Volltreffer:
Nebel als Sonnenfilter

Der Nebel wabert über die Hochebene, die Sonne wird langsam ausgefiltert, der Vordergrund stimmt – ein Glücksfall. Und den zu fotografieren, dürfte einem ein paar Schritte aus dem Auto wert sein.

Gregor Schmidiger

Gregor Schmidiger


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gregor Schmidiger). – Nikon D70s – 1/250s – f/10 – ISO 200 – 56mm (78mm)

Kommentar des Fotografen:

Das Bild habe ich Anfang dieses Jahres im Berner Oberland aus dem Auto heraus aufgenommen. Es ist für mich ein absoluter Glückstreffer. Der Nebel filterte die Sonne genau so, dass sie als saubere Scheibe erschien. Zur rechten Zeit am rechten Ort.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Gregor Schmidiger:

Diese romantische Situation hat der Fotograf nicht nur gut gesehen, sondern auch mutig umgesetzt, indem er direkt in die Sonne fotografiert hat.

Die technische Seite läßt hier nichts zu wünschen übrig. Das zauberhafte Licht ist mit der Kombination aus Blende und Verschluss richtig eingefangen und der Fotograf hat sich richtigerweise für eine große Blende entschieden.

Damit hat er zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das Bild hat eine ausreichende Tiefenschärfe und die Sonne franst nicht aus, sondern wird mit klaren Rändern dargestellt. Natürlich hat auch der Nebel zum großen Teil dazu geführt, dass die Sonne in dieser Brillianz rüberkommt. Wirklich zur rechten Zeit am rechten Ort.

Mich packt allerdings das Grauen, wenn der rechte Ort zur rechten Zeit wie ein Goldschatz vor einem liegt und dann die eigene Faulheit obsiegt, indem man im Auto sitzen bleibt, ohne den Fuß (das Auge) ein paar Meter nach rechts oder links zu bewegen! (Vielen Dank für die Ehrlichkeit…) Sehr wahrscheinlich ist im abgeschnittenen unteren Teil des Bildes auch noch die Motorhaube zu sehen.

Egal, ich könnte mir jedenfalls vorstellen, dass ein etwas engerer Bildausschnitt die Wirkung des Nebels, der Sonne und der Silhouetten verstärkt hätten. Die Reduktion auf vielleicht drei Merkmale im Bild (der Baum rechts unten, die Fabrik im Hintergrund mitte und die Sonne links oben)hätte die Wirkung auf den Betrachter insofern verstärkt, als er nicht durch die anderen Informationen gewollt oder ungewollt abgelenkt würde.

Das ganze mit einer längeren Brennweite, um die Ebenen zwischen den Objekten zu verkürzen (70 mm aufwärts), und es wäre sogar ein Gewinnerbild bei einem Naturfotowettbewerb.

Aber das nächste mal, bitte, bitte, wenigstens mal aussteigen und ein wenig rumlaufen.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Vielen Dank, Jan Zappner, für die ehrliche Profi-Kritik.
    Was das Fotografieren aus dem Auto anbelangt, muss ich zu meiner Verteidigung sagen, dass das Motiv ein sehr flüchtiges Ereignis war. Die Sonne wurde nur zeitweise durch Wolkenfetzen so verdeckt, dass sie nicht überstrahlte und ich hatte Angst den richtigen Zeitpunkt zu verpassen. Vom Auto war auch auf dem Rohmaterial nichts zu sehen, ich habe durch die offene Seitenscheibe fotografiert. Nichtsdestotrotz werde ich mir Ihre Anregung zukünftig zu Herzen nehmen. :)

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