Surreal oder Schnappschuss:
Die Komposition muss stimmen

Ausser in der Reportagefotografie spielt die Bildkomposition immer eine zentrale Hauptrolle. Um sie ohne Ablenkung zu überprüfen, stelle man das Bild auf den Kopf.

Gabriel Kowalik
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gabriel Kowalik). – Casio EX-Z57 – 2.5s – f/2.6 – 5.8mm (35mm KB)

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild habe ich irgendwann in der Nacht in Berlin aufgenommen. Die Lichtfarbe hat mir sehr gut gefallen, allerdings gefällt mir der Freiraum an der linken Bildseite nicht.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Gabriel Kowalik:

Diese merkwürdige Szene erweckt aus vielerlei Gründen Interesse, nicht zuletzt, weil es sich um ein «persönliches« Porträt eines Salamanders handelt. Das Tier, das da einen Apfel anstarrt und dabei lässig mitten auf der Straße liegt, ist kein alltäglicher Anblick. Die starken Farben, das Orange der Straßenlaternen, sowie das Dunkelblau des Nachthimmels, spielen auch eine große Rolle, dass bei uns für das Foto Interesse aufkommt.

Und nicht zuletzt gibt uns die geringe Tiefenschärfe, die die Fahrbahnmarkierungen und den Hintergrund verschwimmen lässt, einiges zu entdecken, über das wir uns Gedanken machen können. Es ist ein gestelltes Bild. Was jedoch interessant ist, ist dass das Foto trotzdem den Anschein hat, möglicherweise spontan gewesen zu sein. Dies wird dadurch erzeugt, dass die Komposition nicht geometrisch oder ästhetisch «perfekt« ist.

«Perfekt« würde hier meiner Meinung nach bedeuten, dass der Salamander vertikal parallel zum Bildrand positioniert, und der Apfel nicht von der Kante abgeschnitten worden wäre. Würden auch noch die nach hinten verschwimmenden Linien der Straße mehr in die Mitte des Horizonts münden, anstatt dass sie quer durch das Bild verlaufen, hätten wir eine viel stärkere Komposition.

Außerdem finde ich den schiefen Horizont, der das Foto auch noch in der Hälfte zerschneidet, störend. Abgesehen von der Surrealität des Salamanders mit dem Apfel, der da auf der Straße in urbanem Umfeld liegt, geht es in diesem Foto hauptsächlich um geometrische Formen.

Leider sind sie etwas unzusammenpassend, sodass sie sich nicht zu einer harmonischen Gesamtkomposition ergänzen. Eine gute Möglichkeit, herauszufinden, ob die Elemente Deines Bildes miteinander im Einklang stehen, und wie die Komposition als ganze wirkt, ist, das Bild auf den Kopf zu stellen. Dies nimmt Deinen Blick vom Objekt, und Du kannst Dich mehr der Geometrie und den Forme widmen.

Ich mag die Surrealität dieses Bildes, aber ich glaube, es würde mehr ins Auge springen, wenn Du den kleinen kompositorischen Details mehr Aufmerksamkeit geschenkt hättest.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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