“Mit den Augen der Fotografen”:
HD-Doku mit Fenstertick

Wolf-Dieter Roth, 18. Mai 2008 06:06 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

“Mit den Augen der Fotografen” ist eine der wenigen bereits in HDTV verfügbaren Dokumentationen, in Deutschland auf Premiere Discovery HD zu empfangen. Leider leidet sie am Mac-Syndrom.

Discovery HD Küstenflug W.D.Roth
Premiere Discovery HD kann auch anders: Die Kurzdokus “Küstenflug” zeigen die Möglichkeiten von HDTV beeindruckend (Bild: W.D. Roth)

Mit HDTV tut man sich in Deutschland noch etwas schwer: ProSiebenSat1 hat seine HDTV-Sendungen eingestellt, die ARD stahlt vor 2010 nur vereinzelte Testsendungen zu Feiertagen und Messen aus. Nur beim Bezahl-TV-Anbieter Premiere kann man die beiden Kanäle “Discovery HD” und “Premiere HD” buchen.

Das Angebot bei Discovery HD ist allerdings noch mau: Wiederholungen, von “Jeff Corwins tierische Abenteuer” über “Gigantisch”, “Matt Rogers fette Maschinen” bis “American Chopper”. Das typisch amerikanische “Doku”-Sortiment.

“Mit den Augen der Fotografen” klang daher vielversprechend. Etwa vergleichbar mit der Arte-Serie Kontaktabzüge, in der in 25 Minuten jeweils zwei bekannte Fotografen präsentiert wurden?

Nun, nicht ganz. Es sind sogar drei Fotografen und Filmer, die in ebenfalls 25 Minuten durchgehechelt werden. Doch zumindest in Folge 3 und 4 der insgesamt 8 Folgen fiel nicht nur der Amerikanismus im Schnittstil unangenehm auf – im Gegensatz zu den ruhigen Einstellungen der Franzosen wurde ständig die Einstellung gewechselt, gezappt, geschnitten, so daß die Bilder gar nicht richtig zur Wirkung kommen können. Es gab auch meist nur verkleinerte Bilder zu sehen:

Der arme Ken Burns wurde wieder einmal bis zum Abwinken mißbraucht. Seine Technik, Fotos “abzufilmen”, also einen virtuellen Schwenk darüber zu machen, um die höhere Auflösung des Fotos im Video wiedergeben zu können und ein lebendigeres Bild zu erreichen, wurde bei “Mit den Augen der Fotografen” in ihr Gegenteil verkehrt:

Ein Bild erscheint, mit schwarzem Trauerrand gleicher Breite rundum, also mit nur 1/9 der Bildschirmauflösung von maximal 1920 x 1080. Quälend langsam wird das Bild mit dem Burns-Effekt größer gezoomt, doch lange vor halber Größe (also 1/4 Bildschirmauflösung) auch schon wieder weggeblendet.

Man sieht also weit weniger als in einer Normal-TV-Sendung, in der die Fotos nicht kleingezoomt werden.

Mitunter wird auch einmal ein Interview mit niedlich klein eingeblendetem Foto gezeigt. Oder es werden vier Fenster gleichzeitig geöffnet, mit dicken Rahmen dazwischen.

Vermutlich ist der Sendungsproduzent Mac-User: Die schimpfen ja gerne, daß die dämlichen PC-Benutzer ihre Programme immer auf Vollbild aufziehen, statt möglichst viele kleine Fenster auf dem Bildschirm nebeneinander anzuordnen.

Nur frage ich mich, wozu man erst mit viel Mühe HDTV anschafft, dafür im Falle von Premiere zusammen mit den regulären Rundfunkgebühren fast dreistellige Monatsbeitäge investiert, neue Displays und Receiver anschafft, um dann einen großen schwarzen Rahmen mit einem kleinen Foto drin präsentiert zu bekommen?

Und wenn ich unbedingt viele kleine Bildschirmfenster haben will, kann ich mir auch vier normale Fernseher aufstellen. Dazu brauche ich kein HDTV. Und wenn mir das nicht reicht, können es auch noch 16 TV-Handys sein.

Inhaltlich sind die Fotografen-Portraits unterschiedlich, meist durchaus interessant. Die Optik kann jedoch nur bedingt überzeugen. Am ehesten hat das Medium HDTV noch der Beitrag über den Modefotografen Peter Balinski genutzt. Obwohl auch hier immer mindestens zwei Bilder nebeneinander standen, damit es ja nicht zu hoch auflösend wird.

Weiterempfehlen

Mehr lesen

Foto-Essay: Geschichten konzise erzählen

5.1.2010, 3 KommentareFoto-Essay:
Geschichten konzise erzählen

Reportage- oder Strassenfotografie muss vor allem eines: In jeder Aufnahme eine Geschichte erzählen.

Fredrik Marsh: Dresden im Übergang

2.10.2009, 2 KommentareFredrik Marsh:
Dresden im Übergang

Der Amerikaner Fredrik Marsh hat die Wende und ihre Auswirkungen auf Dresden dokumentiert.

