Test Olympus E-520:
Sie kann die Klappe(r) noch nicht halten

Wolf-Dieter Roth, 25. Mai 2008 22:22 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Nach der E-410, die durch die E-420 ersetzt wurde, hat Olympus nun auch die E-510 renoviert. Eine E-520 traf am Freitag bei uns ein. Der erste Eindruck.

E-520 DZK
Olympus E-520 mit Doppelzoom-Kit ZUIKO DIGITAL ED 14-42mm 1:3,5-5,6 und ZUIKO DIGITAL ED 40-150mm 1:4,0-5,6 (Bild: Olympus)

Für mich entscheidend für die Wahl des Olympus-E-Systems ist die Live View: Ich mag einfach nicht ständig durch einen Sucher zielen müssen, außer bei starkem Sonnenschein, bei Teleaufnahmen oder anderen triftigen Gründen. Aber natürlich will ich die bessere Bildqualität der DSLRs mit den gegenüber Kompakt- oder gar Taschenkameras überlegenen Sensoren und den erweiterten optischen Möglichkeiten durch Wechselobjektive.

Da war die E-330 die Kamera, die das “sowas will doch keiner” der anderen Kamerahersteller (die nun natürlich auch bieten, was doch keiner will) Lügen strafte und mit ihrer “Live View” den zwar früh in die Digitaltechnik eingestiegenen, doch im Profisegment etwas ins Hintertreffen gerateten Kamerahersteller Olympus wieder nach vorn brachte.

Bild
Olympus E-520, 22mm Brennweite (entspricht 44 mm Kleinbild), Blende 1:5,6, 1/100s (Bild: W.D.Roth)

Die E-330 wirkte nicht perfekt, teils eher wie mit der heißen Nadel gestrickt, wenn das Bild im Monitor bei nachlassender Umgebungshelligkeit s/w und verrauscht wurde, doch im praktischen Einsatz gewöhnte man sich sehr schnell an ihr Verhalten.

Umso irritierender, was Leica/Panasonic ebenso wie Olympus selbst anschließend Live View antaten: Statt eines zweiten Sensors im Sucher, wie bei der E-330 konsequent, wenn auch sicher nicht kostenoptimierend eingesetzt, versuchen alle DSLRs mit Live View seitdem mit dem Bildsensor alleine auszukommen.

Das ist technisch durchaus korrekt, genau das ist ja “WYSIWYG”. Es gibt dabei nur zwei Probleme: Der Bildsensor erwärmt sich und rauscht mehr – ein Problem bei Nacht- und Astronomieaufnahmen. Und der klassische SLR-Autofokus funktioniert nicht mehr, da er den Strahlengang durch den Prismensucher zur Funktion benötigt.

Olympus E-520 W.D.Roth
Direkt in die Sonne fotografiert, dennoch eine mit Automatik ohne Nachbearbeitung noch brauchbare Aufnahme der Olympus E-520, mit allerdings unbrauchbaren EXIF-Daten (“1/4000s, Brennweite 0, Blende 0″) und ebenso während der Aufnahme unsinnigen Anzeigen auf der Kamera (Bild: W.D.Roth)

Letzteres führte zunächst einmal dazu, den Fokus bei der Live View einfach wegzulassen: Wer einen Monitor statt eines optischen Suchers akzeptiert, merkt doch sowieso nicht, ob darauf etwas scharf zu sehen ist, basta! Erst beim Auslösen wurde unter großem Geklapper erstmal in Ruhe fokussiert – das Motiv war dann bis zur Aufnahme vor Schreck längst weggelaufen…

Nur Nikon und Canon machten sich Gedanken darüber, wenigstens noch den langsameren Autofokus der Kompaktkameras bei Live View anzubieten. Mit der E-420 zog Olympus dann nach: Sie klapperte kaum noch.

Allerdings hatten wir nur ein Vorserienmodell zur Verfügung, dessen Objektiv noch nicht für den neuen Kontrast-Autofokus ausgelegt war und nur Hybrid-Autofokus bot. Der war immerhin schon halbwegs akzeptabel. Da mußte das leidige Klapper-Problem dann ja mit dem richtigen Objektiv gelöst sein, so schrieb ich optimistisch.

