Michael Ruetz in Berlin:
Der Fotograf der 68er-Bewegung

Die Berliner Akademie der Künste widmet sich mit einem umfangreichen Programm dem künstlerischen Erbe der 68er-Bewegung. Titel: Kunst und Revolte. Darunter eine Ausstellung mit den prägenden Fotografien von Michael Ruetz aus dieser bewegten Zeit.

Ruedi Dutschke
Rede von Rudi Dutschke, 1967. Im Audimax der Berliner FU auf einer Veranstaltung zur Vorbereitung des Internationalen Protesttags gegen den US-Krieg in Vietnam. Berlin, 20. Oktober 1967.

Wie kaum ein anderer Künstler hat Michael Ruetz das Bild der Protestbewegung von 1968 geprägt. Viele seiner Fotografien sind Teil des visuellen Gedächtnisses geworden. Dabei ist Ruetz weit mehr als nur Berichterstatter dieser Zeit.

Als Student der Sinologie wuchs Ruetz als aktiver Teil einer Bewegung in die Rolle des Dokumentaristen, teilt die Akademie der Künste mit. Seine Bilder leben von dieser Nähe zu den Ereignissen, seinem Gespür für Situationen und seinem Blick auf die Menschen: In den 130 vornehmlich schwarz-weißen Fotografien wird die Emotionalität der Zeit Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre wieder lebendig.

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Michael Ruetz: Incognito, 1967. Bei der Protestveranstaltung anlässlich der Erschießung von Benno Ohnesorg: ein Polizist will nicht fotografiert werden. Berlin-Dahlem, 3. Juni 1967

Über das Bild von Rudi Dutschke schreibt Rolf Sachsse, Mitautor des neu erschienenen Buches mit Ruetz’ Fotos (Hinweis am Ende des Beitrags):

Am Vorabend des Ersten Internationalen Protesttags gegen den US-Krieg in Vietnam findet eine Diskussionsveranstaltung im Audimax der FU Berlin statt, bei der vor allem über die Frage debattiert wird, ob die von der Polizei gemachten Auflagen bei der Demonstration am nächsten Tag eingehalten werden sollen oder nicht. Rudi Dutschke hält ein flammendes Plädoyer dafür, diese Auflagen nicht einzuhalten, weil sie nicht von den Demonstranten gemacht worden seien. Wie immer redet er engagiert und lautstark, von den vielen Mikrofonen vor sich eher unbeeindruckt. Michael Ruetz hat vor dieser Aufnahme einige Bilder aus der Tiefe des Saals gemacht und sich während Dutschkes Rede dem Pult genähert. Hier kam ihm das «Glück des jungen Journalisten« zu Hilfe, denn hinter dem Redner tauchte plötzlich eine helle Lichtquelle auf und umgab Dutschke mit einer auratischen Form, die ikonographisch zur Heiligsprechung gehört. Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke wurde diese Aufnahme von Michael Ruetz wohl zu seinem meistgedruckten Motiv jener Jahre.

Die Ausstellung am Pariser Platz dokumentiert nicht nur die Dynamik der politischen Bewegung von ’68. Sie zeigt die Protagonisten der Zeit von Dutschke bis Beuys, das bürgerliche Seelenklima Westdeutschlands ebenso wie den inszenierten öffentlichen Raum der DDR. Vor allem aber öffnen die Bilder von Michael Ruetz den Blick auf eine Welt in Aufbruch und Bewegung, auf ein Klima der Befreiung und Emanzipation. Dafür stehen die Fotografien aus Griechenland, Rom, Guinea-Bissau oder Chile.

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Beuys boxt auf der documenta, 1972. Bei der Schließung des “Büros für Direkte Demokratie” auf der documenta V kämpfte Joseph Beuys gegen Abraham David Christian. Kassel, 8. Oktober 1972

Michael Ruetz, geboren 1940 in Berlin, ist freier Autor, Künstler und Fotograf. Er begann während seines Sinologiestudiums zu fotografieren. Von 1969 bis 1973 war er Mitglied der Stern-Redaktion. Michael Ruetz verbrachte während mehrerer Auslandsaufenthalte insgesamt zwölf Jahre in Italien, Australien und den USA. Bis 2005 war er Professor für Kommunikationsdesign an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Michael Ruetz ist seit 1998 Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin. Über sich und seine Projekte erzählt Michael Ruetz auf seinen Webseiten.

Mit der Ausstellung erschien ein umfangreiches Buch im Steidl-Verlag mit vielen Bildern und Texten von Michael Ruetz und Rolf Sachsse. ISBN 978-3-86521-668-7. Preis 40 Euro.

1968. Die unbequeme Zeit. Fotografien von Michael Ruetz – bis 27. Juli
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin-Mitte
Telefon +49 -(0)30 – 200 57-1000

Akademie der Künste Berlin
Michael Ruetz

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1 Kommentar

  1. mjoelk
    schrieb am 3. Juli 2008 um 09:39 Uhr (#)

    danke für den hinweis, habs korrigiert.

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