Robert Franks Paris:
Ein Amerikaner aus Zürich

Als Amerikaner kam er nach Paris zurück – der in Zürich aufgewachsene Robert Frank, berühmt geworden mit dem epochemachenden Fotobuch “The Americans”. Die Paris-Bilder lassen davon schon einiges vorahnen.

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Robert Frank: Paris – Blinder Straßensänger mit Akkordeon und zuschauende Kinder, ca. 1950, © Robert Frank

In der Ausstellung “Robert Frank. Paris” zeigt das Essener Museum Folkwang erstmals eine umfangreiche Auswahl aus den Anfang der 1950er Jahre entstandenen Paris-Bildern von Robert Frank. Ein Teil dieser Aufnahmen wird erstmals veröffentlicht. Sie wurden eigens für die Ausstellung in Essen und das Begleitbuch ausgewählt und zum Teil neu vergrößert.

Viele der von Robert Frank während seiner Paris-Aufenthalte aufgenommenen Bilder sind heute weltbekannt und gehören zum festen Repertoire der Fotografiegeschichte.

Robert Frank, Jahrgang 1924, ist in Zürich aufgewachsen und absolvierte dort auch seine Ausbildung zum Fotografen. Erst 1945 bekam der bis dahin staatenlose Frank die Schweizer Staatsbürgerschaft.

1947 emigrierte er nach New York und wurde später Amerikaner. Die 80 von Robert Frank und der Kuratorin Ute Eskildsen ausgewählten Werke machen deutlich, dass Franks Erfahrung in der «Neuen Welt« seinen Blick für Europa geschärft hatte.

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Robert Frank: Paris (Mädchen betrachtet Chaplin-Maske) , © Robert Frank, 2008

Der Besuch der französischen Metropole im Jahr 1951 war Franks zweite Rückkehr nach Europa, so schreibt das Folkwang-Museum. Der Fotograf erlebte die Straßen von Paris als Bühne menschlicher Aktivität. Mit seiner Kamera beobachtete er die vielen kleinen Momente im großstädtischen Alltag: Spaziergänger, Straßenarbeiter und Händler, beiläufige Ereignisse, Begegnungen und Geschichten in den Cafés, auf den Boulevards und Plätzen waren seine Themen. Frank konzentrierte sich insbesondere auf die Blumenverkäufer, die sein Paris-Bild nachhaltig prägten – und in seinem 1987 erschienenen Buch “Flower is Paris, Ford is Detroit, Mabou is Waiting” (1987) noch einmal aufscheinen.

Franks Bilder stehen in der Tradition des Flaneurs, einer literarischen Figur, die sich beobachtend durch die moderne Großstadt treiben lässt. Sie knüpfen damit an den berühmten Paris-Fotografen Eugene Atget an. Franks Blick richtet sich auf die Individuen der französischen Metropole, gleichzeitig erkundet er die Stillleben der Stadt, ihre geheimnisvollen Erscheinungen und Schriftbilder.

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Robert Frank: Paris (Astrologie), 1950, © Robert Frank, 2008

Mit einem Guggenheim-Stipendium reiste Robert Frank zwischen 1955 und 1957 für seine große Bildreportage durch die USA. Er machte 28.000 Fotos, von denen 83 dann in seinem Buch “The Americans” landeten. Unterwegs traf er den Schriftsteller Jack Kerouac, der auch das Vorwort zum Buch beisteuerte, das 1958 erschien.

Das Buch ist derzeit vergriffen und wurde über die Antiquariate teilweise für viele hundert Euro gehandelt. Mit den Schwarzmarkt-Preisen ist es im Mai nun vorbei: Der Steidl-Verlag veröffentlicht es neu in deutscher Sprache unter dem Titel “Die Amerikaner” (30 Euro). Auch das Begleitbuch zur Essener Ausstellung erscheint bei Steidl – “Robert Frank. Paris” heißt es. Robert Frank lebt heute in New York und Neu-Schottland in Kanada.

Die Paris-Bilder sind in Essen bis zum 6. Juli zu sehen, weitere Ausstellungsstationen bis 2009: Museo di Fotografia Contemporanea, Cinisello Balsamo, Provinz Mailand: November bis Dezember 2008; Jeu de Paume, Paris: Januar bis März 2009; Nederlands Fotomuseum, Rotterdam: April bis Mai 2009.

Robert Frank. Paris
Museum Folkwang, Kahrstraße 16, 45128 Essen, bis 6. Juli
Kontakt: +49 (0)201 8845301
Öffnungszeiten: Di – So 10 – 18 Uhr, Pfingstmontag geschlossen

Museum Folkwang
Robert Frank bei Wiki
Steidl-Verlag

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