte besser funktioniert, wenn weniger vom Zaun im Vordergrund zu sehen wäre. Etwas, was ich noch als störend empfinde, ist die Vignettierung – dass die Ecken des Rahmens verdunkelt sind. Dies passiert oft, wenn ein Weitwinkelobjektiv verwendet wird. Teurere Weitwinkelobjektive werden hergestellt, um diesem vorzubeugen.

Wenn Du Raw verwendest: es gibt im Photoshop Raw-Konverter ein Werkzeug, das diesen Effekt im vorhandenen Bild reduzieren oder verstärken kann. Viele Fotografen nutzen «Vignetten« als ein künstlerisches oder kompositorisches Mittel, was, wie ich finde, in einigen Fotos Atmosphäre hinzufügt oder mehr Aufmerksamkeit auf ein Element lenkt. Aber hier passt es nicht recht zum Thema.

Cyrill Schlauri

Das andere Element, das für dieses Foto von großer Bedeutung ist, sind die Farben. Mir gefällt, dass sie nicht übertrieben manipuliert sind, um sie zu stark und brillant zu machen. An den meisten Stellen wirken die Farben ziemlich natürlich, so, wie ich mir die Szene in natura vorstelle. Trotzdem, ein bisschen mehr Kontrast und Veränderung im Bild, wie im Beispiel zu sehen, kann dieses Bild zu einem noch größeren Blickfang machen, denke ich.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. Cyrill Schlauri
    schrieb am 20. April 2008 um 08:49 Uhr (#)

    Besten Dank für die konstruktive Kritik, welche für mich sehr anschlussfähig und hilfreich ist. Die Unterschiede zwischen den beiden nun auf dem Blog hochgeladenen Bildvarianten bleiben mir aber bisher verborgen….?

    Lg Cyrill

  2. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 20. April 2008 um 23:05 Uhr (#)

    Cyrill: ehrlich gesagt war ich mir auch nicht sicher, ob Douglas die richtige version ds beispiels hochgeladen hat – ich habe leichte unterschiede in der Farbsättigung festzustellen geglaubt… Ich frag nochmals nach.

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