Indiskreter Porträt-Ersatz:
Omas Nähzimmer

Bilder von persönlichen Dingen sagen vielfach mehr über Personen aus als klassische Porträts.

Marlies Plank: Omas Nähzimmer
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Marlies Plank). – Canon EOS 350D – 1/60s – f/5 – ISO400 – 59mm (88mm)

Kommentar des Fotografen:

Grandmas vintage room: Das Nähzimmer meiner Oma.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Marlies Plank:

Aus nur drei Elementen ist dieses Bild gemacht, und trotzdem gibt es uns einen ziemlich guten Eindruck davon, wie Omas Nähzimmer, und sogar Oma selbst sein mögen. Diese Art Foto von häufig übersehenen Details kann uns manchmal mehr über Person erzählen als ein Standardporträt:

In Porträts verstecken sich die Menschen vielfach hinter einer Fassade, aber mit dieser Art von Foto kriegen wir einen Einblick in die Welt, in der sich wohlfühlen und ganz sie selbst sind.

Mir gefällt, dass das Bild an der Wand ein wenig rechts der Bildmitte platziert ist und von dem roten Vorhang rechts und der Linie der Zimmerecke links eingerahmt wird. Indem ein bisschen der Wand links mit ins Bild gekommen ist, wird Tiefe erzeugt und unser Auge von links nach rechts geleitet.

Das Foto ist nicht hundertprozentig scharf, was wahrscheinlich das Resultat einer relativ langen Belichtungszeit bei einer sechzigstel Sekunde ist. Eine Sechzigstel ist genau die Belichtungszeit, bei der die meisten Menschen aus freier Hand noch scharfe Bilder erzeugen können, ohne die Hilfe eines «Imagestabilizers« oder Einbeins. Natürlich ist es leichter, die Kamera bei längerer Belichtung ruhig zu halten, wenn die Kamera und das Objektiv klein und leicht sind. Aber vor allem bei SLRs und DSLRs sollte man bei einer Belichtungszeit einer Sechzigstel oder kürzer bleiben, wenn die Bilder richtig scharf sein sollen. Eine gute Daumenregel ist, dass die Belichtungszeit in hundertstel Sekunden nie länger sein sollte als die Brennweite, die benutzt wird in, mm. Wenn Du zum Beispiel ein 200mm-Objektiv benutzt, dann sollte Deine Belichtungszeit eine zweihundertstel Sekunde nicht überschreiten. Benutzt Du jedoch ein 35mm- oder 20mm-Objektiv, dann sollte eine Sechzigstel die längste Belichtungszeit sein, ansonsten setzt Du die Bildschärfe aufs Spiel.

Was ich noch störend finde, ist das ungleichmäßige Licht. Das Foto wurde wahrscheinlich von einer Zimmerlampe beleuchtet, vermutlich von einem Deckenlicht. In solchen Fällen kann das unregelmäßige Licht durch andere vorhandene Lichtquellen ergänzt werden, oder sogar von einem Blitz. Dies braucht gewöhnlich Mühe und Übung, aber Deinen Fotos wird es zugute kommen.

Douglas Abuelo - Marlies Plank

Im Beispiel wurde Photoshop eingesetzt, um die ungleiche Beleuchtung zu kompensieren, den Gelbstich auszugleichen und das Bild schärfer zu machen. Obwohl die digitale Dunkelkammer Wunder wirken kann, ist es immer noch das Beste, so nah wie möglich ans perfekte Bild heranzukommen, wenn das Foto gemacht wird.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare

  1. marlies
    schrieb am 30. April 2008 um 10:22 Uhr (#)

    danke für die nette kritik !
    das foto war ein kompromiss da weder blitz noch stativähnliches vorhanden war,aus der hand bei angehaltenen atem fotografiert.
    vielleicht versuche ich es demnächst nochmal mit stativ.

    lg

  2. Anonym
    schrieb am 30. April 2008 um 14:54 Uhr (#)

    tatsächlich wird dieser Effekt bei vielen Fotos vernächlässigt…

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