Infrarot 715 mm sw Olympus E-520 W.D.Roth
Infrarot 715 mm, auf sw umgesetzt, Olympus E-520,ISO 100, Blende 1:2, 1/5 s (Bild: W.D.Roth)

Zu optimistisch, wie in einigen Olympus-Foren geschimpft wurde. Geschimpft wird dort zwar praktisch immer, in diesem Punkt aber sogar mal zu Recht: Auch mit einem Kontrast-AF-fähigen Objektiv ist die Live View noch nicht wieder auf dem von der E-330 gewohnten Komfort-Niveau zurück. Tatsächlich erinnert das Verhalten der E-520 mit Kontrast-Fokus eher an eine Kompaktkamera mit wenig Licht:

Unter kräftigem Gesurre benötigt sie ein bis zwei Sekunden zum Fokussieren. Meist auf das richtige Teil des Motivs, doch nicht immer. Kann man dann auslösen, so klappert der Spiegel doch noch kurz herum. Ganz ohne geht es immer noch nicht.

Größer ist jedoch das Problem, daß die E-520 mitunter mit dem erzielten Ergebnis nicht glücklich ist und in Stellung AF-S den Auslöser nicht frei gibt, weil sie meint, kein scharfes Bild eingestellt zu haben. Stattdessen AF-C einzustellen, ist nicht möglich: Diese Einstellung ist bei E-420 und E-520 nicht mit Live View kombinierbar!

Infrarot 850 mm Olympus-E-520 W.D.Roth
Infrarot 850 mm, Olympus-E-520, ISO 100, Blende 1:2, 1/2 s (Bild: W.D.Roth)

Eine Abhilfe ist es, Hybrid-AF einzustellen: Hier wird der letzte Quent Scharfstellung doch auf altbekannte Weise erledigt. Die Verzögerung von “Ok” bis “Auslösen” ist jedoch etwas höher. Die andere Möglichkeit ist es, AF-S + M einzustellen: Hier gibt die E-520 nach der Scharfstellung den Auslöser frei, auch wenn sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist.

Was jedoch ein echtes Problem ist: Der Kontrast-AF der E-520 ist einfach ziemlich langsam. Der Grund: Er setzt nicht an der letzten Einstellung an, sondern durchfährt erst einmal den gesamten Einstellbereich. Wer also kurz den Auslöser losläßt, weil der zu fotografierende Redner einfach nicht von seinem Manuskript hochgucken will und ihm der Finger lahm wird, hat Pech, wenn dann endlich der ersehnte Blick ins Publikum kommt: Bis der Kontrast-AF nun wieder komplett neu fokussiert hat, guckt der Redner längst wieder ins Blatt…

Interessanterweise konnte der Hybrid-AF der Olympus E-520 in Verbindung mit Infrarot-Filtern und dem nicht Kontrast-AF-fähigen Makro-Objektiv ZUIKO DIGITAL ED 50mm 1:2,0 (am Kit-Objektiv der E-520 paßten die Infrarot-Filter nicht) allerdings auch im Infrarot-Bereich scharfstellen – hier wäre die E-330 aufgeschmissen und das manuelle Fokussieren von Infrarotbildern auf dem Monitor ist im Sonnenschein nicht einfach.

Olympus E-520 W.D.Roth
Olympus E-520, 27 mm Brennweite (entsprechend 54 mm Kleinbild), 1/200 s, Blende 1:8 (Bild: W.D.Roth)

Dabei konnte auf 715 nm noch ein brauchbares Bild erzeugt werden, dem man nur das Fehlen eines Stativs anmerkt, bei 850 nm ist dann doch deutliche Unschärfe zu vermerken, doch wäre diese vielleicht bei einem reinen Kontrast-AF statt des Hybrid-AF besser ausgegangen: das Endfokussieren mit Infrarotabweichung im Suchertrakt dürfte hier die zuvor durch Kontrast-AF gefundene Einstellung wieder ruiniert haben.

Wer Live View nicht so schätzt wie ich, der bekommt mit der E-520 allerdings eine DSLR mit Bildstabilisator (den die E-330 noch nicht hatte) und dem guten Bildsensor der E-3 sowie einem noch günstigeren Preis als bem Vorläufer E-510 und dem besonders im Weitwinkelbereich vielseitigen Four-Thirds-Objektivsortiment. Die E-510 war eine der erfolgreichsten DSLRs der letzten Monate, die E-520 wird sie noch übertrumpfen.

Zur Photokina könnte Olympus ja noch etwas ganz Neues aus dem Hut zaubern. Ein E-330-Nachfolger ist bis heute nicht ausgeschlossen. Allerdings will die Mehrzahl der Käufer lieber den klassischen Prismensucher, der den zweiten Sensor der E-330 nicht erlaubt und interessiert sich nicht für eine Live View ohne Funktionseinschränkungen. Insofern ist es doch eher unwahrscheinlich, daß sich in diese Richtung etwas tut. Und allen anderen Kritikpunkte an E-510 und vor allem E-410 hat Olympus mit der E-520 abgeholfen.

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