Händisches Geotagging:
Effizienter Helfer von Microsoft

Pro Photo Tools von Microsoft machen nicht nur das nachträgliche Versehen von Fotos mit den Koordinaten des Aufnahmeorts (geotaggen) zum Kinderspiel. Das kostenlose Windows-Programm stellt mächtige Werkzeuge zur Modifikation von Exif- und IPTC-Daten zur Verfügung. Und: es funktioniert mit RAW.

Microsoft Pro Photo Tools - Geotagging händisch leicht gemacht

Programme zum Geotaggen – Einfügen von Koordinaten in die EXIF-Informationen einer Fotografie, so dass sie in digitalen Karten am richtigen Ort angezeigt werden können etc. – gibt’s inzwischen wie Sand am Meer. Die meisten funktionieren in Verbindung mit einem Online-Dienst; die Fotos werden zugleich hochgeladen auf Flickr oder Picasa oder Locr.de, für die Darstellung wird Google Earth benutzt. Kaum einer dieser Dienstleister kann aber mit RAW-Dateien umgehen.

Microsoft stellt jetzt mit den Pro Photo Tools ein kostenloses Windows-Programm zur Verfügung, das den umgekehrten Weg beschreitet:

Microsoft Pro Photo Tools - mit MS Virtual Earth einfach Fotos auf die Karte pinnen.
Bilder aus den Thumbnails auswählen und per Rechtsklick in den ausgewählten Kartenausschnitt einfügen. Er lässt sich beliebig zoomen und herum schieben, oder man springt via Suchfeld zu einer Adresse.

Die Fotos müssen nicht zu einem Webdienst hochgeladen werden, sondern es wird umgekehrt die Kartenapplikation von Microsoft Virtual Earth in Echtzeit auf dem lokalen Rechner beigezogen. Danach kann der Fotograf die Bilder auf verschiedene Arten sehr bequem von Hand in der Landkarte oder mit dem Abgleich mit einer GPS-Tracking-Datei mit dem Geotag versehen – und noch viel mehr:

Im Unterschied zu den meisten andern Anwendungen beschränken sich die Pro Photo Tools nicht auf die Geotagging-Daten, sondern lassen umfangreiche und in definierbaren Templates zusammengefasste Manipulationen an den Exif- und IPTC-Daten zu. Die Pro Photo Tools sind ein Editor für Foto-Metadaten, der Felder wie Copyright, Fotograf, Beschreibung und Ort serienmässig oder mit cleveren Verknüpfungen bearbeiten lässt.

Microsoft Pro Photo Tools: Aufbau gemäss Workflow
Aufbau im Workflow: So geht kein Schritt vergessen.

Dabei ist das ganze Layout der Anwendung auf einen Schritt-für-Schritt-Ablauf ausgelegt, ohne einen aber mit den eine Zeit lang in Softwaredesigner-Kreisen beliebten dämlichen “Assistenten” zu nerven: wer will, kann den Workflow jederzeit abändern; wer Schrittweise durchgeht, kann sicher sein, nichts vergessen zu haben.

Für anspruchsvolle Amateure ist das deshalb interessant, weil in einem Aufwisch zahlreiche Anpassungen der Metainformationen, vor allem aber die händische oder automatische Geotagging-Funktion auch an RAW-Dateien möglich sind (dazu muss allerdings das jeweilige RAW-Plugin des Kameraherstellers via Pro Photo-Website gesucht und installiert werden).

Viele der andern Geotagger können nur mit JPG und weiteren Standard-Formaten umgehen. Das macht sie für ambitionierte Amateure unbrauchbar: Ich möchte gerne meine “Negative” sofort beim Übertrag aus der Kamera mit ausführlichen Copyright-Informationen und einem Geotag versehen (Das liesse sich mit meiner D300 und andern Profikameras unterwegs mit einem GPS-Anschluss erledigen – dazu ein andermal mehr).

