Porträt:
Klassisch und einfühlsam

Wenn technisch alles stimmt, fällt bei Porträts die Haltung und Pose des Modells umso mehr auf. Nicht immer im besten Sinne.

Stefan Schwarz
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Mario Mertsch). – Pentax ist DL2 – 40mm (60mm) – f/2,8 – 1/90s – 200 ISO

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Mario Mertsch:

Herzlichen Glückwunsch, das ist ein sehr schönes Portrait, das vor allem technisch zu überzeugen weiss. Inhaltlich hätte ich ein paar Vorschläge, aber dazu später:

Der Fotograf hat hier richtigerweise eine offene Blende und ein leichtes Teleobjektiv gewählt, wenn man die Brennweitenverlängerung des 40 mm (60 mm) mit einberechnet. Das sind zwei Punkte, die einem Portrait einen besonderen Reiz verleihen.

Durch die offene Blende (hier 2,8) wird die Schärfeebene sehr gering gehalten und hier im Bild natürlich auf die Augen verlegt. Damit konzentriert sich der Betrachter automatisch auf die Augen, die ja bekanntlich der Spiegel unserer Seele sind. Das Licht fällt sehr weich von links oben auf das Gesicht, wobei vor allem die linke Gesichtshälfte hell strahlt, während die rechte einen Hauch dunkler wird.

Gelungen ist hierbei vor allem die gleichmäßige Ausleuchtung des helleren als auch des dunkleren Parts. Auch der Reflex (Blitzlicht/schirm?) in den Augen wertet das Bild auf und zieht die Aufmerksamkeit auf die richtige Stelle.

Ich nehme an, dass hier die digitale Nachbearbeitung nicht unerheblich im Spiel war. Jedoch auch diese ist nicht zu unterschätzen und hier ebenfalls hervorragend gelungen (meiner Ansicht nach ein wenig zu viel geglättete Haut, was den Charakter einer Person nicht gerade unterstützt).

Gerade aufgrund der technisch hochwertigen Lösung wundere ich mich ein wenig über ein paar Punkte. Zunächst lümmelt sich das Mädchen ein wenig lustlos auf dem Sofa und das Sofa / Kissen stört durch seine doch noch erkennbare Struktur. Hier könnte man ein stärkeres Teleobjektiv (100 aufwärts) verwenden, um die Tiefenschärfe noch weiter zu reduzieren und das Mädchen könnte sich aufsetzen, damit zum Beispiel auch die Falten am Hals nicht bilden. Trotzdem sehr schöne Arbeit.

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