Nacktheit Nebensache:
Ein ungewöhnliches Porträt

Douglas Abuelo, 21. April 2008 11:39 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Zu häufig wird Nacktheit in der Fotografie eingesetzt, um auf einfache, billige Weise Aufmerksamkeit zu erregen oder den Betrachter zu schockieren. Hier ist ein exzellentes Gegenbeispiel.

Bela Beier
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Bela Beier). – Leider keine Exif-Daten vorhanden

Kommentar des Fotografen:

Das im späten 2007 entstandene Bild war mehr oder weniger ein Zufallstreffer – das Experimentieren mit künstlicher Tiefenschärfe war das Ziel. Wie gut das funktioniert hat, und wie stark der Ausdruck des Bildes durch die S/W-Konvertierung wurde, hat mich am ehesten überrascht. Die Kamera war eine Dimage A2 von Minolta, die Blende ist mir nicht mehr bekannt, es sei denn, sie steht noch in den Exif-Daten.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Bela Beier:

Ich störe mich nicht an Aktfotografien – aber an Bildern, die ausser Nacktheit nichts zu bieten haben. Das erste, was der Betrachter hier bemerkt, ist, dass die Frau nackt ist. Aber in diesem Fall gibt es mehr, das unser Interesse erweckt und wir fragen uns, wie die umgebene Situation sein mag:

Was uns sofort ins Auge fällt, sind die Schriftzeichen auf dem Rücken der Frau. Das ist kein alltäglicher Anblick. Die Schrift ist so klein, dass wir uns näher an das Bild heranbewegen, unseren Hals verdrehen und uns konzentrieren müssen.

Dies ist eine gute Art, den Betrachter einzubeziehen.

Auch der Blick der Frau ist interessant. Sie scheint entspannt und ungezwungen, ihr Gesichtsausdruck ziemlich neutral, was eine interessante Gegenüberstellung zur Intimität ihrer Nacktheit und der mysteriösen Schrift auf ihrem Rücken ist.

Die harte, kontrastreiche Beleuchtung passt hier gut, vor allem in Verbindung mit schwarz-weiss. Es vermittelt einen Sinn von Spontaneität und Realismus, während zugleich die Konturen und das Gesicht der Frau hervorgehoben werden.

Die Position der Frau ist unorthodox und scheint kompositorisch eher ungewöhnlich. Ihr Körper trägt unseren Blick von der oberen linken zur unteren rechten Ecke, wo wir auf ihren Blick treffen.

Normalerweise würden all diese separaten Aspekte insgesamt zu etwas Unharmonischem führen, aber in diesem Fall ergeben sie eine Spannung, was in einem verlockenden Porträt resultieret.

Trotzdem gibt es Raum zur Verbesserung. Im Allgemeinen mag ich es nicht, wenn Arme, Beine oder Köpfe abgeschnitten sind. Obwohl es hier jedoch zur Bildaussage beiträgt, hätte ich gern noch ein wenig mehr von ihrem Kopf im Rahmen gesehen.

Insgesamt denke ich, Du hast ein interessantes, ungewöhnliches und nicht romantisiertes Porträt geschaffen.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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