Umfangreiche Listen mit sämtlichen Metadaten-Feldern können zwar auch in Postproduktions-Programmen wie Apple Aperture oder Adobe Lightroom sortiert und bearbeitet werden. Aber für das nachträgliche Geotagging ausserhalb der Kamera brauchts dann doch wieder ein Zusatzprogramm und einen gesonderten Arbeitsdurchgang – und die Microsoft Pro Photo Tools erledigen den nicht nur bequem und sowohl mit- als auch ohne GPS-Datendatei. Sie reichern die Metadaten zusätzlich mit lesbaren Informationen über den Standort an.

Ich will hier nur kurz den Vorgang des händischen Geotaggings behandeln, der für alle Interessant ist, die kein GPS oder keine Tracking-Software besitzen, aber anhand der Landkarte von Microsoft Virtual Earth ihre Bilder Standorten zuordnen wollen.

Microsoft Pro Photo Tools: Ohne Zoom in die Karte gelingt die Platzierung nichtmicrosoftprophototools004142
Damit die Bilder auf Rechtsklick genau am richtigen Ort in der Karte plaziert werden, muss eingezoomt werden – nachträgliches Verschieben gelingt nicht mit ganzen Bildgruppen.

Dazu werden die Bilder ganz einfach in das Programm geladen, wo sie als Thumbnails angezeigt werden. Dabei kann bereits in einem Gesamtdurchlauf ein Copyright-Eintrag in die EXIF-Daten vorgenommen werden (Pro Photo Tools schreibt dabei noch nichts in die Fotodateien).

Danach können die Metainformationen wie Titel, Beschreibung, Copyright, Kategorien, aber auch Zeit und Datum und natürlich vor allem Ort entweder einzeln pro Bild oder gruppenweise angepasst und editiert werden.

Vor allem aber lassen sie sich einzeln oder in Gruppen nach einem Rechtsklick auf der Landkarte positionieren.

Leider – und das ist die grösste Kritik an diesem Programm, das sich in Microsoft-Manier in der Version 1 wohl noch als Betaversion sehen sollte – funktioniert dies nicht mit dem angestammten “Klicken und ziehen”: Die Anwendung pflanzt ganz einfach alle Bilder als rote Pin-Nadeln genau in die Mitte der Landkarte. Man kann sie danach zwar verschieben, aber nur einzeln und nicht als Gruppe.

Das ist für die Erstplazierung weiter kein Problem: Man muss ganz einfach vor dem Platzieren der Fotos so tief wie möglich und so exakt wie möglich auf den Standort einzoomen, den man bei der Aufnahme innehatte.

Microsoft Pro Photo Tools: Bilder in die Karte einfügen, oder Karteninformation in ddie Bilder einfügen. das alles geht auch mit Satellitenbildern.
Mit der Satellitenansicht lassen sich die Bilder besonders genau verschieben. Ist das Bild plaziert, lassen sich auf Knopfdruck die Adressdaten in die Metafelder übertragen.

Das klappt am besten, wenn man den Kartenausschnitt zusätzlich verkleinert (im Bild zu Demonstrationszwecken mit einem grösseren Ausschnitt). Auf den Trick bin ich erst gekommen, nachdem ich schimpfend mehrfach versuchte, die in der Karte knapp neben dem Ziel lokalisierten Fotos zu verschieben.

Jetzt kann man allerdings, wenn man die Nadeln leicht falsch gesetzt hat, den Knopf “GPS-Daten löschen” anklicken, und die Koordinaten werden wieder aus allen Bildern entfernt – aus jenen jedenfalls, die man in der Thumbnail-Vorschau zuvor ausgewählt hat; daraufhin plaziert man die ganze Gruppe etwas präziser neu.

Das ist bisweilen ein bisschen ein Hin- und Her, und es empfiehlt sich, die Fotos in Gruppen von “am gleichen Standort aufgenommen” zu bearbeiten und sogleich zu speichern.

Zuvor allerdings folgt noch ein Schritt, der die Microsoft Pro Photo Tools neben dem RAW-Bearbeitungsmodus weiter von andern Anwendungen unterscheidet.

Ein Klick auf den Knopf “Hol die Textbezeichnung dieses Ortes” generiert für jedes Bild Anhand der Koordinaten, die mit dem ersten Schritt der Plazierung in der Strassenplan- oder Satellitenansicht eingetragen wurden, detaillierte Einträge für die Felder “Adresse”, “Ort”, “Staat” und “Land”.

