Seen-Landschaft:
Wo sich HDR lohnen würde

Ein Postkartenbild im besten Sinne: Ein Spiegelsee mit Vordergrund, Mitte und Hintergrund. Mehr Himmel und grösserer Kontrastumfang könnten die Wirkung verstärken.

Stephan Wüthrich: Horseshoe Lake, Canada

Stephan Wüthrich: Horseshoe Lake, Canada


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Stephan Wüthrich ). – Sony DSC-F828 – 1/200s – f/8 – ISO64 – 7.1mm (28mm)

Kommentar des Fotografen:

Horseshoe Lake, Jasper NP, Alberta, Canada. Das Bilde finde ich deshalb so spannend, weil ich etwas rechts von der Mitte einen Indianerkopf entdeckt habe (die Felsen, die ins Wasser reichen – inklusive Spiegelung!)

Peter Sennhauser meint zum Bild von Stephan Wüthrich :

Den “Indianerkopf” finde ich nicht als solchen wichtig – aber dass die Felsformation im Zentrum und am rechten Rand dem Bild die nötige Tiefe verleiht, ist unbestreitbar:

Weitwinkel-Landschaftsaufnahmen leiden häufig unter einem “Plattheits”-Effekt, sowohl inhaltlich wie auch technisch – sie wirken flach. Das liegt nicht nur an der grossen Schärfentiefe, sondern auch daran, dass solche Aufnahmen unbedingt einen grossartigen Hinter-, aber eben auch einen spannenden Vordergrund haben müssen.

Diese Komposition bietet dies sehr schön: Im untersten rechten Bilddrittel erlaubt uns die Perspektive einen Blick in das kristallklare Wasser, während dessen Oberfläche kurz darauf in den typischen Spiegeleffekt übergeht. Nachdem der Blick dieser zentralen Schlangenlinie entlang hinaus in den See gewandert ist, wird er automatisch von der schräg abfallenden Felskante rechts angezogen, die vom Standort des Fotografen in den Wald und verheissungsvoll über den See hinauf führt.

Das ist sehr schön gemacht, weil die Nähe nicht über den vollen Bildausschnitt im Vordergrund vorhanden ist, sondern der rechten Kante entlang ins Bildzentrum hineinführt, und weil es neben dem stillen Wasser auch auf der Felskante einiges zu sehen gibt.

Oder: Zu sehen gäbe, denn trotz Abendlicht hält die Kamera mit dem Kontrastumfang nicht mit. Technisch leidet das Bild darunter, dass der Wald auf dem Felsvorsprung im Schatten liegt und nur minimale Tonwertbreite hat. Wenn sich irgendwo ein Versuch mit der High-Dynamic-Range-Technik (HDR) anböte, dann hier: Eine Belichtungsreihe und die Kombination von Fotos, die auf die hellen Stellen in der Landschaft hinter der Bucht bis nach vorne in den Wald zur Rechten belichtet würden, könnte das Foto massiv aufwerten.

Derzeit stört vor allem auch der harte, grosse Schlagschatten in der rechten unteren Ecke. Eine leichte Verschiebung des Bildausschnitts nach oben hätte ihn teilweise eliminiert, ohne den Blick auf die Unterwasser-Felsen zu beschneidenoder die diagonale Aufteilung in Vordergrund/Mitte/Hintergrund zu stören; gleichzeitig wäre ein zweites Manko des Bildes korrigiert worden: Der Himmel, der jetzt nur grade im Einschnitt im Bildzentrum zu sehen ist, könnte über den Bäumen eine weitere Linie und einen Farbkontrast einbringen.

Abgesehen davon finde ich diese Weitwinkel-Aufnahme sehr gelungen, weil mit der dreistufigen Tiefe und dem sehenswerten Vordergrund – sowohl im Wasser wie entlang des rechten Rands -die gewünschte Sogwirkung entfalten kann, die bei zu vielen Landschaftsaufnahmen von uns Amateuren fehlt.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. hallo peter

    als erst mal danke für deine sehr aufschlussreiche und konstruktive kritik! du hast recht, ein hdr wäre hier genau das richtige. – wenn ich heute nochmals dort wäre, würde ich das sicher auch versuchen. (ein guter grund um wieder einmal nach kanada zu fliegen…) etwas mehr vom himmel ist auch eine gute idee.

    danke für die anregungen!
    gruss falki

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