Newsbilder:
Was die Presse will

Wie schiesst man ein Pressebild, das die Bildredaktion überzeugt? Für Pressefotografen beginnt das Marketing bei der Bildkomposition.

Ein Feuerwehrmann ist bei einem Einsatz in San Francisco verletzt worden © P. Sennhauser

Ein Feuerwehrmann ist bei einem Einsatz in San Francisco verletzt worden © P. Sennhauser


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Peter Sennhauser). – Nikon D200 – 1/80s – f/5.3 – ISO400 – 105mm (157mm)

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild habe ich lediglich als Test für den Bild-Upload in die Kritiken-Warteschlaufe hochgeladen – und dort hat es sich Kritiker Douglas Abuelo aus Versehen geschnappt. Eigentlich ist die gegenseitige Kritik im fokussiert.com-Team tabu – aber ich finde die folgenden Anmerkungen des erfahrenen Reportage-Profis Douglas so aufschlussreich, dass wir eine Ausnahme machen. Weitere News-Fotos dieser Serie zur Erläuterung in dieser Bildgalerie.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Peter Sennhauser:

Dieses Foto überträgt sehr schön den Stress und die Ungewissheit, mit dem die Feuerwehrmänner in dieser Situation klarkommen müssen. Der Auslöser wurde genau im rechten Moment gedrückt, um die Emotionen und die Spannung festzuhalten. Aber:

Im Grunde geht es in diesem Bild um eine simple Botschaft. Diesbezüglich ähnelt es einem Pressefoto. Die meisten Verlage würden es aber nicht zur Illustration eines Artikels auswählen, da das Objekt selbst nicht wirklich sichtbar ist.

Mir gefällt das geheimnisvolle an dem Bild: Wir können an dem aufgeregten, spannungsgeladenen Gesichtsausdruck des einen Feuerwehrmannes eindeutig erkennen, dass es sich um eine kritische Situation handelt. Der andere Feuerwehrmann allerdings hat einen anderen Ausdruck im Gesicht, der mehr Raum für Interpretation lässt. Er scheint irgendwie unsicher und vielleicht sogar ein wenig geschockt, sieht zur Seite, als ob er vermeiden wollte, das anzusehen, was hinter den Kollegen versteckt ist.

Es sieht aus, als wären sie dabei, jemanden auf einer Trage in einen Krankenwagen zu laden. Aber das ist schon so gut wie alles, was wir erfahren. Das Bild erzählt uns nicht genau, was passiert, und überlässt uns damit unseren Vorstellungen und Überlegungen.

Zeitungen und Nachrichten Magazine scheuen normalerweise solche Aufnahmen: Sie wollen, dass der Betrachter auf den ersten Blick sieht, was passiert. Natürlich geben uns auch die Untertitel präzise Informationen, aber in den meisten Fällen gilt: je direkter das Bild, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Printmedien es veröffentlichen.

Es ist deshalb wichtig, sich beim Fotografieren zu fragen: Wofür werden die Bilder genutzt, und wer wird sie angucken? Während in Nachrichten gewöhnlich keine zweideutigen Bilder erwünscht sind, geht es andererseits in der Kunstfotografie meist eher darum, eine indirekte Botschaft zu übermitteln. Kunstfotos sollen häufig vom Betrachter interpretiert werden.

Wenn Du weißt, wer Dein Publikum ist, ist es Dir möglich, Dein Objekt entsprechend im Sucher einzurahmen und zu präsentieren. In diesem Bild ist der Moment der Spannung das wichtigste, und es gab nicht viel Zeit, um sich über kleine kompositorische Veränderungen Gedanken zu machen. Trotzdem hätte ich gern mehr von den Feuerwehrmännern und der Gesamtsituation gesehen.

Ich glaube, das Foto hätte eine stärkere Aussage, wäre es horizontal und in einer Perspektive mit weiterem Winkel aufgenommen worden.

Anmerkung des Fotografen Peter Sennhauser: Douglas hat in jedem Punkt recht. Das Bild ist das stärkste einer kleinen News-Serie zu einem Brand in San Francisco; die Redaktion des San Francisco Chronicle lehnte sie alle ab – zu unklar, zu wenig eindeutig.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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