Microsoft Pro Photo Tools: In einem Aufwisch Adressen eintragen - ein mausklick genügt für ganze Gruppen von Fotos.
In einem Aufwisch Adressen eintragen – ein Mausklick genügt für ganze Gruppen von Fotos.

Das umgekehrte Verfahren funktioniert selbstredend auch: Wenn ein Bild die beschreibenden Lokalitätsdaten enthält, versucht Pro Photo Tools auf Knopfdruck die exakten GPS-Koordinaten einzufügen.

Das klappt indes nur, wenn die Strassenadresse korrekt geschrieben oder das Feld leer ist (worauf mein Bild aus dem Golden Gate Park die Koordinaten von “San Francisco” kriegt – und die sind nicht sonderlich aussagekräftig.)

Wenn alle Fotos mit allen Einträgen versehen sind, kann mit dem Menü “Bilder schliessen” die Speicherung der Daten in die Meta-Informationen des Fotos ausgelöst werden (Pro Photo Tools fragt vor diesem Schritt noch einmal nach).

Microsoft Pro Photo Tools: Alles da auch in Lightroommicrosoftprophototools010452
Die Metadaten aus den Pro Photo Tools werden in Lightroom ausgegeben (links), ein Klick auf die GPS-Daten öffnet Googlemaps und zeigt den Standort des Fotografen in dieser doch sehr microsoftfremden Anwendung.

Fazit

Alles in allem ist dieses kostenlose kleine Microsoft-Programm ein nützlicher Helfer für Fotografen, die ohne viel Aufhebens ihre Bilder mit GPS-Daten, beschreibenden Informationen, aber auch gleich mit Bildlegende, Titel, Copyright-Informationen, Adresse und Kontaktdaten des Fotografen und vielem mehr versehen wollen.

Wer das Batchweise für ganze Shootings tun will, ist mit dem Microsoft-Programm nicht schlecht bedient. Vor allem angesichts des Preises. Die Microsoft Pro Photo Tools sind kostenlos – der Benutzer muss lediglich beim Download eine dieser ekligen “Überprüfung auf reguläres Windows” über sich ergehen lassen.

Ich komme in einem weiteren Artikel zurück auf die automatische Lokalisierung von Fotos mittels einer gespeicherten Wegpunkte-Datei ab GPS – dort zeigt sich, dass die Pro Photo Tools noch mehr zu bieten haben.

Microsoft Pro Photo Tools Download (englisch)

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3 Kommentare

  1. Marcel
    schrieb am 19. Mai 2008 um 14:04 Uhr (#)

    Auch ich freute mich über die Nachricht des Erscheines einer solchen Software – und wurde dann jedoch enttäuscht. Das Einlesen der *.gpx-Dateien meines GPS-Trackers schlug mit einer Meldung von “nicht enthaltenen GPS-Trackpunkten” fehl. Das Selbe auf 2 verschiedenen Vista SP1-Rechnern. Ein Blick in die Installationsvorrausetzungen des Programms verriet, dass eine englische Windows-Version erforderlich sei. Also pflugs ein englisches XP in einer virtuellen Maschine installiert – und siehe da, die Trackfiles enthalten plötzlich GPS-Daten!

    Schade Microsoft!

  2. Joerg
    schrieb am 21. Mai 2008 um 10:31 Uhr (#)

    Funktioniert nicht mit Olympus RAW unter WinXP da kann GeoSetter einfach schon mehr und spricht deutsch.

  3. Schreibt hier auf dem Blog Peter Sennhauser
    schrieb am 21. Mai 2008 um 11:33 Uhr (#)

    @Joerg: Danke für den Tipp. Ich hab zwar einen halben Tag lang nach standalone Geotaggern rumgesucht, bin aber erstaunlicherweise nicht auf Geosetter gestossen. Sieht beeindruckend aus und wird sicher beim GPS-Test einer der Kandidaten – und als Freeware ein sehr aussichtsreicher, bei dem Umfang.

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