Theo Frey:
Helvetien im letzten Jahrhundert

Die Reportagen des Schweizer Fotografen Theo Frey zeigen eine Schweiz aus scheinbar ferner Vergangenheit. Dabei sind seine Bilder vielfach kaum sechzig Jahre alt. Eine Ausstellung über sein Gesamtwerk ist bei der Fotostiftung Schweiz in Winterthur zu sehen – und ein Vorgeschmack in unserer Bildgalerie.

Theo Frey: KARTOFFELFUHRE IN OBERSAXEN, PLATEGNA GR, 1948 (© Keystone / Fotostiftung Schweiz / Theo Frey)
Theo Frey: Kartoffelfuhre in Obersaxen, Plategna GR, 1948. Zur Bildgalerie (© Keystone / Fotostiftung Schweiz / Theo Frey)

Fremd und weit entfernt scheint diese Schweiz, die sich in den Bildern des Fotografen Theo Frey spiegelt, der kürzlich hundert Jahre alt geworden wäre. Sein Hauptwerk zeigt das ländliche Leben vor dem zweiten Weltkrieg; ab 1940 bis zum Kriegsende dokumentierte der Reportage-Fotograf im Auftrag der Armee das Leben in der Schweiz.

Den Einblick in eine andere Welt, eine ärmliche, einfache Gesellschaft, wie sie unsere Grosseltern erlebten und in der unsere Eltern Kinder waren, ist bei der Fotostiftung Schweiz in Winterthur noch bis 14 August 2008 zu sehen.

Freys Bilder vom legendären Rütliraport oder von Bergbauernfamilien sind berühmt, aber sein Werk erlaubt auch einen Blick auf das städtische Leben in der Schweiz des letzten Jahrhunderts.

Dass Frey nicht den Bekanntsheitsgrad anderer Fotografen seiner Zeit erreicht hat, führt Stiftungspräsident Peter Pfrunder unter anderem auf seinen unpretäntiösen und Stil zurück:

…seine sorgfältig aufgebauten, sachlich gehaltenen Reportagen leben weniger von flüchtigen und dramatischen Momentaufnahmen als vom scharfen Blick für das Unscheinbare – für den Alltag, der die Menschen prägt. Theo Frey brachte in seinen Fotografien soziales Engagement und eine tiefe Sympathie für die Lebenswelten der kleinen Leute zum Ausdruck.

Theo Frey: Autofriedhof im Kanton Zürich. (© Keystone / Fotostiftung Schweiz / Theo Frey)Migros-Wagen im Kanton Zürich, 1942 (© Keystone / Fotostiftung Schweiz / Theo Frey)48218366Theo Frey: Pferderennen in Fehraltdorf, 1955 (© Keystone / Fotostiftung Schweiz / Theo Frey)Arbeiter der Kohlenmine Chandolin, 1942 (©Keystone / Fotostiftung Schweiz / Theo Frey)Begräbnis, Saignelegier, 1942 (©Keystone / Fotostiftung Schweiz / Theo Frey)
Theo Freys Bilder aus der Schweiz des letzten Jahrhunderts (Legenden in der Bildgalerie; alle Fotos © Keystone / Fotostiftung Schweiz / Theo Frey).

Diese in den Bildern auferstehende Lebenswelt ist namentlich für die Generationen, welche den Wandel der Vorkriegs- zur modernen Schweiz nicht erlebt haben, von einem ganz speziellen Zauber, wobei Freys nüchterne Aufnahmen wenig Anlass zur Verklärung geben.

Den riesigen Fotografischen Nachlass von über 100’000 Negativen in 6×6 und 35mm-Bildern, Tausenden von Kontaktbögen und Prints hat Sabine Münzenmaier für die Stiftung aufgearbeitet, nachdem das Bundesamt für Kultur Freys Werk noch zu seinen Lebzeiten 1989 (Frey, geboren 1908, verstarb 1997) erworben und 2006 der Fotostiftung Schweiz als Dauerleihgabe überlassen hat. Die Ausstellung zahlreicher weniger bekannter Arbeiten Freys und namentlich seiner Kontaktbögen auf Karton, mit denen er den Überblick über sein Werk behielt, dauert bis zum 24 August 2008.

Begleitend ist im Limmatverlag ein 280seitiger Katalog mit Texten von Theo Frey, Martin Gasser, Klaus Merz, Sabine Münzenmaier und Peter Pfrunder erschienen.

Fotostiftung Schweiz: Theo Frey

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