Einer gegen alle:
Viel los auf diesem Bild

Sehr schöne Blickführung und ein interessanter Widerspruch zwischen Autos, Mopeds und einem einzelnen Fussgänger, der sichals einziges in diesem Bild bewegt. Ein Polfilter hätte weiter geholfen.

Pascal Grob
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Pascal Grob). – Kodak Portra 160 VC, 50mm, 1/250, f/11

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Pascal Grob:

An diesem Bild gibt es so viele tolle Dinge zu bemerken, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Das stärkste Bildelement ist zugleich das, was uns als erstes auffällt: die Schlangen der wartenden Autos. Sie führen unseren Blick entlang der Straße in den hintersten Bildteil. Zusammen mit den Bäumen auf der rechten und den Brückenpfeilern auf der linken Seite versehen sie das Foto mit viel Perspektive.

Das allein würde ein ziemlich gutes, wenn auch zu ruhiges, Bild abgeben. Aber nachdem sich unsere Augen entlang der Autoschlangen nach hinten bewegt haben, sehen wir genauer hin und entdecken die Leute, die ungeduldig auf ihren Mopeds sitzen, und dann den einzelnen Fußgänger, der über den Zebrastreifen rennt. Dieses kleine Detail macht für mich das ganze Bild aus:

Es sieht aus, als hätte eine einzige Person, die im Vergleich zu all den Autos und all den Fahrern darin winzig scheint, ganz allein den Verkehrsfluss der ganzen Straße lahmgelegt.

Der Fußgänger ist auch das einzige menschliche Element, das wir sehen können. Die restlichen Menschen sind entweder größtenteils in ihren Autos versteckt, oder in ihren Helmen und Jacken verborgen, was sie roboterhaft aussehen lässt.

Was ich auch ziemlich cool finde, ist, dass wir wegen der Rahmung des Bildes nicht sehen können, wo der Fußgänger herkommt oder wo er hingeht. Ein unterhaltsames Geheimnis, über das wir nachdenken können.

Der Fotograf hat in genau dem richtigen Moment den Auslöser gedrückt und auch noch die ideale Belichtungszeit getroffen. Der Fußgänger ist mitten im Schritt, sein linker Fuß gerade kurz vor Bodenkontakt, den kritischen Moment festgehalten, der das Bild mit Spannung versieht.

Die Belichtungszeit von einer 250stel Sekunde ermöglicht es dem Fotografen, den Fußgänger in dieser Pose festzuhalten, während wir ein wenig Bewegung im Bild sehen können. Der Fotograf hätte eventuell, um die Reflektionen in den Autos zu beseitigen, einen Polfilter verwenden, und nach dem Scannen ein bisschen an den Tönen arbeiten können.

Aber alles in allem ist es eine sehr gute Komposition und ein cooles Foto.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Pascal Grob says:

    „Es sieht aus, als hätte eine einzige Person, die im Vergleich zu all den Autos und all den Fahrern darin winzig scheint, ganz allein den Verkehrsfluss der ganzen Straße lahmgelegt.“

    Und genau das war meine Absicht mit diesem Bild.
    Vielen Dank für die Kritik! Die verwendete Kamera war übrigens eine Leica MP – da sind Polfilter leider nicht so bequem zu benutzen. Aufgenommen wurde dieses Foto übrigens in Bangkok, Thailand.

    Antworten

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