Architektur:
Raffiniert geblitzt

Manchmal gehts nicht anders als mit Blitz – aber eine Kombination aus Aufhell-Blitz und verfügbarem Licht kann Wunder wirken.

Thorsten Jaspert: Pantheon
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thorsten Jaspert). Canon EOS 350D – 1/40s – f/7.1 – ISO 800 – 17mm (25mm)

Kommentar des Fotografen:

Das Pantheon. Eines der ältesten noch genutzten Gebäude der Welt. Da es nahezu unmöglich ist, mit einer Aufnahme das gesamten Innenraum abzubilden habe ich mich diesen Ausschnitt eingefangen. Ich hoffe ich konnte einem alten Bauwerk in Rom, einem der ältesten und tot fotografiertesten Städte der Welt ein neues Bild abringen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Thorsten Jaspert:

Jawohl, das Pantheon ist millionenfach fotografiert worden. Aber wenn diese Aufnahme nicht beweist, dass man durchaus seine ganz eigene Sicht der Dinge ablichten und damit etwas Neues schaffen kann, dann weiss ich nicht, was diesen Beweis erbringen soll. Die Raffinesse dieser Aufnahme liegt dabei in der Kombination von Lichteinfall durch das Kuppelfenster und den zusätzlichen Einsatz des Blitzes, um den „Vordergrund“ zu beleuchten:

Das duch das Rundfenster einflutende Licht ist der erste Blickfang im Bild, dem entlang wir zu den aufstrebenden Säulen und den im Zentrum des Bildes liegenden Kapitelen folgen. Die Aufteilung durch das Rund der Kuppel, den anschliessenden Bogen und die im Kontrast dazu stehenden harten Geraden der Säulen sorgen für Spannung.

Und schliesslich bleiben wir im Bild hängen und versuchen, die Perspektive aufzulösen: Der Blick an die Wand widerspricht zum Beispiel dem sichtbaren Rand des Kuppelfensters, was nur durch den grossen Weitwinkel erreicht werden konnte und mich mit einer Irritation herausfordert.

So clever diese Komposition indes ist, und so sehr sie mich vereinahmt – auf den dritten Blick folgt leise Enttäuschung. Denn da oben, im Zentrum des Interesses, wo Säulen und Lichteinfall hinzeigen, da ist – nichts.

Jedenfalls nichts, was mein Interesse verdienen würde. Im Gegenteil: In diesem Schnittpunkt tritt der harsche Schlagschatten des Blitzes plötzlich zu Tage und verrät den Trick. Und beim Umherstreifen erfasse ich am linken Bildrand zusätzlich einen hässlichen, kleinen Scheinwerfer in der Nische des Baldachins.

An dieser Stelle bin ich nahezu ratlos. Zumindest in dieser Form bietet wohl das Motiv nichts, womit man das Manko beheben könnte – und der Lichteinfall war nun mal so, wie er sich hier zeigt.

Darin allerdings läge eine Möglichkeit: Im Pantheon bleiben und versuchen abzuschätzen, wie der Lichtstrahl wandert. Allenfalls, wenn sich ein spannderes Motivzentrum auf dem Weg des Lichteinfalls fände, wäre dies ein Grund, am nächsten Tag zu einer besseren Zeit wieder zu kommen.

Eine zweite, radikale Möglichkeit wäre es, das Bild per Software radikal zu abstrahieren und mit einem künstlerischen Filter zu versuchen, die Details zu Gunsten der Linien und des Lichts zu „vernichten“. Aber das wäre mein letzter Ausweg und nur ein Versuch, aus einem teilweise starken Bild etwas ganz anderes zu machen.

Thorsten Jaspert, Pantheon, bearbeitetNoch ein Wort zum Blitz, der hier nur unterstützend eingesetzt wurde: Er ist jedenfalls zu stark und wohl durch eine mittenbetonte oder gar Spotmessung so dosiert worden, dass das im Bildzentrum liegende Säulenkapitel beleuchtet und dabei leider überstrahlt wird. Eine deutliche Reduktion der Blitzstärke könnte einige der Motivmängel, jedenfalls aber die hässlichen Schlagschatten ausräumen. Ich habe das mit einer Maskierung un der Abdunkelung der untern Bildhälfte in Photoshop zu simulieren versucht.

Möglicherweise würde dadurch sogar die Betonung der unruhigen Kapitele dermassen geschwächt, dass die Linien und Flächen das Bild vollständig übernehmen könnten. Auf jeden Fall wäre dabei auch der Lichteinfall stärker betont worden.

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