Komposition:
Bildschnitt ist immer erlaubt

Nicht immer gelingt die beste Bildkomposition bei der Aufnahme – aber ein Blick in die Ecken des Sucherausschnitts hilft. Und: Ein Bildschnitt ist keine Retusche und auch dem Fotojournalisten erlaubt – es gibt k(aum )einen Grund, ein Bild nicht zu beschneiden, wenn es dadurch gewinnt.

Michael Klein

Michael Klein


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Klein). – Pentax K10D – 1/45s – f/5.6 – ISO 100 – 55mm (110mm)

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstand in einem Wildpark in Bayern als Schnappschuß. Ich finde die Situation sehr amüsant, beide Hühner sitzen seelenruhig auf dem Dach und scheinen als ob sie plaudern. Störend finde ich jedoch das dritte Huhn am Rande.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Michael Klein:

«Störend finde ich jedoch das dritte Huhn am Rand.» sagt der Fotograf über sein Bild. Ich auch. Warum ist es also da?

Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie viele Amateurfotografen normalerweise auf Szenen, die sie durch den Sucher sehen, reagieren: Sie platzieren das Hauptobjekt nahe der Bildmitte und geben den Seiten und Ecken des Rahmens kaum Beachtung.

Michael Klein, Bild gecroppt

Michael Klein, Bild gecroppt

Wenn sie dann später das Foto sehen, bemerken sie, dass es an einigen Stellen störende Elemente gibt, die sie vorher nicht gesehen hatten.

Eine gute Idee ist es, sich ein paar Sekunden Zeit zu nehmen, bevor der Auslöser gedrückt wird, um im Sucher ein wenig hin- und herzuschauen. Richte Deinen Blick weg vom Hauptobjekt in die Ecken und zu den Seiten des Rahmens. Gibt es Elemente, die Dir nicht gefallen, verändere Deine Perspektive oder zoome näher heran, um sie aus dem Sucherrahmen zu bekommen.

Diese Szene hier ist eigentlich sehr amüsant, die ich mir gut in einem Kalender oder einer Postkarte vorstellen könnte, wäre sie nur anders fotografiert worden. Leider ist das Bild, so wie es hier vorliegt, visuell nicht stark genug und überträgt nicht wirklich den Humor der Situation.

Wie oben erwähnt, wären durch heranzoomen störende Elemente entfernt worden, und zugleich hätte sich die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die zwei gackernden Hennen konzentrieren können. Vielleicht würden wir dann sogar das Gefühl haben, mittendrin in der Szene zu sein und der privaten Konversation der beiden Hennen zu lauschen. Das ist das, was diese Situation interessant macht. Wäre der Fotograf weiter nach rechts gegangen, um ein Frontalporträt der beiden zu machen, wäre das Bild auch bedeutend verbessert.

Für das nächste Mal würde ich Dir empfehlen, Dir etwas Zeit zu nehmen, um verschiede Blickwinkel und Kompositionen auszuprobieren, und dann auszulösen, wenn Du die Konstellation gefunden hast, die die Situation am besten überträgt. Du wirst wahrscheinlich zufriedener mit Deinen Fotos sein und später weniger störende Elemente finden.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für die Kritik! Mit dem Blickwinkel hast du vollkommen recht, frontal stelle ich mir das Bild wesentlich interessanter vor. Ich habe das dritte Huhn vor Ort erkannt, jedoch wirken die beiden Hühner in der Mitte auf meinem zweiten Foto weit aus nicht so gelassen wie auf diesem. Grüße aus Bayern ;-)

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