Narrative Bilder:
Das beste Geheimnis

Die Wunderrezepte für tolle Bilder? Das Geheimnis der Reportage? Oh ja, es existiert. Aber für manchen, der die Experten danach fragt, ist die Antwort eine Enttäuschung.

Julia Seufer

Julia Seufer


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Julia Seufer). – Canon IXUS 750 – 1/160s – f/2.8 – 7.7mm

Kommentar der Fotografin:

Ich wollte dokumentarisch das Scheren eines Schafes festhalten. Die Perspektive habe ich so gewählt, um eine gewisse ‘Vertrautheit’ zu dem Schaf zu schaffen. Dennoch ist das Bild doch noch sehr verbesserungsbeduerftig. Ich hoffe auf konstruktive Kritik. Vielen Dank schon einmal im Voraus.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Julia Seufer:

Viele Leute nehmen fälschlicherweise an, professionelle Fotografen würden “Top Secrets” kennen, mit denen man großartige Fotos macht:

Natürlich gibt es Techniken, die sich aus dem Erlernen und Studieren der Feinheiten ergeben, was vor allem die technische Seite der Fotografie betrifft.

Aber was die Komposition angeht, ist das beste, was Du tun kannst, Dir immer wieder Fotos, Gemälde oder sogar Filme anzusehen, und wenn Dich dann etwas besonders anspricht, finde heraus, wie die Komposition das Bild aufbaut.

Müsstest Du ein Weitwinkel- oder Teleobjektiv verwenden? Wäre der Fotograf besser über- oder unterhalb des Objekts? Ist das gesamte Bild vom Vorder- bis zum Hintergrund scharf?

Dies sind alles Techniken, die wir zu unserem Vorteil nutzen können, um zu steuern, wie unser Bild am Ende aussieht. Du schreibst: “Ich wollte dokumentarisch das Scheren eines Schafes festhalten”. Also, ich glaube, das ist Dir gelungen.

Aber mit ein wenig mehr Bedacht und Mühe wäre ein viel mehr ins Auge springendes Foto entstanden.

Zuerst, tritt ein wenig zurück und warte ab, lass die Situation sich entwickeln. Du wirst merken, wenn es so weit ist. Diese Szene scheint nicht viel Aufregendes geboten zu haben. Also müssen wir kreativ werden, wenn wir etwas Tolles daraus machen wollen.

Scheu Dich nicht, das Objekt (in diesem Fall den Schafscherer, und nicht das Schaf) zu fragen, eine vorteilhaftere Position einzunehmen, damit Du eine bessere Aufnahme machen kannst.

Hättest Du ein Weitwinkelobjektiv benutzt und wärst ganz nah an die Hände des Scherers oder das Gesicht des Schafes herangegangen, den Rest des Schafskörpers im Hintergrund, wäre ein narratives Bild entstanden, das jedoch visuell viel interessanter gewesen wäre.

Am Ende ist es das beste Geheimnis, zu überlegen, was Du willst, um dann so oft zu versuchen, bis Du es im Kasten hast. Nach einer Weile wird Dein visuelles Auge sich weiterentwickeln, und das Bild, das Du anstrebst, wird oft in Deinem Kopf erscheinen, bevor Du auch nur darüber nachdenken musst.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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