Am Oktoberfest:Der Magische Moment

…und irgendwie fällt plötzlich alles an den richtigen Ort. Ein Erzähl-Bild voller Entdeckungsmomente und Objekten in verschiedenen Tiefen des Bildes: Manchmal führt Glück zu solchen Aufnahmen, aber meist sind es Erfahrung und Geduld.

Marcel Wenzel

Marcel Wenzel


Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Marcel Wenzel). – KONICA MINOLTA – DYNAX 5D – 1/800s – f/8 – ISO400 – 18mm

Kommentar des Fotografen:

Fotografiert auf dem Oktoberfest 2007. Ein kleiner Junge, der scheinbar vor den heran nahenden Rutschenden davonrennt.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Marcel Wenzel:

Was für ein cooles Foto! Ich glaube nicht, dass irgend etwas dieses Bild besser machen kann, ohne es zu etwas anderem zu machen. Die Arbeiten an den Tönen und Farben (Gradiationskurve, Selektive Farbkorrektur) machen es zwar gewissermaßen stärker; aber ansonsten finde ich es annährend perfekt:

Das Licht ist hervorragend, die Komposition stark, und es gibt viele Dinge, die unser Interesse wecken, während unser Auge durch das Bild wandert.

Das erste, was meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war der laufende Junge, genau am idealen Platz im Foto. Vertikal ist er genau in der Bildmitte und horizontal an der unteren Linie des Goldenen Schnitts. Weil er der linken Bildkante zugewandt ist, wandern unsere Augen mit ihm an die linke Seite, die ansonsten unbemerkt bliebe, da dort nicht viel los ist und so viele andere Dinge unseren Blick einfangen.

Dies ist eine gute Art, uns zu leerem oder negativem Bildraum zu führen. Von hier nehmen die Linien der Rutsche unseren Blick mit in die hintere Bildhälfte, nach einem kurzen Zwischenstopp, um die Menschen zu betrachten, die die Rutsche herunterkommen und fast genau in der Mitte platziert sind.

Wie hier dem Betrachter die Richtung gewiesen wird, gefällt mir sehr gut: die Leute auf der Rutsche kommen zwar auf uns zu, aber unser Instinkt führt uns weiter die Rutsche hoch bis in den Hintergrund. Sehr cool.

Es ist eine gute Idee, verschiedene Objekte in verschiedenen Bildtiefen zu nutzen, um in Bilder mit solch einer Fracht an visueller Information eine Leitfaden hinein zu bringen – unsere Augen werden Schritt für Schritt von vorne nach hinten durch das Bild geführt.

Weil so viele Elemente vorteilhaft positioniert sind und das Licht so schön ist – ein sehr gutes Beispiel von goldener Spätnachmittagssonne – wirkt es fast, als wäre das Foto gestellt, obwohl seiner Notiz nach der Fotograf einfach zur rechten Zeit an rechtem Ort war.

Ohne etwas gegen die Fähigkeit und das Timing des Fotografen sagen zu wollen, ist dies ein toller Beweis dafür, dass, wenn Du oft genug suchend unterwegs bist, die Fotos zu Dir kommen werden.

Das heißt, immer auf der Jagd zu sein, den idealen Platz zu finden, und dann Geduld haben, bis alle Elemente sich zu einem magischen Moment zusammen finden, wie es hier geschehen ist.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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9 Kommentare

  1. ich muss dem douglas recht geben, oft hilft es schon mit offenen augen durch die welt zu gehen und sich auf keinen fall mit dem erstbesten foto zufrieden geben, sondern auf den “richtigen” moment, das richtige licht, die perfekte szene etc. zu warten.
    vielen dank für diese kritik und weiter so. diese rubrik ist eine klasse idee.

  2. ja wirklich ein fantastisches Bild.Und es ist auch schön mein rein intuitives positives Gefühl vom Bild mit etwas Theorie zu unterfüttern.Vielen Dank auch von mir, für die lehrreichen Bildanalysen.Und wenn die Bilder nicht nur immer Enten, überblitzte Portraits oder sonstige visuelle Anstrengungen bereit halten, macht’s auch noch richtig Spass.(*weitausdemFenstergelehnt…?)Klar an der perfekten Umsetzung gibt es nicht viel zu lernen…
    Weiter so
    Kai

  3. Und wenn die Bilder nicht nur immer Enten, überblitzte Portraits oder sonstige visuelle Anstrengungen bereit halten, macht’s auch noch richtig Spass.