Krisenfotograf Emilio Morenatti: Kontraste

26.8.2009, 5 KommentareKrisenfotograf Emilio Morenatti:
Kontraste

Emilio Morenatti ist Newsfotograf mit künstlerischem Flair. Seine Bilder leben von subtil inszenierten Kontrasten.

Mohnblütenfoto: Verführung statt Zwang

12.2.2010, 3 KommentareMohnblütenfoto:
Verführung statt Zwang

Ausbleichen und Weichzeichnen sind starke Effekte, die deswegen mit Mass angewandt werden wollen.

Setzlingsfeld mit Drohwolken: Behutsames HDR

13.1.2010, 4 KommentareSetzlingsfeld mit Drohwolken:
Behutsames HDR

Wenn ein Effekt wie HDR behutsam benutzt wird, kann er das Motiv unterstützen.

Entsättigter Wald: Effekte brauchen eine Begründung

17.9.2009, 4 KommentareEntsättigter Wald:
Effekte brauchen eine Begründung

In der digitalen Dunkelkammer lässt es sich trefflich mit Effekten herumspielen. Die machen allerdings aus einem Bild niemals eine erstklassige Fotografie.

Swiss Press Photo 2009: Ist das die neue Bildsprache  im Zeitalter des Bürgerjournalismus?

26.11.2009, 2 KommentareSwiss Press Photo 2009:
Ist das die neue Bildsprache im Zeitalter des Bürgerjournalismus?

Der Schweizer Pressefoto-Preis soll zeigen, dass sich die Bildsprache im Internet-Zeitalter weiter entwickelt. Das gelingt 2009 nur teilweise.

Fotografien aus 24 Stunden: Die Türme wachsen, die Blätter fallen

20.11.2009, 0 KommentareFotografien aus 24 Stunden:
Die Türme wachsen, die Blätter fallen

Herbst in der Stadt. Farben und Stimmungen.

Fotografien aus 24 Stunden: Städte und Meteoriten

19.11.2009, 0 KommentareFotografien aus 24 Stunden:
Städte und Meteoriten

Isolation, Fluchtpunkt und Weitwinkel - noch mehr ungewohnte Perspektiven.

Setzlingsfeld mit Drohwolken: Behutsames HDR

13.1.2010, 4 KommentareSetzlingsfeld mit Drohwolken:
Behutsames HDR

Wenn ein Effekt wie HDR behutsam benutzt wird, kann er das Motiv unterstützen.

Fotografie als Hobby: Die vierte Dimension

23.6.2009, 0 KommentareFotografie als Hobby:
Die vierte Dimension

Fotografie ist, nüchtern betrachtet, ein simpler Vorgang. Die Vielseitigkeit der Anwendung aber fasziniert.

Autofokus: Das Defokus-Problem

2.6.2009, 14 KommentareAutofokus:
Das Defokus-Problem

Serienfeuer und Autofokus: Probleme sind programmiert. Händische Einstellungen sind von Vorteil.

4 Kommentare

  1. P.K.
    schrieb am 18. Mai 2008 um 08:06 Uhr (#)

    …Vermutlich ist der Sendungsproduzent Mac-User…

    Keine Ahnung wie Ihr jetzt wieder auf so ne **** iDee kommt… ?

    fängt das schon wieder an mit dieser rassendiskriminirerung ?

    gerade die leute im grafischen bereich sollten doch wissen, dass in diesem bereich der mac unschlagber ist, oder ?
    (ja, gebs ja zu – ausnahmen sind vorhanden…)

  2. Schreibt hier auf dem Blog Wolf-Dieter Roth
    schrieb am 18. Mai 2008 um 09:42 Uhr (#)

    Na normal sagen die Mac-User solche Nettigkeiten ja zu den PC-Usern. (“Hab Du erst mal einen richtigen Computer!”). Warum nicht mal andersrum? Ich bin für Gleichberechtigung.

    Und da die Mehrheit bei Blogwerk Macs hat, dürfen wir auch über Mac-User spotten :-) die regen sich ja auch immer so schön auf :o)

    Das mit den Fenstern stimmt aber wirklich. Klar haben die Grafiker meist so große Schirme, daß sie kein Vollbild mehr brauchen bei ihren Programmen. Aber 10 Fenster nebeneinander anzuordnen ist dann auch irgendwann chaotisch, schlimmer als mein Schreibtisch…

  3. Julian Schrader
    schrieb am 19. Mai 2008 um 08:42 Uhr (#)

    „Vermutlich ist der Sendungsproduzent Mac-User: Die schimpfen ja gerne, daß die dämlichen PC-Benutzer ihre Programme immer auf Vollbild aufziehen, statt möglichst viele kleine Fenster auf dem Bildschirm nebeneinander anzuordnen.“

    Was für ein Bullshit. Und zum Kommentar: Ich bin für weniger Vorurteile. ;-)

    Aber schön, dass es hier eigentlich um ein HD-Sendung geht — alles was hängen bleibt, ist ein dämlicher Kommentar :D

Pingbacks

Pingbacks anzeigen...

Diesen Artikel kommentieren

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.