Schnappschuss Hundeverwicklungen

Komische, spannende oder sonstig dokumentierwürdige Momente lassen uns häufig auch dann (zu) schnell den Auslöser drücken, wenn es noch Zeit für Verbesserungen gäbe.

Michael Sennhauser
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Sennhauser). – Canon Digital Ixus 800 IS – 1/320s – f/4 – 11mm

Kommentar des Fotografen:

Ein verwickelter Moment am Pariser Seine-Quai im März letzten Jahres. EXIF-Daten sind eingebaut, das Bild habe ich beschnitten (d.h. den leeren Vordergrund weggeschnitten)

Profi Robert B. Fishman meint zum Bild von Michael Sennhauser:

Ältere Herrschaften und ihre Hunde in der Großstadt: Ich mag die charmante Ironie und die authentische Unmittelbarkeit, die dieser Schnappschuss vermittelt. Hundeliebe kann zu Komplikationen führen. Aber so schön harmonisch, wie die Brückenbögen das Bild nach oben auch abschließen:

Sie lenken von der Geschichte ab, die das Bild uns erzählt, ohne wesentliche Zusatzinfos zu liefern. Etwas anderes wäre es, wenn sie zum Beispiel das Foto eindeutig lokalisieren würden. So allerdings verraten sie mir noch nicht, dass wir uns in Paris befinden.

Nun bin ich mal ganz puristisch: Alles, was uns keine sofort verständliche Zusatzinfo und keinen wesentlichen Beitrag zu der Geschichte liefert, die ich erzähle, kann weg.

Andere Variante: das Bild könnte als Symbolbild für das Thema Kommunikation und Einsamkeit in der Großstadt dienen – links die Leere, die miteinander «verbundenen« Hunde, deren Lage die Menschen zusammenführt und die Brücke als Symbol für Kommunikation darüber.

© Michael Sennhauser

Um eine Idee zu vermitteln, was hier noch möglich ist, habe ich das Bild radikal auf das Wesentliche beschnitten: die Beine, die Leinen und die Hunde. Einen Nachteil konnte ich im Nachhinein leider nicht bearbeiten. Meiner Ansicht nach hat der Fotograf hier schlicht auf der falschen Seite gestanden. Der Rücken des Mannes im beigefarbenen Mantel verdeckt den Kern der Geschichte: Den dunkelgrauen Hund zu seinen Füßen, der anscheinend von den Leinen gefesselt ist.

Als Reporter kenne ich das Problem: Gleich abdrücken, obwohl der Moment oder die Perspektive (noch) nicht stimmt. Oder auf die andere Seite laufen und das Risiko eingehen, dass das Motiv dann weg ist. Einzige Möglichkeit: Schnell das Foto machen und sofort die Perspektive wechseln in der Hoffnung, dass es dann für das noch bessere Foto nicht zu spät ist. Sehr störend finde ich den Touristen mit dem Rucksack im Hintergrund. Aus dieser Aufnahmeperspektive wäre es meines Erachtens besser gewesen, mit einer sehr großen Blende zu arbeiten (was angesichts der Kompaktkamera natürlich in diesem Fall keine Option war). Dann wären Tourist und Brücke unscharf geworden und würden weniger vom Geschehen im Vordergrund ablenken. Ich weiß allerdings auch, dass man in einer solchen Schnappschuss-Situation nicht die Zeit hat, über solche Feinheiten nachzudenken.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Wolf-Dieter Roth says:

    Ich hätte allerdings die ratlosen hinuntergebeugten Köpfe der Hundebesitzer drangelassen – machen trotz suboptimaler Aufnahmeposition auch was her. Und man kann das Bild so noch benutzen – alle Köpfe frontal, und man hätte vor einer Veröffentlichung wohl alle Beteiligten um Erlaubnis fragen müssen.

    Mit abgeschnittenen Köpfen ist man das Problem allerdings 100% los :-)

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  2. Mick says:

    Herzlichen Dank für die freundliche Einschätzung. Das Bild ist eben wirklich ein Schnappschuss, und dafür liebe ich ja auch meine Kompaktkamera. Mir hat zusätzlich zum Hauptmotiv schliesslich auch noch die Wiederholung der Brückenbogen in den gekrümmten Rücken der Hundehalter gefallen. Aber beschnitten wirkt das Bild tatsächlich direkter.

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