    Kai, uns gehts natürlich nicht anders – wir haben auch am meisten Spass an richtig umwerfenden Bildern. Ich finde übrigens, von denen können wir mindestens so viel lernen – mit der Anleitung eines Experten, der erklären kann, warum dein Gefühl angesprochen wird, wie Du es hier grade selber sagst.

    Aber vielfach hilft eben auch ein Hinweis auf einen kleinen Fehler und wie man ihn vermeidet – und aus überblitzten visuellen Anstrengungen werden schon ab dem nächsten Tag grossartige Schnappschüsse.

    Einfacher gesagt: Diese Rubrik soll in erster Linie einen Lerneffekt bringen. Der Wettbewerb kommt später – aber er kommt…

  4. Gelungenes Foto. Ich weiß noch wie ich leztes Jahr genau mit dieser Bahn mit meinem Sohn hoch gefahren bin um ein paar Bilder von oben mach zu können. Der Kleine hatte auch seinen Spaß dabei gehabt.

  5. Was auch immer es mit sog. Profifotografen auf sich hat, gibt es wahrlich sehr wenige die über das Seminar Bildanalyse Klappe die Dritte hinausgekommen sind. Da hilft dann auch kein kryptisches Photoshopgrundkursgewinsel mehr ausser Mensch wird bezahlt und will weder Leser noch Auftraggeber verkraulen um so ein grundschlechtes Allerweltsfoto von Guck-mal-unser-Kleiner- als Goldener Schnitt gebrabbel…und dann ging ihm die Luft aus. Nein bitte nicht so billig,- da geh ich lieber auf den Flohmarkt und wühl in den Familienalben… Alles Gute,- Kokett

  6. Danke für die guten Wünsche. Einer der grossen Unterschiede zwischen Dir und den Kritikern besteht zum Beispiel darin, dass sie mit ihrem Namen zu ihren Aussagen stehen.
    Runterreissen kann man alles, und es geht offensichtlich besonders leicht, wenn man sich verstecken kann. Ich nehme an, aufm Flohmarkt trägst Du eine Maske.

  7. Entschuldige, wollte Ihnen nicht zu nahe treten.
    Für mich zählt die Arbeit, weniger die Namen die dahinter stehen! Grundsätzlich gilt – Mensch sieht nur das was er weiß.
    Was mich an dem Bild stört ist seine artifizielle Oberfläche. Es erinnert mich an Grundkurs Bildaufbau. Alles steht an seinem Platz wie für ein ambitioniertes Foto sein soll, jedoch fehlt mir das gewisse Extra (Handschrift, Stil des Photographen), was den gesamten glatten Eindruck auflöst. Die Farbigkeit sowie Belichtung des gesamten Fotos speziell im Zusammenspiel des Vordergrundes-Kopf Junge (zu hell) erinnert an einen farblich völlig überzeichneten Fujifilm aus den 80ern. Kann spannend sein wenn gewusst eingesetzt. Der Duktus des Bildes geht meines Erachtens leider nicht über einen gelungenen Schnappschuss hinaus, was der Freude des Momentes jedoch keinen Abbruch tut.

    Mit herzlichem Gruß

    betr. meines bürgerlichen Namens pflege ich im web vorsichtig zu sein.

  8. Na bitte, so klingt es schon eher nach Diskussion als nach jemandem ans Bein pissen. Auf diesem Niveau lässt sich streiten – auf dem anderen nicht.

  9. Erstens streite ich nicht sondern gebe meine Meinung weiter. Zum anderen sollten sie mal anfangen an ihrer Oberlehreratitüde zu arbeiten. Wenn Kritik als ans Bein pissen verstanden wird dann überlasse ich ihnen gern die hier offensichtlich praktizierte Selbstbeweihreucherung. Bezeichnend für sie steht das sie nicht ein einziges mal inhaltlich auf meine Kritik eingegangen sind, sondern mich ausschließlich persönlich angegangen sind. Das erübrigt meine weitere Teilnahme an dieser Art von Foren.

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