Regenlandschaft:
Mehr Weite und Korn

Douglas Abuelo, 19. Mai 2008 08:10 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Dieses Bild ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenige Elemente es braucht, um eine optisch ansprechende Szene und ein aufsehenerregendes Foto zu machen.

Sacscha Diercks
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sascha Diercks). – Canon EOS 400D – 1/200s – f/4.5 – ISO 200 – 31mm (46mm)

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstand an einem Sommertag auf dem Deich von St. Peter Ording. Wir wurden dort von einem heftigen Regenguss überrascht. Dieses Bild entstand 10 Minuten bevor uns der Regen erreicht hat. Ich habe versucht, in dem Foto den Platzregen und dei Regenwolken über dem weit entfernten Strand einzufangen. Das Foto wurde aus der Hand aufgenommen und in Lightroom in Schwarz/Weiss konvertiert.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Sascha Diercks:

Obwohl ich nicht die ursprüngliche Farbversion gesehen habe, denke ich, schwarz-weiß war eine gute Wahl:

Es hilft, die paar Elemente in diesem Bild zu isolieren, die Szene wird vereinfacht, sodass wir unsere Aufmerksamkeit mehr den Formen und Tönen widmen können, die sie interessant machen.

Der Fotograf hat das Bild ziemlich gut komponiert und den Rahmen mit verschiedenen Aspekten gefüllt, die unser Auge durch das Foto wandern lassen. Die Meereslinie und der Regen im Hintergrund und der Wohnwagen mit der Strasse im Vordergrund ergeben eine ausgewogene Tiefe und Perspektive. Wegen der schmalen weißen Linie des Weges ist der Bildteil nicht nur einfach eine schwarze Zone, und unser Blick wird von ihr vom rechten Vordergrund bis in den mittleren Hintergrund geleitet.

Während der Wohnwagen einen schönen hellen Kontrast zum restlichen Grau darstellt, ist er auch eine Art Anker für unser Auge, obwohl ich ihn doch eine Spur zu groß finde, denn er erdrückt die Komposition etwas. Ohne ihn wäre die kompositorische Perspektive jedoch nicht so interessant und die Farbtöne wären alle erdrückende Graus, aber so, wie es hier ist, ist der Wohnwagen ein wenig zu gegenwärtig.

Was ich auch weiter störend finde, ist, dass die Linie des Meeres das Foto in zwei Hälften teilt. Ich glaube, beide Probleme hätten mit einem etwas weiteren nach oben gerichteten Weitwinkelobjektiv gelöst werden können. So wäre der Wohnwagen kleiner und nicht so erdrückend, und die Horizontlinie des Meeres in das untere Drittel des Bildes gerückt.

Sascha Diercks bearbeitet

Während Digitalkameras meistens gute monochrome Ergebnisse erzielen, vermisse ich jedoch manchmal die Körnigkeit, die wir vom Film her kennen. Bei Photoshop gibt es einen Filter, der das Bild mit Körnung versieht, aber noch besser ist ein Programm namens DxO Filmpack, denn es kann die Körnigkeit von ca. 20 verschiedenen Farb- und Schwarz-Weiß-Filmen nachahmen. Ich habe damit ein wenig herumexperimentiert und herausgefunden, dass die Ergebnisse erstaunlich nah an das der echten Filme herankommen.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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